Stand: 15.10.2026, 05:27 Uhr
China kauft Irans Öl, russische Satelliten lenken Raketen – 5 Wahrheiten, die Donald Trumps Dementi der Hilfe für Teheran als Wunschdenken entlarven.
Helfen Russland und China dem Iran in seinem Krieg mit den Vereinigten Staaten? US-Präsident Donald Trump gab zuletzt eine klare Antwort auf diese immer wieder gestellte Frage. „Wenn sie das tun, dann auf einem sehr niedrigen Niveau, aber ich glaube nicht, dass sie es überhaupt tun“, schrieb Trump am späten Montag auf Truth Social: „Sie haben zu viel zu verlieren, und wir würden davon erfahren, und zwar sehr schnell!“
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com.
Das Problem ist: Die USA wissen bereits davon. Trumps eigene Regierung sagt das seit Monaten – in Sanktionsmitteilungen, in Aussagen vor dem Senat und in Warnungen an Peking. Allerdings ist diese Hilfe für Teheran so angelegt, dass sie sich abstreiten lässt. Vielleicht haben Moskau und Peking angesichts des zunehmenden Drucks aus Washington nachgegeben, der zumindest öffentlich weitgehend in der Androhung schmerzhafter Wirtschaftssanktionen bestand.

Nahost-Krieg: Iran hätte ohne Hilfe aus China und Russland nicht so lange durchstehen können
Auch Trump war auf Vereinbarungen aus, als Chinas Präsident Xi Jinping im September zu Besuch kam und als es vergangene Woche darum ging, sich Diesel von Russlands Präsident Wladimir Putin zu sichern. Eine Kürzung der Hilfe für Teheran könnte dabei zur Debatte gestanden haben.
Doch ohne Unterstützung aus China und Russland hätte Teheran den Konflikt mit den USA nicht so lange durchstehen können. Beide Länder sind Säulen des antiwestlichen Blocks, in dem auch der Iran ein bedeutender Akteur ist. Hier sind fünf harte Wahrheiten für Trump darüber, wie China und Russland dem Iran geholfen haben – und weiterhin helfen.
1. China ist Irans finanzielle Lebensader
Kriege brauchen Geld, und Irans lebenswichtige Öleinnahmen stammen überwiegend aus China. Chinesische, als „Teapot“ bezeichnete unabhängige Raffinerien kaufen den Großteil des iranischen Rohöls, erklärte das US-Finanzministerium im April. Damit verschaffen sie dem Regime und seinen Streitkräften „eine lebenswichtige Einnahmequelle“. China nahm 2025 mehr als 80 Prozent des per Schiff exportierten iranischen Öls ab. Das geht aus Kpler-Daten hervor, die eine Recherche von Reuters im September zitierte. Sie beschrieb einen tauschhandelsähnlichen Mechanismus, bei dem iranisches Rohöl in Guthaben für chinesische Waren umgewandelt wird.
Die Quellen der Recherche schätzten, dass im vergangenen Jahr zwei bis 2,5 Milliarden US-Dollar über das für dieses Modell genutzte Zahlungsvehikel flossen. Ihren Angaben zufolge wurde es mindestens einmal für Verträge über Luftverteidigungssysteme genutzt. Peking bestritt eine solche Vereinbarung. Seit Juli hat die US-Seeblockade den Handel stark eingeschränkt. Das ist Trumps Verdienst, nicht das Ergebnis chinesischer Zurückhaltung. China kauft weiterhin iranisches Öl, das bereits außerhalb der Blockadezone auf See gelagert wird, allerdings in deutlich geringeren Mengen als üblich.
2. Chinesische Satelliten beobachteten US-Streitkräfte
Im Mai verhängte das US-Außenministerium Sanktionen gegen drei in China ansässige Unternehmen für Satelliten- und Geodatendienste. Eines habe den Iran während des US-Feldzugs mit Bildmaterial versorgt, ein anderes habe auf iranische Anfragen hin Militäreinrichtungen der USA und ihrer Verbündeten fotografiert. Das Ministerium kündigte an, in China ansässige Akteure für ihre „Unterstützung für den Iran“ zur Rechenschaft zu ziehen – also für genau das, was laut dem Präsidenten nicht stattfindet.
