Nordkorea profitiert massiv von Russlands Krieg

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Stand: 22.09.2026, 06:28 Uhr

Von: Lisa Weegner

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Analyse: Russlands Krieg verschafft Kim Geld, Kampferfahrung und neuen außenpolitischen Spielraum.

Moskau – Waffen, Geld und Kampferfahrung: Nordkorea profitiert nach Einschätzung mehrerer Analysten erheblich von Russlands Krieg gegen die Ukraine. Pjöngjang liefert Munition, Raketen und Soldaten an Moskau. Im Gegenzug erhält das Land wirtschaftliche Unterstützung, Material und militärisches Know-how – mit Folgen weit über den Krieg hinaus.

The Insider schreibt unter Berufung auf südkoreanische Geheimdienstangaben, Nordkorea habe seit Sommer 2023 mehr als 15 Millionen Artilleriegeschosse sowie ballistische Raketen an Russland geliefert.

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Die Waffenexporte hätten dem Land bis Ende 2025 schätzungsweise mehr als 8,7 Milliarden Euro eingebracht, berichtet The Insider unter Berufung auf das südkoreanische Institute for National Security Strategy. Hinzu kämen Einnahmen aus dem Einsatz nordkoreanischer Soldaten.

 Wie Putins Krieg Nordkorea stärker macht

Analyse: Russlands Krieg verschafft Kim Geld, Kampferfahrung und neuen außenpolitischen Spielraum. © © IMAGO / ZUMA Press / Archivbild

Der britische Thinktank Chatham House sieht die Zusammenarbeit inzwischen als festen Bestandteil von Moskaus Kriegsführung. Nach Angaben des südkoreanischen Militärgeheimdienstes habe Pjöngjang seit Oktober 2024 mehr als 16.000 Soldaten nach Russland geschickt. Nordkorea bestätigte im April 2025 erstmals selbst, dass eigene Truppen in der russischen Region Kursk gekämpft hatten.

Moskau öffnet Kim neue Möglichkeiten

Für Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un gehe es dabei nicht nur um Geld: Russland liefere Treibstoff, Material und moderne Militärausrüstung, berichtet The Insider. Moskau habe zudem 2024 die Verlängerung des UN-Expertengremiums blockiert, das Verstöße gegen die Nordkorea-Sanktionen überwachte.

Damit fiel eines der wichtigsten Kontrollinstrumente des Sicherheitsrats weg. Nordkoreanische Soldaten sammeln in der Ukraine Erfahrung mit Drohnen, elektronischer Kampfführung und koordinierter Artillerie, schreibt der britische Thinktank Chatham House. Der dortige Asien-Experte Sung-Yoon Lee sieht darin einen langfristigen militärischen Nutzen für Pjöngjang.

Auch die Raketenstreitkräfte könnten aus realen Einsätzen lernen. „Nordkorea füllt Russlands Kriegsmaschine auf, während Russland Nordkoreas künftige Kriegsfähigkeit verbessert“, beschreibt Lee die Wechselwirkung. Hinweise darauf sieht Chatham House bereits bei nordkoreanischen Raketen.

Ukrainische Quellen hätten deren Treffgenauigkeit früher mit Abweichungen von ein bis drei Kilometern angegeben. Anfang 2025 seien es demnach nur noch 50 bis 100 Meter gewesen. Als mögliche Gründe nennt Lee bessere Zieldaten, russische Bauteile oder technische Verbesserungen nach den Einsätzen.

Mehr Spielraum gegenüber China und USA

Auch gegenüber China habe Moskau Kims Handlungsspielraum vergrößert. The Insider zufolge bemüht sich Peking wieder stärker um seinen Nachbarn, seit Russland Pjöngjang eine zusätzliche Stütze bietet. Chatham House kommt zu einer ähnlichen Einschätzung.

Russische Einnahmen, Energie und Militärkooperation verringerten Chinas Möglichkeiten, wirtschaftlichen Druck auszuüben. China bleibe dennoch unverzichtbar. Das verändert auch die Ausgangslage für Gespräche mit den USA. Präsident Donald Trump ließ im August die amerikanische Beteiligung an gemeinsamen Militärübungen mit Südkorea deutlich reduzieren.

Pjöngjang machte jedoch keine vergleichbare Konzession und testete kurz darauf erneut ballistische Raketen, schreibt Chatham House. Russische Unterstützung habe Kims Bedarf an Zugeständnissen aus Washington verringert.

Folgen reichen bis Ostasien

Damit reichen die Folgen weit über die Ukraine hinaus. Chatham House warnt, Nordkorea könne in einer künftigen Krise mit kampferprobten Waffen und erfahreneren Streitkräften auftreten. Chatham House sieht Anzeichen dafür, dass die Zusammenarbeit längst über einen reinen Austausch von Waffen gegen Gegenleistungen hinausgeht und auch nach dem Krieg Bestand haben könnte. Quellen: Chatham House, The Insider, nif/red.

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