Klarna-Börsengang: 15 Mrd. in New York

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Der schwedische Zahlungsdienstleister Klarna , bekannt und umstritten vor allem wegen seiner „Jetzt kaufen, später bezahlen“-Angebote für das Einkaufen im Internet, ist mit einer Bewertung von rund 15 Milliarden Dollar in New York an die Börse gegangen. Der Ausgabepreis lag um gut ein Zehntel über den von den begleitenden Investmentbankern veröffentlichten Schätzungen. An der Börse werden vorerst etwa zehn Prozent aller Klarna-Aktien gehandelt.

Sebastian Siemiatkowski, der Gründer und Vorstandsvorsitzende, sagte der F.A.Z. vor Handelsbeginn am Mittwochmorgen amerikanischer Zeit, dass der Großteil des Emissionserlöses an Alt­aktionäre gehe, während dem Unternehmen nur rund 200 Millionen Dollar frisches Kapital zufließen sollen. „Wir sind profitabel, wir können unser weiteres Wachstum selbst finanzieren. Es ging jetzt vor allem darum, etwas Liquidität für unsere Anteilseigner zu schaffen.“

Die Bewerung lag sogar mal bei 46 Milliarden Dollar

Das klingt lässig. In der sogenannten Fintechbranche wurde indes schon lange darüber spekuliert, wann Klarna an die Börse gehen würde; ein für das Frühjahr angepeilter Termin wurde wegen der Unsicherheit über die Folgen der damals noch frischen Zollankündigungen des US-Präsidenten Donald Trump verschoben. Zu den bisherigen Großinvestoren des vor 20 Jahren gegründeten Unternehmens zählen die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Sequoia und der japanische Investmentfonds Softbank.

Sebastian Siemiatkowski, der Gründer und Vorstandsvorsitzende von KlarnaSebastian Siemiatkowski, der Gründer und Vorstandsvorsitzende von KlarnaPicture Alliance

Als Softbank vor vier Jahren bei Klarna einstieg, wurde eine spektakuläre Bewertung von fast 46 Milliarden Dollar zugrunde gelegt. Das machte Klarna vorübergehend zu dem am höchsten bewerteten europäischen Fintechunternehmen überhaupt. Das hing mit der Nullzinsphase und der Corona-Pandemie zusammen, die das Onlineeinkaufen besonders populär machte, und sollte sich wenig später deutlich relativieren.

Siemiatkowski hält rund acht Prozent der Anteile; er versicherte nun, er habe beim Börsengang keine eigenen Aktien zum Verkauf gestellt. Klarna ist mit Lösungen für das Bezahlen im Internet groß geworden, darf dank einer in Schweden ausgestellten und für die gesamte Europäische Union gültigen Banklizenz aber auch herkömmliche Finanzdienstleistungen anbieten. Es gibt beispielsweise Bezahlkarten und Girokonten von Klarna. Im Gespräch mit der F.A.Z. bezifferte Firmengründer Siemiatkowski, der sich mit markigen Ansagen gern als Bankenschreck inszeniert, die Spareinlagen deutscher Kunden bei Klarna auf mehrere Milliarden Euro.

„Die Bafin ist super“

Das Verhältnis zur Finanzaufsicht allerdings ist nicht ungetrübt. Die schwedische Regulierungsbehörde verhängte im vergangenen Jahr ein Bußgeld von umgerechnet 42 Millionen Euro, weil das Unternehmen nach ihrer Ansicht zu wenig zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung getan hatte.

Ohne sich speziell auf diesen Fall zu beziehen, äußerte Siemiatkowski im Gespräch mit der F.A.Z. Kritik an einer nach seiner Darstellung um sich greifenden Regulierungspraxis in der EU. „Die Bafin in Deutschland ist super“, sagte er. „Es gibt aber eine Tendenz dazu, einfach nur viele Anforderungen auf dem Papier abhaken zu wollen. Das verhindert Wettbewerb und Innovationen, und es hilft nicht viel gegen echte Betrüger.“ Als vorbildlich bezeichnete der Klarna-Gründer dagegen den Ansatz der britischen Finanzaufsicht, mehr auf die tatsächlichen Ergebnisse von Sicherheitsvorkehrungen etwa bei der Onlineauthentifizierung zu achten als auf die bloße Einhaltung von Formalien.

Nach Angaben des Unternehmens nutzen rund 110 Millionen Verbraucher und fast 800.000 Händler in 26 Ländern die Dienste von Klarna. In Deutschland, räumte Siemiatkowski ein, sei es schwieriger als anderswo, Erstkunden zu gewinnen; sei dann aber erst einmal ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, entwickelten sich daraus stabilere Geschäftsbeziehungen als in anderen Ländern. Insgesamt wurden ihm zufolge in den zwölf vergangenen Monaten Einkäufe im Wert von 120 Milliarden Dollar über Klarna abgewickelt. Die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle sind nach Unternehmensangaben die von Händlern zu bezahlenden Nutzungsgebühren; Mahngebühren und Verzugszinsen von Verbrauchern spielen eine deutlich kleinere Rolle. Für 2024 verzeichnete das Unternehmen, das in den Jahren zuvor meist Verluste verbucht hatte, einen Nettogewinn von 21 Millionen Dollar.

Der Branchenprimus Paypal bezifferte sein Bruttoumsatzvolumen zuletzt mit rund 1,7 Billionen Dollar und verbuchte einen Nettogewinn von 4,1 Milliarden Dollar. An der Börse wird Paypal zurzeit mit 65 Milliarden Dollar bewertet. Das ist gut viermal so viel, wie Klarna zu seinem Börsendebüt am Mittwoch auf die Waage brachte.

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