Im September erklärten US-Regierungsvertreter gegenüber The Wall Street Journal, sie hätten einen Zusammenhang zwischen Bildern, die der Iran von chinesischen Akteuren erhalten hatte, und dem Raketenangriff vom 17. Juli auf den jordanischen Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti festgestellt. Dabei wurden drei US-Soldaten getötet. Die Regierungsvertreter beschuldigten nicht Peking selbst, und China verlangte Beweise. Trumps Reaktion an Bord der Air Force One wirkte wie eine Art Akzeptanz: „Sie machen im Grunde das, was wir machen.“
3. Russische Satelliten erkundeten US-Stützpunkte
Eine Einschätzung des ukrainischen Geheimdienstes, die Reuters im April einsehen konnte, ergab, dass russische Satelliten zwischen dem 21. und 31. März mindestens 24 Bildaufklärungsmissionen über 46 Standorten in elf Ländern des Nahen Ostens durchführten. Demnach wurden Stützpunkte innerhalb weniger Tage nach ihrer Erfassung von iranischen Raketen und Drohnen angegriffen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am 25. Juli, Kiew werde seinen Partnern Geheimdienstinformationen über „Russlands neue Unterstützung für das iranische Regime“ zur Verfügung stellen.
„Seit Anfang Juli haben wir eine aktive russische Satellitenüberwachung der Golfstaaten und der dort gelegenen US-Militäreinrichtungen registriert“, sagte Selenskyj. Sein Land befindet sich im Krieg mit Russland und ist stark auf militärische und nachrichtendienstliche Unterstützung der USA angewiesen. „Diese Bilder tauchen anschließend im Iran auf“, fuhr Selenskyj fort. Es gebe eine „klare Korrelation“ zwischen diesen Aufnahmen und iranischen Angriffen. Jüngste Angriffe auf vier Luftwaffenstützpunkte von Verbündeten in Bahrain, Jordanien und Kuwait brachte er mit „dem Interessengebiet russischer Satelliten“ in Verbindung.
Eine westliche Militärquelle und eine regionale Sicherheitsquelle erklärten gegenüber Reuters, ihre eigenen Geheimdienstinformationen belegten intensive russische Satellitenaktivitäten und die Weitergabe von Bildern an den Iran. Im deutlichsten Fall, den die regionale Quelle bestätigte, fotografierte ein russischer Satellit den Luftwaffenstützpunkt Prince Sultan in Saudi-Arabien wenige Tage vor dem iranischen Angriff vom 27. März, der ein US-Aufklärungsflugzeug vom Typ E-3 Sentry traf. Bahndaten eines US-Unternehmens zur Weltraumüberwachung zeigten wiederholte russische Überflüge über den Golf. Das Unternehmen warnte allerdings, ein Überflug sei kein Beweis für eine Aufnahme. Der Kreml hat wiederholt bestritten, den Iran auf diese Weise zu unterstützen.
4. Die Waffenlieferungen gehen weiter
Im März räumte der russische Außenminister Sergej Lawrow ein, dass Russland ein Abkommen über militärtechnische Zusammenarbeit mit dem Iran unterhält und bestimmte Arten militärischer Ausrüstung geliefert hat. Laut Einschätzungen westlicher Geheimdienste, die die Financial Times zitierte, stand Russland kurz vor dem Abschluss einer in Etappen erfolgenden Drohnenlieferung an den Iran. Der Kreml wies die Berichte als frei erfunden zurück.
Eine Recherche derselben Zeitung im September, die sich auf „durchgesickerte russische Korrespondenz, Reiseunterlagen und die Analyse militärischer Patente“ stützte, ergab, dass Russland dem Iran bei der Entwicklung von Überschall-Marschflugkörpern hilft. Chinas Lieferkanal ist stärker kommerziell geprägt, aber nicht weniger real. Trump sagte im Juli, Xis Zusage, den Iran nicht zu bewaffnen – der angeblich auch Putin zugestimmt hatte –, gelte ebenfalls für chinesische Unternehmen.
