Die siebte Ausgabe der Top-100-Liste von Andreessen Horowitz erfasst erstmals die tatsächlichen Ausgaben von US‑Konsumenten. Das Ergebnis: KI wird breit genutzt, aber nur eine kleine Gruppe zahlt dafür, und diese zahlt viel.
Das Risikokapitalunternehmen Andreessen Horowitz hat die siebte Ausgabe seiner Rangliste der meistgenutzten KI-Konsumentenprodukte veröffentlicht. Nach drei Jahren wirkt die Spitze zunehmend eingefahren: Nur elf Produkte schaffen erstmals den Sprung in die Liste, so wenige wie nie zuvor.
ChatGPT führt die Web-Rangliste vor Gemini und Claude an, Canva und Notion schaffen es in die Top Ten. | Bild: a16zNeu ist in dieser Ausgabe eine dritte Perspektive. Neben Web-Traffic und mobilen Nutzerzahlen erfasst a16z mit Daten von YipitData erstmals die beobachteten Ausgaben auf US‑Konsumentenkarten. Diese stammen aus Panels und sind kein Gesamtumsatz, geben aber einen neuen Blick darauf, wie Menschen tatsächlich für KI bezahlen.
Die neue Ausgaben-Rangliste auf Basis von YipitData-Panels führen OpenAI und Anthropic an, Gemini fehlt, weil sich seine Umsätze nicht von Googles übrigen Abos trennen lassen. | Bild: a16zBreite Nutzung, flache Monetarisierung
Die zentrale Erkenntnis: Consumer-KI wird breit genutzt, aber kaum tief. Fast die Hälfte der US-Konsumenten nutzt laut a16z inzwischen KI, aber nur ein Viertel täglich. Ein aktives bezahltes Privatabo bei ChatGPT, Gemini oder Claude hatten im August lediglich 4,5 Prozent, ein Jahr zuvor war es nur halb so viel.
Der Anteil zahlender KI-Nutzer in den USA hat sich binnen eines Jahres etwa verdoppelt, ChatGPT stellt davon den Großteil. | Bild: a16zInnerhalb dieser schmalen Basis konzentriert sich der Umsatz extrem. Das oberste eine Prozent der Zahler steht für fast ein Fünftel aller beobachteten KI-Ausgaben, mehr als die gesamte untere Hälfte zusammen.
Noch deutlicher wird der Abstand bei den Beträgen: Dieses oberste Prozent gibt im Schnitt rund 900 US-Dollar pro Monat aus und steigert diese Summe weiter. Der typische Zahler kommt dagegen auf etwa 25 US-Dollar und hält diesen Betrag seit Längerem konstant.
Das Ausgabenwachstum konzentriert sich fast vollständig auf das oberste Prozent der Zahler, das inzwischen 79 Prozent mehr ausgibt als Anfang 2025. | Bild: a16zWer diese Vielzahler sind, zeigt ihre Produktauswahl. Sie kaufen überdurchschnittlich oft Werkzeuge zum Bauen und Automatisieren wie n8n, Manus oder fal sowie kreative Tools wie Higgsfield, Figma und HeyGen.
Es handelt sich also weniger um klassische Verbraucher als um Prosumer, die Software kaufen, um zu entwickeln, zu gestalten und zu arbeiten. Die berufliche Nutzung dürfte hier klar im Vordergrund stehen. In dieser Gruppe von Nutzenden hat Consumer-KI laut a16z ihren ersten echten zahlenden Markt gefunden. Nur sieben Firmen schaffen es überhaupt in die Spitzengruppe aller drei Rankings, darunter ChatGPT, Claude, Perplexity und Canva.
Nur sieben Produkte stehen in allen drei Top-50-Listen, ChatGPT liegt in jeder davon auf Platz eins. | Bild: a16zDass KI viele Nutzer hat, aber nur wenige zahlen, sagt auch etwas über die Nutzungstiefe. Bezahlaccounts bieten deutlich mehr Funktionen, sind aber komplexer und verlangen eine steilere Lernkurve. Wer nicht zahlt, kratzt meist nur an der Oberfläche dessen, was KI kann. Daraus ergibt sich ein wachsendes Kompetenzgefälle zwischen Menschen, die KI auf hohem Niveau nutzen, und solchen, die sie kaum beherrschen oder gar nicht einsetzen. Das könnte eine weitere gesellschaftliche Ungleichheit verstärken. Oder KI wird schlicht immer einfacher und günstiger, sodass es am Ende keine Rolle spielt. OpenAI-CEO Sam Altman spricht in diesem Kontext von einer "unbegrenzten Genialität" für alle, wenn auch mit reichlich naivem Blick.
Drei Sprachmodelle, drei Strategien
An der Spitze bleibt alles beim Alten: ChatGPT führt im Web mit etwa doppeltem Vorsprung vor Gemini und sechsfachem vor Claude. Mobil fällt der Abstand noch größer aus. Die auffälligste Verschiebung ist der Aufstieg von Claude zur klaren Nummer drei. Das Modell tauchte in der ersten Web-Liste von 2023 noch gar nicht auf, hat inzwischen aber Deepseek und Perplexity im Traffic überholt und bei den US-Abonnenten mit Gemini gleichgezogen.
