In Norwegen könnten Funktionen von Smart Glasses bald eingeschränkt werden. Denn Karianne Tung, Ministerin für Digitalisierung und Verwaltung, plant entsprechende Regeln, um etwa KI-gestützte Gesichtserkennung im öffentlichen Raum zu unterbinden. Eine solche Funktion hat Meta Platforms offenbar bereits getestet, aber bislang nicht für seine Smart Glasses eingeführt. Mit einem Verbot könnte Norwegen etwaigen Plänen des Facebook-Konzerns einen Riegel vorschieben.
Dabei geht es in dem Land aber nicht um ein pauschales Verbot von Smart Glasses mit integrierten Kameras, sondern nur um einzelne Funktionen. Doch gerade die Kameras in Verbindung mit Cloud-gestützter künstlicher Intelligenz schüren Privatsphärebedenken gegen Metas Datenbrillen. In Deutschland gibt es bislang lediglich nicht bindende Leitlinien für Smart Glasses, aber einzelne Bundesländer wie Hamburg planen sogar ein Verbot von Smart Glasses in Bädern und Bahnen, um Bürger vor unerwünschten Aufnahmen in Bus, Bahn, Bädern und Saunen zu schützen.
Digitalministerin warnt vor Überwachung
„Wir sehen, dass das Privatleben und die Privatsphäre der Menschen durch neue Technologien unter Druck geraten; daher möchte ich intelligente Brillen und ähnliche Geräte strenger regulieren als bisher“, zitiert die Nachrichtenagentur AFP Norwegens Digitalministerin. „Dies könnte beispielsweise bedeuten, Funktionen wie die Gesichtserkennung anderer Personen im öffentlichen Raum zu untersagen.“
Um diese differenzierte Vorgehensweise voranzutreiben, soll ein Expertenrat die norwegische Regierung unterstützen, um Verbraucher vor diesen Technologien zu schützen. Gleichzeitig ruft Karianne Tung den privaten und öffentlichen Sektor auf, eigene Richtlinien aufzustellen.
„Es ist ein deutlicher Trend erkennbar, künstliche Intelligenz mit Kameras und Mikrofonen zu kombinieren, die in Gegenstände wie Brillen, Ohrhörer, Kopfbedeckungen und andere Alltagsgegenstände integriert sind“, sagte Tung. „Wir müssen verhindern, dass diese Technik zur Überwachung anderer Personen im öffentlichen Raum eingesetzt wird.“
Verbraucherschützer warnt vor Missbrauch
Das für Digitalpolitik verantwortliche Mitglied des norwegischen Verbraucherrats, Finn Lutzow-Holm Myrstad, lobt den Vorstoß der Digitalministerin, aber geht einen Schritt weiter. Er ruft Einzelhändler in dem Land zu einem Verkaufsstopp von Smart Glasses auf, bis rechtliche Klarheit geschaffen ist. Wie Tung geht es auch Myrstad vor allem um die von Meta angeblich bereits getestete Gesichtserkennung. „Meta hat diese Technologie bereits einsatzbereit, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie in die Brillen integriert wird“, erklärt er.
Allerdings warnt der Verbraucherschützer, dass ein Verbot der Gesichtserkennung nicht verhindern würde, dass Menschen weiterhin von Smart Glasses heimlich aufgenommen werden können. Deshalb sind solche Wearables mit Kameras hierzulande auch als Spannerbrillen verschrien. Und das besorgt Myrstad, denn seiner Ansicht nach „ist das Missbrauchspotenzial enorm.“
(fds)