Sein Außenministerium hatte bereits einen in Belarus ansässigen Mittelsmann beschrieben, der den Kauf Hunderter schultergestützter Flugabwehrsysteme und deren Lieferung aus China an den Iran erleichterte. Im September verhängte das US-Finanzministerium Sanktionen gegen einen Vertreter des iranischen Verteidigungsministeriums in Peking, der nach Angaben des Ministeriums dort den Kauf fertiger Waffensysteme koordiniert. Peking hat Berichte über chinesische Waffenverkäufe an den Iran dementiert.
5. Washington räumt bereits ein, dass es Bescheid weiß
Trump sagt, Washington würde davon erfahren. Und Washington weiß Bescheid. Im Juli bestätigte Verteidigungsminister Pete Hegseth dies vor Senatoren mit Blick auf die Unterstützung Russlands und Chinas für den Iran im laufenden Krieg. „Es gibt definitiv ein Zusammenwirken unserer Gegner. Versuche dazu, und es gibt viele Wege, auf denen wir dem entgegenwirken … und die Tiefe und das Ausmaß dessen sollten geheim bleiben“, sagte Hegseth: „Aber es gibt Wege, auf denen diese beiden Länder auf unterschiedlichen Ebenen einiges von dem ermöglichen, was der Iran tut.“
Während Xis Staatsbesuch im September erklärte Trumps Botschafter in Peking, David Perdue, der Präsident habe erneut betont, dass jede direkte oder indirekte Unterstützung für den Iran „völlig inakzeptabel“ sei. Am selben Tag sagte ein hochrangiger iranischer Regierungsvertreter gegenüber Reuters, chinesische Regierungsvertreter hätten Teheran zugesichert, ihre wirtschaftlichen, politischen oder militärischen Beziehungen unter dem Druck der USA nicht einzuschränken. Washington und seine Verbündeten sprechen nicht ständig Warnungen vor Dingen aus, die gar nicht passieren.
Am 8. Oktober, vier Tage vor Trumps Beitrag, verhängte das US-Finanzministerium Sanktionen gegen das, was es als die Überreste von Irans Schattenflotte bezeichnete – darunter auch Unternehmen mit Sitz in Hongkong. „Das Finanzministerium entzieht dem tyrannischen Regime in Teheran das Geld, mit dem es in der Region Krieg führt, und wir werden weiterhin diejenigen entlarven, die die Ölverkäufe des Regimes ermöglichen“, sagte Finanzminister Scott Bessent. Das zeigt, dass die Arbeit weitergeht, weil die Hilfe für den Iran anhält.
Hilfe für Iran im Nahost-Krieg: Was Trump recht geben würde
In einem wichtigen Punkt hat Trump insbesondere recht: Keine der beiden Mächte ist offen und entschieden auf der Seite Irans in den Krieg eingetreten. Das Weiße Haus hat erklärt, die Hilfe von außen habe US-Operationen weder beeinträchtigt noch behindert. Und Vertreter der Trump-Regierung haben bislang davon abgesehen, Peking vorzuwerfen, die Lieferungen chinesischer Unternehmen an den Iran zu steuern.
Doch es ist schwer vorstellbar, dass solche Unterstützung in einem abgeschotteten, streng kontrollierten System wie dem chinesischen nicht zumindest Pekings stillschweigende Billigung findet. Dass es hier überhaupt eine Grauzone gibt, ist Absicht: Es geht darum, die Beteiligung glaubhaft abstreiten zu können. Wenn Trump recht hat und die russische und chinesische Unterstützung für den Iran entweder bedeutungslos ist oder vollständig versiegt ist, dann müssten auch die Belege dafür rasch ausbleiben.
Dann dürften also keine neuen chinesischen oder russischen Namen auf US-Sanktionslisten auftauchen, keine Abschussgeräte chinesischer Herstellung in iranischen Händen sein und keine weiteren Regierungsvertreter ausländisches Bildmaterial mit dem Tod von Amerikanern in Verbindung bringen. Bis dahin liest sich Trumps Dementi eher wie eine Hoffnung als wie irgendetwas anderes.



