Nvidia setzt seine Pläne für ein neues Geschäftsmodell vorerst nicht weiter um. Das Unternehmen wollte kleinere KI-Infrastrukturbetreiber finanziell unterstützen und im Gegenzug Umsatzbeteiligungen erhalten. Doch dieser Pakt mit Nvidia wäre mit weiteren Verpflichtungen für die Partner gekommen. Einigen Nvidia-Beschäftigten ging das wohl zu weit.
Der Hersteller von KI-Beschleunigern wollte seine massiven Finanzmittel offenbar nutzen, um die weltweit wachsenden Infrastrukturen für KI möglichst weitreichend mit seinen GPUs zu bestücken. Zwar sind die Chips dafür mehr als ausreichend gefragt – der Knackpunkt für potenzielle kleinere Käufer sind aber oft die Preise. Wer seine Rechenzentren damit ausstatten will, steht schnell vor Milliardeninvestitionen. Nvidia erkannte das Problem und startete ein besonderes Programm: Mehrjährige Partnerschaften, bei denen Kunden zunächst Nvidia-GPUs erwerben sollten – unterstützt mit einem Kredit von Nvidia. Die Partner sollten damit dann ihre Rechenzentren bauen, die Kapazität an ihre eigenen Kunden vermieten und dann über einen vorher festgelegten Zeitraum einen Teil ihres Umsatzes an Nvidia abgeben. Der GPU-Hersteller wollte auch das Risiko ausbleibender Kundschaft abfedern: Hätte sich sonst niemand gefunden, hätte er selbst besagte Rechenzentren gemietet.
Einigen wurde Nvidia wohl zu übergriffig
Für diese Kosten hatte Nvidia einen Betrag von 36 Milliarden US-Dollar eingeplant, während die Partnerschaften in der Regel sechs Jahre dauern sollen. Das sagte Chief Financial Officer Colette Kress im Gespräch mit Aktionären, wie das Wall Street Journal (WSJ) berichtet. Was das WSJ noch aus Nvidia-Kreisen erfuhr: Die Partner hätten ihre Kapazitäten für ein paar US-Dollar pro Stunde und GPU an ihre Kunden vermieten sollen, sagten demnach mehreren Personen, die mit der Angelegenheit zu tun hatten. Der Betrag hätte die wesentlichen Kosten decken sollen, inklusive Amortisation der Chips, Fixkosten der Rechenzentren und Personalkosten. Den Mindestpreis für besagte Miete hätten die Partner vorher mit Nvidia aushandeln müssen, was einige Beschäftigte des Unternehmens wohl beunruhigend fanden, wie das WSJ berichtet. Der Ansatz weckte demnach Bedenken, ob sich Nvidia hiermit zu stark in die Geschäfte seiner Kunden einmischt und seine Marktmacht zu sehr ausnutzt. Laut WSJ-Informationen sind die Vorbereitungen für das Programm nun vorerst gestoppt – die exakten Gründe dafür seien aber unbekannt.
Es ist nicht der einzige neue Geschäftszweig im Fokus von Nvidia. Zuletzt sicherte sich das Unternehmen die KI-Plattform Hugging Face für 12,9 Milliarden Dollar. Hugging Face ist eine GitHub-ähnliche Plattform, auf der Entwickler und Unternehmen KI-Modelle und Datensätze veröffentlichen, finden und weiterentwickeln können, sie spielt in der KI-Branche eine wichtige Rolle. Wie kürzlich außerdem bekannt wurde, ist das Unternehmen an SpaceX mit knapp 21 Milliarden Dollar beteiligt und an Intel mit rund 30 Milliarden Dollar (Stand: 15. August 2026). Beide sind direkte Kunden für Nvidias KI-Beschleuniger. Gemessen in Aktienzahlen hält das Unternehmen etwa 123 Millionen der rund 640 Millionen SpaceX-Aktien auf dem Markt, bei Intel etwa 214 Millionen von rund 5 Milliarden im Umlauf befindlichen Intel-Aktien. Die Zahlen kommen aus einem kürzlich veröffentlichen Dokument der US-Börsenaufsicht.
(nen)



