Nvidia holt sechs Wall-Street-Häuser für 500-Milliarden-Finanzierung von KI-Rechenzentren

1 week ago 10

Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR sollen über 500 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur mobilisieren. Damit die Rechnung aufgeht, garantiert Nvidia einen Teil des Restwerts seiner eigenen Chips. Kritiker wie der Investor Michael Burry halten deren Wertstabilität für eine der größten Schwachstellen des KI-Booms.

Nvidia hat mit sechs großen Finanzkonzernen Absichtserklärungen unterzeichnet, um über 500 Milliarden US-Dollar an Drittkapital für Rechenzentren, Chipfabriken und Kraftwerke zu mobilisieren. Beteiligt sind Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR. Der Financial Times zufolge, die den Deal vorab berichtete, verlor die Nvidia-Aktie danach rund 1,4 Prozent, umgerechnet mehr als 70 Milliarden Dollar Börsenwert.

Nvidia-Chef Jensen Huang beschreibt auf den X den Schritt als Übergang von Einzelprojekten zu wiederholbaren Finanzierungsplattformen: "KI-Fabriken" sollen als produktive Infrastruktur finanzierbar werden, ähnlich Strom- oder Verkehrsnetzen. Viele KI-Firmen hätten Nachfrage nach Rechenleistung, aber keinen Zugang zu Kapital in der nötigen Größenordnung. Huang stellt klar: Die 500 Milliarden sind eine über Jahre aggregierte Zielgröße, kein Nvidia-Umsatz, kein einzelner Fonds und keine Zusage an einen einzelnen Kunden. Konditionen, Einzelzusagen und Zeitplan nennt Nvidia nicht.

Nvidia haftet für bis zu 25 Prozent des Restwerts

Huangs geht in seinem Beitrag auch auf den Vorwurf der Zirkularität seiner Finanzierung von Neoclouds und KI-Unternehmen ein: Nvidia will einzelne Projekte mit einer sogenannten Residualwert-Absicherung stützen: Fällt der Wiederverkaufs- oder Weiterverwendungswert der verbauten Hardware am Ende der Finanzierungslaufzeit unter die Erwartung, springt Nvidia für einen Teil der Differenz ein, und zwar für bis zu 25 Prozent einer Transaktion, jeweils projektweise geprüft. Der Chipkonzern übernimmt also einen Teil des Wertverlustrisikos an seinen eigenen Produkten. Laut Huang ist dieser Anteil "deutlich niedriger" als bei anderen Compute-Finanzierungen, und die eigentliche Kreditprüfung, also die Bewertung von Kunde, Nachfrage, Auslastung, Cashflow und Restwert, bleibt bei den Kapitalgebern.

Nvidia stützt seine Partner regelmäßig bei der Schuldenaufnahme und treibt damit den eigenen Umsatz. Parallel verhandelt der Konzern über eine Garantie für ein 10-Gigawatt-Rechenzentrum in Ohio, das an OpenAI verpachtet ist.

Auffällig ist, wie präzise Huangs Argumentation auf die Kritik von Investor Michael Burry antwortet, der die Abschreibungspraxis der Hyperscaler als "einen der häufigsten Betrugsfälle der modernen Ära" bezeichnete: GPUs veralteten wegen Nvidias Zwei- bis Dreijahres-Zyklus zu schnell für Nutzungsdauern von fünf bis sieben Jahren, allein 2026 bis 2028 würden rund 176 Milliarden Dollar Abschreibungen zu niedrig angesetzt. Huang behauptet nun das Gegenteil: Der 2020 eingeführte A100 sei sechs Jahre später kommerziell im Einsatz, seine wirtschaftliche Lebensdauer reiche Richtung Dekade, CUDA verbessere installierte Hardware laufend. Als Marktbeleg nennt er steigende Mietpreise, etwa H100-Jahresverträge von 1,70 Dollar pro GPU-Stunde im Oktober 2025 auf 2,35 Dollar im März 2026, B200-Kapazität bei 5,30 bis 7,05 Dollar. Genau diese Restwert-Frage entscheidet, ob die Finanzierung trägt.

Morgan Stanley erwartet 2026 bis 2028 Hyperscaler-Ausgaben von 3,5 Billionen Dollar, Apollo-Präsident Jim Zelter spricht von über 8 Billionen Investitionsbedarf. Die Bank of England warnte im Juli in ihrem Finanzstabilitätsbericht, das Tempo sei historisch ohne Vorbild und ein Schock bei hoch verschuldeten KI-Firmen könne globale Finanzierungsbedingungen treffen und in eine Kreditklemme münden. Banken und Private-Credit-Häuser könnten ihre indirekten Risiken kaum überblicken.

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