Ein saudischer Staatsbürger und OpenAI-Mitarbeiter wurde am 9. Oktober verhaftet, weil er ein verstecktes Audioaufnahmegerät in einem Konferenzraum der Firmenleitung installiert haben soll.
Laut der Pressemitteilung des US-Justizministeriums versteckte Abdulrahman Alfozan, 35, das in Toilettenpapier eingewickelte Gerät in einem USB-Anschluss eines Fernsehers. In dem Raum wurden vertrauliche Gespräche über Forschung, Produktpläne und Geschäftsstrategien geführt. Alfozan war seit Juli 2025 als Ingenieur bei OpenAI beschäftigt, hatte aber keinen Zugang zum betreffenden Raum. Ein zweites Aufnahmegerät wurde in seiner Tasche entdeckt.
Das in Toilettenpapier getarnte Aufnahmegerät steckte in einem USB-Anschluss auf der Rückseite eines Fernsehers im Konferenzraum der OpenAI-Geschäftsleitung (links). Rechts das Gerät nach der Sicherstellung. (Credit: U.S. v. Abdulrahman Alfozan, 3:26-mj-71329)OpenAI erklärte, es gebe "derzeit keine Hinweise darauf, dass die Person auf Modellgewichte, Quellcode oder Kundendaten zugegriffen oder diese abgezogen hat". Der Mitarbeiter sei entlassen worden.
FBI-Direktor Kash Patel bezeichnete den Schutz amerikanischer "Super-Intelligenz-Innovationen" als "eine unserer höchsten Prioritäten in der Spionageabwehr". Bei einer Verurteilung drohen Alfozan bis zu fünf Jahre Haft und 250.000 Dollar Geldstrafe.
Spionage per Vibe-Coding
Ein illustres Detail des Falls: Alfozan soll das Spionagegerät mit Hilfe "eines Chatbots" gebaut haben, ob es sich dabei um ChatGPT handelt, ist nicht überliefert. Laut Anklageschrift wurden über das Chatbot-Konto, das seiner Ehefrau zugeordnet wird, zwischen dem 24. und 30. September zahlreiche Prompts eingegeben, etwa zum Bau eines "kontinuierlichen Audiorekorders", zur Anpassung der WLAN-Verbindung, zur Verbesserung von "Audio und Live-Mithören" und zur Verschlüsselung der SD-Karte.
Das Konto teilte mehrere übereinstimmende Identifikationsmerkmale mit Alfozans eigenem Chatbot-Konto. Auch Prompts, die sich direkt auf das gefundene Aufnahmegerät bezogen, einschließlich dessen MAC-Adresse, wurden darüber abgesetzt. Kurz gesagt: Der OpenAI-Ingenieur hat sein Spionagewerkzeug offenbar per Vibe-Coding zusammengebaut.
Die Beziehung zwischen OpenAI und den Golfstaaten – insbesondere den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien – hat sich über mehrere Jahre entwickelt und ist eng mit OpenAIs wachsendem Bedarf an Kapital und Infrastruktur verknüpft. Immer wieder tauchte dabei MGX aus den Vereinigten Arabischen Emiraten als Partner oder Geldgeber auf, etwa im Stargate-Kontext. Im Mai 2025 kündigten OpenAI und G42 gemeinsam das Projekt "Stargate UAE" an. Im Rahmen dieses Projekts sollte ChatGPT in den VAE kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Ermöglicht wurde das Projekt durch ein Abkommen mit der Trump-Regierung, das die Lieferung von bis zu 500.000 Hochleistungs-KI-Chips pro Jahr an die VAE erlaubt, eine Abweichung von früheren Exportbeschränkungen unter Präsident Biden.
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