Die Mehrheit der ursprünglichen AlphaFold-Autoren arbeitet inzwischen an anderen Projekten, fast ein Viertel hat Google Deepmind ganz verlassen. Der Umbau markiert eine Abkehr von der Strategie, die das Labor bekannt gemacht hat.
Google Deepmind hat das Team hinter AlphaFold aufgelöst, berichtet die Financial Times. Die Mehrheit der ursprünglichen Autoren der AlphaFold-Papers sei im vergangenen Jahr intern versetzt worden.
Deepmind bestätigte die internen Umbesetzungen. Die Forscherinnen und Forscher arbeiten demnach nun an Projekten rund um Googles Sprachmodell Gemini sowie an Enzym-Design, Kernfusion und Genomik. Andere wechselten zu Isomorphic Labs, der Alphabet-Tochter für Medikamentenentwicklung, die 2021 aus Deepmind ausgegliedert wurde und Partnerschaften mit Novartis und Eli Lilly unterhält. Fast ein Viertel der Vollzeit-Autoren aus dem Deepmind-Umfeld hat das Unternehmen laut FT vollständig verlassen.
AlphaFold, ab 2018 entwickelt, sagt die dreidimensionale Struktur von Proteinen voraus. John Jumper, Vice President und Engineering Fellow, sowie Deepmind-Chef Demis Hassabis erhielten dafür 2024 den Chemie-Nobelpreis. Das Projekt galt als Musterbeispiel für Deepminds Ansatz, langfristige wissenschaftliche Durchbrüche mit fest zugeordneten Forschungsteams zu verfolgen.
Genau dieser Ansatz steht nun zur Disposition. "Unsere Strategie der vergangenen neun Jahre bestand darin, uns auf große Herausforderungen zu konzentrieren, mit einem konkreten Ziel für jedes Projekt", sagte Pushmeet Kohli, Vice President Research bei Google Deepmind und Gründer des AI-for-Science-Teams, der FT. "Die Strategie hat sich weiterentwickelt." Statt Forschende um einzelne Probleme wie die Proteinfaltung zu gruppieren, baue das Labor nun auch Gemini-gestützte Systeme, die Wissenschaftler unterstützen und Teile des Forschungsprozesses automatisieren sollen. Parallel konkurriert Deepmind mit OpenAI und Anthropic um Frontier-Agenten.
Kernpersonal wandert zur Konkurrenz ab
Die Abgänge treffen den engsten Kreis. Anfang des Jahres wechselten Jumper und sein AlphaFold-Kollege Jonas Adler laut FT in Googles internes Team "Code Strike", das die KI-Coding-Fähigkeiten des Konzerns verbessern soll, um zu Anthropic und OpenAI aufzuschließen. Im vergangenen Monat kündigte Jumper dann seinen Wechsel zu Anthropic an, wohin ihm Adler und der AlphaFold-Mitautor Alexander Pritzel folgen. Ein Deepmind-Mitarbeiter, der anonym bleiben wollte, bezeichnete alle drei gegenüber der FT als "maßgebliche, wichtige Kernmitglieder" des Unternehmens; die Abgänge hätten intern für Überraschung gesorgt.
Deepmind selbst erklärte, man sei "unglaublich stolz" auf das wissenschaftliche Erbe und die globale Wirkung von AlphaFold, die zur Gründung von Isomorphic Labs geführt habe. Anthropic startete in diesem Jahr Claude Science für Biologie und Medikamentenentwicklung.
KI-News ohne Hype – von Menschen kuratiert
Mit dem THE‑DECODER‑Abo liest du werbefrei und wirst Teil unserer Community: Diskutiere im Kommentarsystem, erhalte unseren wöchentlichen KI‑Newsletter, 6× im Jahr den "KI Radar"‑Frontier‑Newsletter mit den neuesten Entwicklungen aus der Spitze der KI‑Forschung, bis zu 25 % Rabatt auf KI Pro‑Events und Zugriff auf das komplette Archiv der letzten zehn Jahre.
- Zugriff auf alle THE DECODER Artikel.
- Lesen ohne Ablenkung – keine Google-Werbebanner.
- Zugang zum Kommentarsystem und Austausch mit der Community.
- Wöchentlicher KI-Newsletter.
- 6× jährlich: “KI Radar” – Deep-Dives zu den wichtigsten KI-Themen.
- Bis zu 25 % Rabatt auf KI Pro Online-Events.
- Zugang zum kompletten Archiv der letzten zehn Jahre.
- Die neuesten KI‑Infos von The Decoder – klar und auf den Punkt.



