Metas KI-Wette überschattet starkes Werbegeschäft

3 weeks ago 11

Meta hat Anleger mit seinem Ausblick auf das laufende Quartal enttäuscht. Das Unternehmen stellte einen Umsatz zwischen 61 und 64 Milliarden Dollar in Aussicht, während Analysten im Schnitt mit rund 63 Milliarden Dollar gerechnet hatten. Die Aktie verlor im nachbörslichen US-Handel zeitweise rund zehn Prozent.

Der verhaltene Umsatzausblick war nicht der einzige Grund für den Kurssturz. Schwerer wogen die Sorgen über Metas kostspieligen KI-Ausbau und die weiterhin offene Frage, wann und wie sich die Milliardeninvestitionen auszahlen werden.

Bei der Prognose für die Investitionen in KI-Infrastruktur hob Meta dieses Mal nur das untere Ende der Spanne von 125 auf 130 Milliarden Dollar an. Die erwartete Obergrenze bei den Kapitalinvestitionen blieb bei 145 Milliarden Dollar. 2025 gab der Konzern dafür gut 72 Milliarden Dollar aus.

Wie stark die Investitionen inzwischen die Finanzlage belasten, zeigt der freie Cashflow. Dieser brach im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 91 Prozent von 8,55 Milliarden auf nur noch 784 Millionen Dollar ein. Zusammen mit den weiter steigenden Ausgaben für den KI-Ausbau verstärkte der drastische Rückgang des freien Cashflows die Sorgen vieler Anleger.

Um Anleger von seinem milliardenschweren KI-Kurs zu überzeugen, verwies Zuckerberg auf drei große Chancen. Erstens verbessere KI bereits Metas Apps, Werbesysteme und Produktentwicklung. Zweitens sollen persönliche KI-Agenten für Verbraucher neue Produkte und Einnahmequellen erschließen. Drittens will Meta KI-Dienste an Unternehmen verkaufen, etwa über Programmierschnittstellen, Geschäftsagenten und möglicherweise direkt vermietete Rechenleistung.

Meta lägen bereits mehrere Angebote vor, überschüssige Rechenleistung zu vergleichsweise hohen Preisen abzunehmen. Einen großen Teil der Kapazitäten will der Konzern jedoch für eigene KI-Projekte nutzen, darunter das Training seiner Modelle, die Weiterentwicklung des Werbe- und Plattformgeschäfts sowie neue Produkte und persönliche Agenten. Weltweit betreibt oder baut der Konzern derzeit 32 Rechenzentren, das größte davon entsteht in Louisiana und könnte bis zur Fertigstellung 250 Milliarden US-Dollar kosten.

Das Geld für den KI-Ausbau liefert nach wie vor das boomende Werbegeschäft des Facebook-Konzerns. Im vergangenen Quartal steigerte Meta den Umsatz im Jahresvergleich um 28 Prozent auf den Rekordwert von 60,8 Milliarden Dollar.

Zusätzlich zum kostspieligen KI-Ausbau belasten Meta erhebliche rechtliche Risiken. Allein im zweiten Quartal verbuchte der Konzern Belastungen von 2,4 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit Rechtsverfahren.

Besonders schwer wiegen Verfahren wegen möglicher Schäden für junge Nutzer. Vier US-Bundesstaaten beziffern ihre Forderungen in einem bevorstehenden Prozess auf insgesamt bis zu 1,4 Billionen Dollar, berichtet das Wall Street Journal. Sie werfen Meta vor, Facebook und Instagram bewusst suchterzeugend gestaltet und die Öffentlichkeit über die Sicherheit der Plattformen für Minderjährige getäuscht zu haben. Meta weist die Vorwürfe zurück.

Der Konzern verwies zudem auf mehrere für dieses Jahr angesetzte Verfahren in den USA, in denen es um den Schutz junger Nutzer geht. Sie könnten nach Einschätzung Metas zu erheblichen finanziellen Verlusten führen. Auch andere laufende rechtliche und regulatorische Verfahren könnten das Geschäft und die Finanzergebnisse deutlich beeinträchtigen.

(tobe)

Read Entire Article