Das US-Justizministerium hat sich im Sammelverfahren um die New York Times und andere Rechteinhaber klar zugunsten von Fair Use beim KI-Training positioniert.
Das Ministerium argumentiert, dass das Training großer Sprachmodelle (LLMs) mit urheberrechtlich geschützten Texten keine Urheberrechtsverletzung darstelle. Zentral ist dabei die Trennung von Training und Ausgabe: Beim Training werden zwar ganze Werke kopiert, aber nicht öffentlich zugänglich gemacht. Die Ausgaben wiederum seien den Originalen oft nicht "wesentlich ähnlich". Eine pauschale Theorie des Marktschadens, die beides vermischt, sei rechtlich falsch. Es gibt andere Meinungen.
Als Vergleich nennt das Dokument die Autorin Joan Didion, die als Jugendliche Hemingways Texte abtippte, um seinen Stil zu lernen. Nach der Logik des Kadrey-Urteils hätte Didion bei jeder Veröffentlichung haften müssen, weil ihr Lernprozess und ihre Werke ein einziger Vorgang gewesen wären. "Jemanden jedes Mal zahlen zu lassen, wenn er auf ein Buch zurückgreift, um Neues auf neue Weise zu schaffen, wäre undenkbar", zitiert das Ministerium aus einem früheren Urteil.
Allerdings ignoriert dieser Vergleich des Ministeriums den Unterschied in der Skalierung: Eine einzelne Autorin, die zum Lernen Texte abschreibt, ist etwas anderes als ein Multimilliarden-Unternehmen, das aus diesen Inhalten konkurrierende Produkte für den Massenmarkt herstellt (siehe unten).
Das Ministerium betont auch die kreative und gesellschaftliche Bedeutung von LLMs: Sie helfen Menschen, Geschichten zu schreiben, Songs zu komponieren oder Drehbücher zu verfassen. Eine Haftung für KI-Training würde genau die Kreativität hemmen, die das Urheberrecht eigentlich fördern soll. Selbst Autoren der New York Times nutzen angeblich LLMs, um Artikel zu konzipieren und zu bearbeiten – wobei der verlinkte Artikel ironischerweise eher das Gegenteil unterstützt.
Position der Trump-Regierung ist klar Pro-KI
Die Position des Justizministeriums widerspricht direkt einem Bericht des US-Copyright-Büros, das pauschales Fair Use beim KI-Training ablehnte. Die Behörde hatte argumentiert, dass KI anders als Menschen mit perfekten Kopien arbeite und Inhalte in einer Geschwindigkeit und Skalierung erzeuge, die menschliche Schöpfung weit übertreffe. Kommerzielle Anwendungen, die mit Originalwerken auf bestehenden Märkten konkurrieren, überschritten die Grenzen des Fair Use.
In der aktuellen Stellungnahme von September 2026 greift das Justizministerium diesen Bericht direkt an: Die Einschätzung der damaligen Copyright-Leiterin Shira Perlmutter habe keinen Anspruch auf rechtliche Verbindlichkeit. Zudem habe der Bericht die relevante Rechtsprechung zur Einzelfallprüfung und zur Art des zulässigen Marktschadens ignoriert.
Perlmutter wurde kurz nach Veröffentlichung ihres Berichts von der Trump-Regierung entlassen. Laut dem Demokraten Joe Morelle geschah dies, weil sie sich geweigert habe, KI-Training mit geschützten Werken zu legitimieren, wie es sich unter anderem Trump-Vertrauter Elon Musk wünsche. Laut des Briefs geht Perlmutter derzeit gegen ihre Entlassung vor.
Der Rechtsstreit zwischen der New York Times (NYT) und OpenAI läuft seit Ende 2023. Die NYT verklagte damals OpenAI und Microsoft vor einem Bundesgericht in Manhattan wegen Urheberrechtsverletzung. Der Vorwurf: Millionen von NYT-Artikeln seien ohne Erlaubnis für das Training von KI-Modellen wie GPT-4 verwendet worden, um Produkte zu entwickeln, die mit der Zeitung als Informationsquelle konkurrieren.
Die NYT sprach von "Schäden in Milliardenhöhe" und forderte unter anderem die Vernichtung der mit ihren Artikeln trainierten Sprachmodelle. Der Fall, der seitdem zunehmend eskaliert, gilt als Leitverfahren im Bereich Urheberrecht und KI-Training und könnte richtungsweisende Auswirkungen auf die gesamte KI-Branche haben.
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