Neoclouds droht die Marktbereinigung und Nvidia hat viel zu verlieren

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Nach einer Woche mit Kurseinbrüchen und geplatzten Börsenplänen rechnen Branchenmanager mit einer Konsolidierung unter den jungen KI-Cloud-Anbietern. Für Nvidia steht dabei viel auf dem Spiel.

Zwei Manager aus der Rechenzentrums- und Neocloud-Branche sagten The Information, von den Hunderten KI-Cloud-Anbietern, die derzeit an den Start drängten, würden in einigen Jahren nur sieben bis zehn übrig bleiben. Mehrere von ihnen halten eine Konsolidierung für unausweichlich.

Anlass ist eine Woche, in der Anleger das Vertrauen in die sogenannten Neoclouds teilweise verloren haben: Der australische Anbieter Firmus zog seinen Börsengang abrupt zurück, die Aktien von CoreWeave und kleineren Konkurrenten fielen laut The Information um rund 20 Prozent. Laut Bloomberg verlor CoreWeave sogar ein Viertel seines Börsenwerts, während ein Maß für sein Kreditrisiko ein Rekordhoch erreichte.

"Wir werden definitiv eine Konsolidierung sehen", sagt David Driggers, Chef des Neocloud-Anbieters Cirrascale. Finanzstarke Vermögensverwalter sowie Telekom- und Glasfaserkonzerne könnten sich "hier eine Neocloud, dort eine Neocloud" schnappen.

Wie wacklig die Lage ist, zeigt der britische Anbieter Nscale. Laut dem Telegraph ist Microsoft aus einem Rechenzentrumsdeal im englischen Loughton ausgestiegen, wo der Konzern 23.000 Nvidia-Chips mieten wollte. Netzbetreiber erwarten dort eine Stromversorgung erst in den 2030er-Jahren. Nscale erklärte, die Beziehung zu Microsoft bleibe "stark und langfristig".

Zugleich drängen laut Insidern einige Investoren darauf, Nscales angestrebte Börsenbewertung von rund 30 auf 16 bis 19 Milliarden Dollar zu senken, berichtet Bloomberg.

Für Nvidia zählen vor allem die Bauherren

Nicht jede Pleite würde laut The Information gleich schwer wiegen. CoreWeave mietet seine Rechenzentren überwiegend an, deren Standorte könnten leichter neue Mieter finden. Nebius, IREN oder Nscale bauen dagegen eigene Anlagen. Geraten sie in Finanznot, könnte der Ausbau selbst stocken und mit ihm Nvidias Absatz.

Für Nvidia sind Neoclouds wichtig, weil die größten Kunden eigene Chips entwickeln. Die Kundengruppe jenseits der Hyperscaler, zu der die Neoclouds gehören, kam im Juli-Quartal auf 40 Milliarden Dollar. Das sind 45 Prozent von Nvidias Rechenzentrumsumsatz und mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.

Entsprechend stützt Nvidia die Branche mit Beteiligungen, Chipzuteilungen, Kreditgarantien und Kundenkontakten. Ein Team um Jensen Huangs Schwiegersohn Nico Caprez hilft inzwischen sogar bei der Suche nach Standorten mit verfügbarem Strom. Die Kreditgarantien hat der Konzern laut einem Manager bereits angepasst: Nachdem größere Neoclouds das erste Angebot gegen einen Anteil künftiger Umsätze ausgeschlagen hätten, biete Nvidia nun kürzere Laufzeiten gegen einen kleineren Umsatzanteil an.

Skepsis bei Analysten und Konkurrenten

Analysten zweifeln dennoch am Fortbestand vieler Anbieter. Gartner prognostiziert, dass 80 Prozent der unabhängigen Neoclouds bis 2030 "ihren unabhängigen Betrieb einstellen" werden. Bernstein schätzt laut Bloomberg, dass nur 35 Prozent der in Nordamerika angekündigten Rechenzentrumskapazität tatsächlich gebaut werden.

Auch aus der Branche selbst kommt Kritik. CoreWeave-Chef Michael Intrator macht laut Bloomberg kleinere Rivalen wie Firmus, Lambda und Nscale für die Turbulenzen verantwortlich: Sie versuchten, gewaltige Kapitalsummen einzusammeln, ohne die Umsetzung, den Umsatz oder die Größe von CoreWeave vorweisen zu können.

Selbst wenn alle Projekte zustande kommen, droht ein anderes Problem. Ein Neocloud-Manager hält es für ausgemacht, dass das Angebot an Rechenleistung irgendwann die Nachfrage übersteigen wird. Microsoft-Chef Satya Nadella hatte 2025 ähnlich argumentiert: In einem Podcast Ende Februar 2025 sagte Nadella, dass er ab 2027 ein Überangebot an Rechenleistung erwarte. Die Industrie sei zu stark auf das Angebot ausgerichtet, nicht auf die tatsächliche Nachfrage. "Das Einzige, was bei all den Rechenzentren passieren wird, ist, dass die Preise sinken werden", so Nadella.

Microsoft hatte damals Rechenzentrumsprojekte unter anderem in Großbritannien und mehreren US-Bundesstaaten wie Ohio gestrichen oder verschoben. Für Nscale ist der Konzern bis heute zentral: Laut Telegraph stammen mehr als 40 Prozent der vertraglich gesicherten Umsätze von 103 Milliarden Dollar von Microsoft.

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