Claude zog im März 2026 bei den zahlenden US-Abonnenten an Gemini vorbei, seit Googles Tarifumstellung im Juni liegen beide gleichauf. | Bild: a16zAnthropic monetarisiert dabei besonders erfolgreich: Deutlich mehr Claude-Nutzer liegen auf dem teuersten Abo ab 100 US-Dollar monatlich als bei den vergleichbaren Angeboten von OpenAI und Google.
Mit 7,3 Prozent liegt bei Claude ein deutlich größerer Teil der Zahler im Tarif ab 100 US-Dollar als bei ChatGPT und Google mit jeweils 1,3 Prozent. | Bild: a16zBis zum Hochsommer drehte sich der Wind allerdings. Die Zahl täglicher Claude-Sessions ging im Juli und August zurück, während ChatGPT mit neuen Modellen und ChatGPT Work wieder beschleunigte. Zunehmend, so a16z, laute die Frage weniger, wer gewinnt, sondern wie gut jedes Unternehmen seine jeweilige Chance nutzt.
Nach Claudes Hoch im Frühjahr hat ChatGPT im August wieder klar die Führung bei neuen Abos übernommen. | Bild: a16zRennen um den persönlichen Assistenten
Vor sechs Monaten war ein Agent wie OpenClaw laut a16z für die meisten Konsumenten noch nicht nutzbar. Inzwischen melden Start-up-Agenten wie Instinct oder Tomo Hunderttausende Nutzer, und die Platzhirsche kontern mit eigenen Produkten wie Metas Muse, OpenAIs Dots und xAIs Grok Bot.
Wirtschaftlich interessant wird es dort, wo Agenten echte Käufe auslösen. Instinct-Gründer Noah Shinn berichtet, dass 40 Prozent der Nutzer binnen drei Wochen eine Kreditkarte hinterlegen und danach monatlich vierstellige Beträge über den Dienst ausgeben, ein großer Teil davon für Reisen.
Threads sammelte in den ersten 22 Tagen fast dreimal so viele Downloads wie Metas Agent Muse. | Bild: a16zMit dem wachsenden Umsatz wählen auch die Plattformen Seiten. Amazon etwa sperrte Metas Muse binnen zwei Wochen, während Shopify, Instacart, OpenTable und andere offizielle Integrationen unterzeichneten.
Muse erreichte in der ersten Woche eine Viertelmillion täglicher Nutzer und mehr als fünf Millionen Downloads in weniger als einem Monat. Gemessen an Metas Threads, das zum Start mehr als 15 Millionen Downloads in drei Wochen sammelte, bleibt das jedoch bescheiden.
Das Geschäftsmodell als eigentliches Problem
Etablierte Anbieter verdienen auch am ehesten Geld mit KI. Canva und Notion rangieren im Web in den Top Ten, Google allein hält fünf Web-Plätze. Start-ups behaupten sich laut a16z primär über ein differenziertes eigenes Modell, eine Multi-Modell-Erfahrung, ein spezifisches Publikum oder das Umgehen eingefahrener Benutzeroberflächen.
Den analytischen Kern bildet jedoch die Frage, wie überhaupt Geld verdient wird. Die große Mehrheit der KI-nativen Top-Produkte setzt auf Abonnements oder Nutzungsgebühren, nur ein kleiner Teil auf Werbung oder Transaktionsgebühren.
Fast alle führenden KI-Produkte setzen auf Abos und Nutzungsgebühren, Werbung und Transaktionsgebühren spielen kaum eine Rolle. | Bild: a16zDas ist laut a16z eine Umkehrung des Vor-KI-Internets, in dem die Nutzer selbst das Produkt waren und Werbung den Löwenanteil der Umsätze von Meta und Alphabet trug. Hohe Modellkosten erlauben es KI-Firmen bislang nicht, auf frühe Einnahmen zu verzichten, um erst eine große Nutzerbasis aufzubauen.
Erste alternative Modelle zeichnen sich ab: OpenAI meldete für ChatGPT-Werbung im August eine hochgerechnete Jahresumsatzrate von einer Milliarde US-Dollar, und persönliche Agenten könnten über Affiliate-Gebühren oder eine Beteiligung an Transaktionen einen neuen Weg eröffnen.
Vor einem halben Jahr hatte bereits die sechste Ausgabe derselben Rangliste einen Markt im Umbruch gezeigt. Damals stand stärker die geografische Aufspaltung im Vordergrund, etwa der Aufstieg von Yandex Browser mit dem KI-Assistenten Alice in Russland und die Sonderrolle von Deepseek als Brücke zwischen westlichen und chinesischen Nutzerbasen. Schon damals warnte a16z, dass Web-Traffic und App-Downloads immer weniger darüber aussagen, welche KI-Produkte Menschen tatsächlich nutzen, je mehr sich KI vom eigenständigen Produkt zum eingebetteten Feature wandelt. Die neuen Ausgabendaten sind der direkte Versuch, diese Lücke zu schließen.
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