Nvidia: Quartalszahlen treiben KI-Boom

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Quartalszahlen von Nvidia sind nicht einfach Quartalszahlen. Der Hersteller von Hochleistungschips für künstliche Intelligenz (KI) ist mit einer Bewertung von mehr als 4 Billionen Dollar nicht nur der mit Abstand teuerste Konzern der Welt. Das von CEO Jensen Huang (62) geführte Unternehmen gibt regelmäßig mit seinen Geschäftszahlen die Richtung für die Technologiebranche vor. Überzeugt Nvidia, träumen Anleger von einer Fortsetzung des KI-Booms und stützen damit den gesamten Sektor. Enttäuscht Nvidia, drohen nicht nur die Aktien der „Magnificient Seven“, sondern auch der breite Markt einzuknicken.

Die Erwartungen der Anleger sind vor Nvidias Quartalszahlen, die am Mittwoch nach US-Börsenschluss (22 Uhr MESZ) bekannt gegeben werden, wieder einmal turmhoch. Um mehr als 30 Prozent auf rund 180 US-Dollar hat die Aktie von Nvidia seit Jahresbeginn zugelegt. Das Verhältnis zwischen Kurs und erwartetem Gewinn liegt laut dem Börsendienstleister FactSet inzwischen bei 40, der langjährige Durchschnitt im Nasdaq 100 liegt bei 22. Anders gesagt: Mit Blick auf die Gewinnerwartungen spielt Nvidia längst in einer eigenen Liga.

Mindestens 46 Milliarden Dollar Quartalsumsatz erwartet

Auf mindestens 46 Milliarden US-Dollar sollte Nvidia seinen Umsatz im abgelaufenen Geschäftsquartal (Mai-Juli) gesteigert haben, lautet die durchschnittliche Erwartung der Analysten. Dies entspräche einer Steigerung im Vergleich zum Vorjahresquartal um mehr als 50 Prozent. Um den Aktienkurs weiter anzutreiben, müsste Nvidia-CEO Huang die 46 Milliarden Dollar übertreffen, eine Bruttomarge von mehr als 70 Prozent vermelden und im Ausblick einen Umsatz von rund 54 Milliarden Dollar für das laufende Quartal ankündigen, schätzt Lale Akoner, Analystin beim Broker eToro.

In der Vergangenheit hat Nvidia die hohen Erwartungen regelmäßig übertroffen. Doch mit jedem Coup wird es schwieriger, dieses Kunststück zu wiederholen.

KI-Hype trägt die Magischen Sieben

Der Hype um KI hat im US-Techsektor eine Blase entstehen lassen. Neben Nvidia notieren auch die „Magnificient 7“ Mitglieder Meta, Microsoft und Amazon jeweils nahe Rekordhoch. Alle drei gehören zugleich zu den wichtigsten Kunden von Nvidia: Sie gründen ihre Wachstumsphantasien vor allem auf KI und deren Anwendungen. Meta hat seit Jahresbeginn rund 25 Prozent zugelegt, bei Microsoft sind es rund 5 und bei Amazon 4 Prozent.

Alphabet, Apple und Tesla, die restlichen Vertreter der Glorreichen Sieben, weisen dagegen seit Jahresbeginn Kursverluste auf. „Börsianer belohnen derzeit Unternehmen, die großzügig Geld ausgeben, um im Wettlauf um KI die Nase vorn zu behalten“, sagt David Wong, Investmentstratege bei AllianceBernstein. Die Investitionen in KI-Infrastruktur sollen in diesem Jahr laut Schätzungen die Marke von 350 Milliarden Dollar erreichen, und Nvidia wäre der größte Profiteur dieses Ausgabenbooms.

Auch ETF-Anleger, die in den globalen MSCI World Index investieren, sollten bei den Quartalszahlen von Nvidia am Mittwochabend genau hinschauen. Der Anteil der „Magnificient 7“ am weltweiten Index hat inzwischen die Marke von 20 Prozent überschritten. Nvidia hat wegen seines enormen Marktgewichts alle Voraussetzungen, den globalen Aktienmarkt zu erschüttern.

Noch deutlicher ist die Unwucht, wenn man auf den US-Aktienmarkt blickt. „Wer heute in den US-Index S&P 500 investiert, geht im Grunde eine Wette darauf ein, dass die Magnificient Seven noch weiter steigen“, sagt Torsten Slok, Chefvolkswirt bei Apollo Global Management. Die zehn wertvollsten US-Unternehmen im S&P 500 machten bereits knapp 40 Prozent des Leitindex aus. Der Vergleich der KI-Euphorie mit der Dotcom-Blase liegt nahe. 

Hoffnungsträger China

Laut den Analysten von etoro verstärken die jüngsten Lockerungen von US-Präsident Donald Trump (79) im Handel mit China die Hoffnung, dass Nvidia auch im chinesischen Markt gut im Geschäft bleibt. Eine Wiederaufnahme der H20-Chiplieferungen könnte eine „bedeutende zusätzliche Einnahmequelle darstellen“, heißt es. Zugleich entwickle sich das Geschäft mit den Blackwell Grafikprozessoren besser als erwartet, angetrieben auch durch die Nachfrage staatlicher Käufer.

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manager magazin

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Nvidia-Chef Huang will dem schnell wachsenden Bedarf an Rechenleistung für künstliche Intelligenz  mit einer neuen Generation seiner Chips begegnen. Ein neues System mit dem Namen „Vera Rubin“ soll im Herbst 2026 auf den Markt kommen. Der Chip ist nach Vera Rubin benannt – einer amerikanischen Astronomin, die wichtige Entdeckungen bei Dunkler Materie machte. Auch dieses System soll verhindern, dass Nvidia-Investoren in absehbarer Zeit in ein Schwarzes Loch fallen.

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