Eine Auswertung von Arbeitgeberbewertungen auf der US-Plattform Glassdoor zeigt, dass Beschäftigte zunehmend kritisch über KI am Arbeitsplatz urteilen. Die Unzufriedenheit geht dabei über die Angst vor Jobverlust hinaus.
Führungskräfte sind die mit Abstand KI-positivste Berufsgruppe. Software-Architekten erwähnen KI häufiger als jede andere Gruppe und bewerten sie überwiegend positiv. Software-Ingenieure hingegen, deren Arbeit stärker auf das Schreiben und Überprüfen von Code fokussiert ist, urteilen mit 57 Prozent negativen Kommentaren deutlich kritischer.
Aus Glassdoor-Bewertungen von Juni 2025 bis Mai 2026 geht hervor, dass Führungskräfte KI mit der höchsten positiven Resonanz bewerten. | Bild: GlassdoorAm anderen Ende des Spektrums stehen laut einer Glassdoor-Analyse Versicherungssachbearbeiter: Sie bewerten den KI-Einsatz ihrer Arbeitgeber nahezu durchgehend negativ und beklagen typischerweise, dass Führungskräfte ihnen fehlerhafte Werkzeuge aufzwingen. Auch bei Autoren, Buchhaltern und Kundendienstmitarbeitern überwiegen kritische Kommentare im Verhältnis vier zu eins.
Versicherungssachbearbeiter und Journalisten äußern sich mit bis zu 98 % bzw. 81 % am kritischsten zu KI, obwohl ihre Expositionsindizes unterschiedlich sind. | Bild: GlassdoorBerufsgruppen, die von KI kaum berührt werden, wie Metzger, Zahnhygieniker oder Elektriker, erwähnen das Thema nur sehr selten. Ab einem mittleren Expositionsgrad sind KI-Kommentare jedoch in fast allen Berufen verbreitet, unabhängig davon, wie stark der jeweilige Job tatsächlich von Automatisierung bedroht ist. Insgesamt stiegen die KI-Nennungen in US-Bewertungen von Mai 2025 bis Mai 2026 um 240 Prozent.
Von Januar 2019 bis Mai 2026 stieg der Anteil der Bewertungen, die die Begriffe "AI", "LLM(s)", "GPT(s)", "Artificial Intelligence" oder "OpenAI" enthalten, von unter 0,2 % auf mehr als 2,3 %, bei jährlichen Zuwächsen von bis zu +240 %. | Bild: GlassdoorNur zwei Wege zum Erfolg, aber viele zum Scheitern
Die meisten detaillierten positiven Bewertungen fallen in nur zwei Kategorien. 44 Prozent stammen von Beschäftigten, deren Unternehmen vom KI-Boom profitiert ("KI-Gewinner"). 41 Prozent loben, dass ihr Arbeitgeber Werkzeuge, Schulungen und Unterstützung für die KI-Nutzung bereitstellt ("KI-Nutzer"). Rund 27 Prozent der positiven Bewertungen enthalten lediglich generische Kommentare ohne nähere Erläuterung.
Die Kritik ist dagegen vielschichtiger. Angst vor Jobverlust ist mit 20 Prozent der negativen Kommentare zwar der häufigste Einzelgrund, aber bei weitem nicht der einzige. 14 Prozent beklagen, dass ihr Unternehmen sie zur KI-Nutzung zwingt. 13 Prozent sehen KI als Ablenkung vom Kerngeschäft oder als Verschlechterung des Kundenerlebnisses.
Von 2019 bis Mitte 2026 sank der Anteil positiver KI-Kommentare auf Glassdoor von 81 % auf 43 %, während negative Einschätzungen auf 53 % stiegen. Das zeigt die wachsende Skepsis gegenüber KI am Arbeitsplatz. | Bild: GlassdoorZehn Prozent kritisieren den internen KI-Einsatz als entfremdend, etwa durch Arbeitsplatzüberwachung oder automatisierte Kommunikation der Führungsebene. Acht Prozent halten die Produktivitätserwartungen ihrer Chefs für unrealistisch. Allerdings kritisieren rund zehn Prozent der negativen Kommentare, dass ihr Unternehmen zu langsam auf KI reagiert oder keine entsprechenden Werkzeuge bereitstellt. Diese Beschäftigten sind also eigentlich pro-KI.
Die Glassdoor-Analysten weisen darauf hin, dass ein Teil der negativen Stimmung auf die Überlappung mit Bürojobs zurückzuführen ist, in denen Burnout und Entlassungssorgen ohnehin verbreitet sind. Viele Bewertungen stellen jedoch einen direkten Zusammenhang zwischen KI und Jobverlust her.
Junge Frauen sind die größten KI-Skeptikerinnen in der Arbeitswelt
Die KI-Stimmung variiert nach Geschlecht und Generation. Männer bewerten KI zu 45 Prozent positiv, Frauen nur zu 32 Prozent. Gen X zeigt sich mit 47 Prozent positiven Kommentaren am aufgeschlossensten, Millennials liegen bei 40 Prozent, Gen Z bei 33 Prozent.
Besonders auffällig ist der Gender-Gap bei jüngeren Beschäftigten: Nur 21 Prozent der KI-Kommentare von Gen-Z-Frauen sind positiv, verglichen mit 42 Prozent bei Gen-Z-Männern. Während bei Gen X der Geschlechterunterschied vollständig durch Branchen- und Berufszugehörigkeit erklärbar ist, gilt das für Gen Z laut der Glassdoor-Analyse überhaupt nicht.
Glassdoor-Bewertungen von 2025 bis 2026 zeigen einen wachsenden Gender-Gap bei der KI-Wahrnehmung, der bei jüngeren Generationen besonders ausgeprägt ist. | Bild: GlassdoorAuf Branchenebene erwähnen Technologie-Beschäftigte KI am häufigsten, wobei positive und negative Kommentare etwa ausgeglichen sind. In Medien und Kommunikation ist die Erwähnungsrate ebenfalls hoch, aber deutlich kritischer. Die negativste Haltung zeigen Beschäftigte in Kunst- und Non-Profit-Organisationen. Auch die Unternehmensgröße spielt eine Rolle: Bei kleinen Firmen mit weniger als 200 Mitarbeitenden sind 51 Prozent der KI-Kommentare negativ, bei Großunternehmen mit über 10.000 Beschäftigten sind es 67 Prozent.
Glassdoor-Daten werden durch andere Studien gestützt
Glassdoor-Bewertungen bilden allerdings nicht die gesamte US-Arbeitnehmerschaft ab: Unzufriedene schreiben erfahrungsgemäß häufiger Bewertungen als zufriedene. Aussagekräftiger als die absoluten Zahlen dürfte daher die Verschiebung über die Zeit sein, sofern dieser Plattform-Bias über die Jahre hinweg konstant geblieben ist.
Und die Glassdoor-Daten fügen sich zudem in ein breiteres Bild ein. Eine Umfrage unter US-Erwachsenen vom April zeigte ebenfalls, dass besonders die Gen Z kritisch gegenüber KI eingestellt ist. Eine Studie von Anthropic ergab eine insgesamt skeptische Haltung von US-Arbeitnehmern, insbesondere mit Blick auf Fähigkeitsverluste und Jobverluste. Die KI-Positivität der Führungsebene bestätigt sich ebenfalls andernorts: Stanfords AI Index 2026 dokumentiert eine massive Wahrnehmungskluft, wonach 73 Prozent der US-Experten die KI-Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt positiv bewerten, aber nur 23 Prozent der Öffentlichkeit diese Einschätzung teilen.
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