Nvidia greift Apple und Qualcomm mit eigenem Arm-Chip für Windows-Laptops an

6 days ago 3

RTX Spark ist Nvidias erster Vorstoß in Windows-Laptops und soll dort KI-Agenten lokal ausführen. Hardwareseitig handelt es sich um eine Windows-Variante des bereits bekannten DGX-Spark-Chips.

Nvidia hat auf der GTC Taipei den RTX Spark vorgestellt. Technisch ist der Chip im Top-Ausbau derselbe GB10 Grace Blackwell Superchip, der bereits in der DGX Spark steckt. Der Unterschied liegt im Zielmarkt: Statt Linux-Workstation für KI-Entwickler bedient RTX Spark nun Windows-Laptops und kompakte Desktops für Endkunden. Nvidia bietet mehrere Varianten mit unterschiedlicher Kern- und SM-Zahl sowie Speicheroptionen zwischen 16 und 128 GB an.

Die Top-SKU kombiniert eine Blackwell-RTX-GPU mit 6.144 CUDA-Kernen und Tensor Cores der fünften Generation mit einer 20-Kern-Grace-CPU auf Arm-Basis, verbunden über NVLink-C2C. MediaTek hat laut Nvidia am CPU-Design mitgearbeitet. Speicher: bis zu 128 GB, gemeinsam genutzt von CPU und GPU. Die genannte Spitzenleistung von 1 Petaflop bezieht sich laut Nvidias Spezifikationen auf FP4-Präzision mit Sparsity, also einen theoretischen Idealwert. Die GPU-Leistung liegt laut Nvidia-Angabe je nach Anwendung in der Nähe einer GeForce RTX 5070 Laptop GPU.

Nvidias Antwort auf Apple Silicon und Snapdragon

Konzeptionell folgt RTX Spark dem Weg, den Apple seit 2020 mit den M-Chips eingeschlagen hat: Arm-CPU, GPU und Speichercontroller auf einem Package, gemeinsamer Speicher statt getrenntem VRAM. Apples M4 Max bietet ebenfalls bis zu 128 GB gemeinsamen Speicher bei 546 GB/s Bandbreite, allerdings nur eine 38-TOPS-Neural-Engine (INT8). RTX Spark erreicht im Vergleich rechnerisch rund 1.000 TOPS, allerdings in FP4 mit Sparsity, also unter deutlich anderen Bedingungen. Ein direkter Vergleich ist somit schwierig, der Größenunterschied bei reiner KI-Rechenleistung dürfte aber dennoch deutlich ausfallen. Nvidias eigentliches Differenzierungsmerkmal bleibt der CUDA-Stack samt TensorRT und RTX, der nativ läuft.

Auch Qualcomm hat mit dem Snapdragon X Elite 2024 Windows-on-Arm-Laptops etabliert und im September 2025 mit dem X2 Elite auf bis zu 80 TOPS und 18 Oryon-Kerne nachgelegt. Diese Chips zielen primär auf Microsofts Copilot+-Funktionen, nicht auf lokale KI-Inferenz mit zweistelligen Milliarden-Parameter-Modellen. Klassische x86-Plattformen von Intel und AMD setzen weiter auf getrennten CPU- und GPU-Speicher mit deutlich kleineren NPUs.

Lokale KI-Agenten mit neuen Sicherheitsmechanismen

Nvidia argumentiert, dass KI-Agenten bisher selten auf Hauptgeräten der Nutzer laufen, weil dafür sichere Mechanismen fehlten. Neue Windows-Bausteine sollen Identität, Abschottung einzelner Agenten und Richtlinien-Durchsetzung liefern. Die Nvidia OpenShell Runtime ergänzt das: Sie legt fest, was Agenten dürfen, leitet Anfragen je nach Datenschutzeinstellung an lokale oder Cloud-Modelle weiter und verschleiert persönliche Daten in Cloud-Anfragen. Die Open-Source-Projekte Hermes Agent und OpenClaw integrieren diese Schicht laut Nvidia bereits in ihre Windows-Apps.

Parallel kündigte Adobe an, Photoshop und Premiere für moderne GPUs umzubauen. Premiere bekommt eine neue Video-Pipeline mit Nvidia TensorRT-Integration, Photoshop eine neue Engine mit GPU-beschleunigtem Compositing. Auf RTX Spark soll Premiere zusätzlich vom gemeinsamen Speicher profitieren. Adobe nennt bis zu doppelt so schnelle KI-, Editing- und Effekt-Workflows als Ziel.

Neben dem Laptop-Chip stellte Nvidia die DGX Station for Windows vor. Sie basiert auf dem GB300 Grace Blackwell Ultra Desktop Superchip mit bis zu 748 GB gemeinsamem Speicher und 20 Petaflops FP4-Leistung und soll Modelle mit bis zu einer Billion Parametern lokal ausführen können. Verfügbar wird sie im vierten Quartal 2026.

RTX-Spark-Geräte sollen ab Herbst 2026 von ASUS, Dell, HP, Lenovo, Microsoft Surface und MSI erhältlich sein.

KI-News ohne Hype – von Menschen kuratiert

Mit dem THE‑DECODER‑Abo liest du werbefrei und wirst Teil unserer Community: Diskutiere im Kommentarsystem, erhalte unseren wöchentlichen KI‑Newsletter, 6× im Jahr den "KI Radar"‑Frontier‑Newsletter mit den neuesten Entwicklungen aus der Spitze der KI‑Forschung, bis zu 25 % Rabatt auf KI Pro‑Events und Zugriff auf das komplette Archiv der letzten zehn Jahre.

Jetzt abonnieren

Read Entire Article