NATO-Jets doppelt so oft gegen Russen gestartet

2 weeks ago 12
  1. Startseite
  2. Politik

Stand: 07.08.2026, 15:33 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

NATO-Jets stiegen im Juli doppelt so oft auf wie im Vorjahr. Russische Bomber fliegen ohne Transponder – US-Geheimdienste warnen vor Angriff auf NATO-Land.

NATO hat mitgeteilt, dass ihre Kampfjets im Juli mehr als doppelt so häufig wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres entlang der Ostflanke des Bündnisses aufsteigen mussten. Der Anstieg betrifft insbesondere den Luftraum in der Nähe Russlands, wo die Spannungen seit Beginn des Kriegs in der Ukraine anhaltend hoch sind. Die Allianz wertet die Zunahme der Einsätze als weiteres Zeichen für die wachsende militärische Aktivität Moskaus.

Content-Partnerschaft

Dieser Artikel von Matthew Robinson und Tony Phillips entstand in Kooperation mit newsweek.com.

Das Bündnis erklärte am Mittwoch, russische Militärflugzeuge seien „wiederholt nahe an den NATO-Luftraum herangeflogen, ohne Flugplan und ohne Transpondersignal“, weshalb Kampfjets des Bündnisses starten und die Maschinen abfangen mussten. Transponder liefern Informationen über ein Flugzeug, etwa seine Flughöhe und den genauen Standort, und tragen damit zur sicheren Kontrolle des Luftverkehrs bei.

Allein im ersten Halbjahr 2026 setzte NATO-Mitglied Norwegen nach Angaben des Bündnisses 62 Mal Kampfjets ein, um auf russische Flüge an der nordöstlichen NATO-Flanke zu reagieren, berichtete das Magazin Newsweek im Juli. Dieser Abschnitt der Allianzlinie gilt als besonders sensibel, da dort sowohl norwegischer als auch internationaler Luftraum direkt an russisches Gebiet grenzt.

Russische Aktivitäten an Norwegens Grenze nehmen stark zu

Innerhalb von nur sechs Monaten dieses Jahres registrierte Oslo nach eigenen Angaben mehr russische Flugzeuge in der Nähe seines Luftraums als in jedem gesamten Jahr seit 2021. Die norwegischen Streitkräfte werten dies als deutliche Verschärfung der Lage, auch wenn es bislang zu keinen dokumentierten Luftraumverletzungen gekommen ist. Die hohe Frequenz der Einsätze belastet dennoch Personal und Material der Luftwaffe.

Es ist zwar nicht ungewöhnlich, dass Militärflugzeuge nahe an den Luftraum anderer Staaten heranfliegen, um Reaktionen zu testen oder Radarabdeckungen zu prüfen. Doch dass Russland seine hochentwickelten Bomber dicht an die Grenzen der NATO heranführt, wird allgemein als Einschüchterungstaktik betrachtet. Solche Flüge sollen nach Einschätzung von Experten Entschlossenheit demonstrieren und mögliche Schwachstellen im Abwehrdispositiv des Bündnisses ausloten.

Luftüberwachungsmissionen entlang der Ostflanke

NATO unterhält mehrere verschiedene Luftraumüberwachungs- und Schutzmissionen in Regionen nahe am russischen Territorium, etwa in den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sowie in Polen, Rumänien und Bulgarien. Diese Einsätze sollen sicherstellen, dass der Luftraum des Bündnisses rund um die Uhr überwacht und bei Bedarf schnell verteidigt werden kann. Sie dienen zugleich als sichtbares Zeichen der Bündnissolidarität gegenüber östlichen Mitgliedsstaaten.

Mitgliedsländer entsenden jeweils für mehrere Monate eine begrenzte Zahl von Kampfjets und Besatzungen, um den NATO-Luftraum zu schützen und die regulären Luftstreitkräfte der betroffenen Staaten zu entlasten. Die rotierende Struktur stellt sicher, dass die Last der Einsätze auf viele Schultern verteilt wird und verschiedene Luftwaffen praktische Erfahrung in gemeinsamen Operationen sammeln.

Intensiver Einsatz in Litauen und Rumänien

Französische Rafale-Jets beendeten in dieser Woche einen viermonatigen Einsatz in Litauen und reagierten dabei auf nahezu 40 sogenannte „Alpha Scrambles“, also echte Alarmstarts, wie das Luftkommando der NATO am Dienstag mitteilte. Diese Einsätze erfolgen, wenn unbekannte oder nicht ordnungsgemäß identifizierte Flugzeuge sich schnell dem überwachten Luftraum nähern und innerhalb kürzester Zeit visuell überprüft werden müssen.

Rumänische Jets, die vorübergehend auf dem Luftwaffenstützpunkt Šiauliai im Norden Litauens stationiert waren, wurden nach Angaben der NATO fast 20 Mal alarmiert, um Flugzeuge abzufangen, die sich dem Bündnisluftraum näherten. Italienische Maschinen werden die nächste Rotation in dem baltischen Land übernehmen, nachdem sie einen Einsatz in Rumänien gemeinsam mit britischen Kampfjets abgeschlossen haben, die ihrerseits Ende Juli die Verantwortung für die Luftraumüberwachung in Rumänien an spanische Jets übergaben.

US-Geheimdienste warnen vor möglichem Angriffsszenario

Die verstärkte Aktivität fällt in eine Zeit, in der das US-Blatt The Wall Street Journal am Donnerstag unter Berufung auf Einschätzungen amerikanischer Geheimdienste berichtete, Russland könne in den kommenden Jahren einen „begrenzten“ Angriff auf ein NATO-Land versuchen. Solche Szenarien würden derzeit in zahlreichen Planspielen und Analysen durchgespielt, um die Abschreckungsfähigkeit des Bündnisses weiter zu stärken und mögliche Reaktionen im Ernstfall vorzubereiten.

Read Entire Article