Die nächste Stufe der KI-Entwicklung legt den Fokus auf physische Umgebungen. Forscher warnen, dass politische Entscheidungsträger in den USA die Tragweite der Technologie noch nicht erfasst haben, während China bei der Robotik voranprescht.
Während große Sprachmodelle das nächste Wort in einem Satz vorhersagen, prognostizieren sogenannte World Models, was in einer physischen Umgebung geschehen könnte. Dazu analysieren sie allerhand multimodale Daten aus Videos, Bilder, Text, Audio und andere Sensoren, um dreidimensionale Räume zu verstehen. Forscher halten die Technologie für potenziell ebenso umwälzend wie große Sprachmodelle, manche wie KI-Pionier Yann LeCun sehen darin einen zentralen Baustein für fortschrittliche KI.
Die Einsatzfelder reichen von Robotik für Lagerhäuser und Haushalte über die Simulation molekularer Umgebungen in der Medikamentenentwicklung bis hin zu autonomem Fahren. Als Sammelbegriff wird häufig der Begriff "Physical AI" verwendet.
Doch die politische Klasse hinkt dieser Entwicklung hinterher, warnen Forscher in einem Beitrag von Politico. Russell Wald, Direktor des Stanford Institute for Human-Centered Artificial Intelligence, erinnert daran, wie er vor ChatGPTs Release 2022 im Kongress warnte, ohne Gehör zu finden. Bei World Models drohe sich das zu wiederholen: "Viele von ihnen wissen nicht einmal, was ein World Model ist."
Fehlende Lieferketten und Chinas Vorsprung bei der Robotik
World Models verschärfen den ohnehin enormen Bedarf an Rechenleistung. Blaine Fisher von der Tulane University stellt laut Politico fest: "Wir hatten schon Mühe, mit der Datenmenge Schritt zu halten, die wir allein für den sprachlichen Teil brauchten." Zusätzlich benötigen World Models physische Hardware wie Roboter. Die US-Tech-Industrie fordert deshalb eine nationale Robotik-Strategie, die auch die Lieferkette gegenüber China stärken soll.
Wald warnt vor einem Engpass ähnlich dem beim 5G-Ausbau: Was, wenn es zum Durchbruch in der Weltmodell-Forschung kommt? Dann hätte man "ihnen ein Gehirn gegeben, aber wir haben keine Lieferketten für die Hardware." Ein zweibeiniger Roboter des chinesischen Smartphone-Herstellers Honor brach derweil den menschlichen Halbmarathon-Rekord.
Die gesellschaftlichen Risiken gehen laut Wald ebenfalls weit über die bekannten LLM-Probleme hinaus. World Models erforderten "eine andere Form der Governance", insbesondere bei Datenschutz, Arbeitsmarkt und nationaler Sicherheit. Die Fähigkeit, die reale Welt zu analysieren, könnte Überwachung und autonome Waffensysteme erheblich verstärken. Fisher warnt zudem, dass Menschen sich in virtuelle Welten mit lebensechter Physik und KI-Avataren zurückziehen könnten: "Es wird Leute geben, die das Haus nicht mehr verlassen wollen."
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