Anthropics Fable 5 gilt als das leistungsfähigste KI-Modell auf dem Markt. Doch neue Ausgabedaten zeigen: US-Unternehmen greifen kaum zu. Der Preis scheint, zumindest für den Moment, eine Obergrenze für die KI-Adoption zu markieren.
Unternehmen kaufen Anthropics stärkstes Modell via API kaum, zeigen Ausgabedaten des Finanzdienstleisters Ramp. Im ersten Monat nach dem Launch entfielen nur rund sechs Prozent der bei Anthropic gekauften Tokens auf Fable 5. Gemessen an den Gesamtausgaben für Anthropic-Modelle waren es 11,4 Prozent.
OpenAIs Flaggschiff GPT-5.6 Sol kommt auf 25 Prozent der Tokens und 23 Prozent der Ausgaben bei OpenAI. Insgesamt generierte Fable 5 laut Ramp nur rund 75 Prozent des modellbezogenen Umsatzes von GPT-5.6 Sol, und das, obwohl es im Token-Preis deutlich teurer ist.
Fable 5 macht nur einen Bruchteil der Unternehmensausgaben für Anthropic-Modelle aus. Ältere Modelle wie Sonnet 4.6 und Opus 4.6 dominieren weiterhin. | Bild: Ramp AI IndexRamp merkt methodisch an, dass die Stichprobe für die Fable-Daten aus dem firmeneigenen Token-Spend-Management-Produkt stammt und etwas stärker in Richtung Tech-Unternehmen verzerrt ist. Die tatsächliche Fable-Adoption dürfte also noch niedriger liegen als geschätzt, wenn man davon ausgeht, dass Fable 5 insbesondere fürs Coding genutzt wird.
Wird KI zu teuer?
Laut Ramp-Ökonom Ara Kharazian liegt die verhaltene Fable-5-Adoption am Preis: Das Modell kostet rund 10 Dollar pro eine Million Input-Tokens und 50 Dollar pro eine Million Output-Tokens und ist damit etwa doppelt so teuer wie GPT-5.6 Sol oder andere Anthropic-Flaggschiff-Modelle. Kharazian sieht darin eine neue Obergrenze dessen, was Unternehmen bereit sind, für KI auszugeben. Mehr Leistung sei den Preis schlicht nicht wert.
Allerdings dürfte die tatsächliche Erklärung vielschichtiger sein: Das "Mehr" an Leistung, das Fable 5 bietet, ist für viele Anwendungsfälle womöglich nicht relevant oder im Arbeitsalltag kaum messbar. Dahinter steckt die grundsätzliche Schwierigkeit einer KI-Return-on-Investment-Rechnung: Wie beziffert ein Unternehmen den konkreten Mehrwert eines KI-Modells, noch dazu heruntergebrochen auf die Unterschiede zwischen einzelnen Modellgenerationen?
Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass Fable 5 bereits die Speerspitze dessen markiert, wofür Unternehmen bei KI zu zahlen bereit wären. Deutlich leistungsfähigere Modelle könnten auch einen deutlich höheren und vor allem greifbaren Mehrwert liefern. Unternehmen werden letztlich das kaufen, was sich rechnet. Doch solange dieser Mehrwert abstrakt bleibt, ist offenbar auch die Zahlungsbereitschaft gedeckelt.
Wachstum bei OpenAI und Anthropic verlangsamt sich
Im Juli zahlten laut Ramp 43,5 Prozent der US-Unternehmen für Anthropic-Abonnements oder -Tokens, ein Plus von 1,1 Prozentpunkten gegenüber dem Vormonat. OpenAI kam auf 39,7 Prozent, wuchs aber nur um 0,23 Prozentpunkte und lag damit unter dem allgemeinen Wachstum der KI-Adoption. xAI verzeichnete mit einem Anstieg um 0,94 Prozentpunkte auf 4 Prozent das schnellste Wachstum seit Juli 2025.
Neukunden greifen zwar weiterhin zu den amerikanischen Modellanbietern. Aber fortgeschrittene Nutzer, von deren steigenden Ausgaben das Wachstum von OpenAI und Anthropic zunehmend abhängt, wenden sich verstärkt Open-Source-Modellen zu. Diese liegen laut Ramp nur noch wenige Monate hinter den Frontier-Modellen zurück. Entsprechend verlangsamt sich das Wachstum der beiden führenden KI-Labore.
Anthropic hat OpenAI bei der Verbreitung unter US-Unternehmen überholt und baut den Vorsprung aus. xAI wächst, bleibt aber ein Nischenanbieter. | Bild: Ramp AI IndexBei aller Skepsis gegenüber der Zahlungsbereitschaft für Spitzenmodelle steigen die Gesamtausgaben für KI weiter. Im Juli gaben die obersten ein Prozent der US-Unternehmen im Median 7400 Dollar pro Mitarbeiter für KI aus. Bei den obersten zehn Prozent waren es 650 Dollar, beim Median-Unternehmen 11,95 Dollar pro Mitarbeiter.
Die Daten deuten darauf hin, dass Unternehmen mehr für KI ausgeben, aber eben nicht unbegrenzt. Die Bereitschaft, für im Arbeitsalltag schwer greifbare Leistungssteigerungen deutlich höhere Preise zu zahlen, scheint vorerst erschöpft, nimmt man Fable 5 als Maßstab. Für die KI-Branche, deren Investitionsthese auf stetig wachsende Umsätze mit immer leistungsfähigeren Modellen setzt, sind das laut Ramp beunruhigende Signale.
KI-News ohne Hype – von Menschen kuratiert
Mit dem THE‑DECODER‑Abo liest du werbefrei und wirst Teil unserer Community: Diskutiere im Kommentarsystem, erhalte unseren wöchentlichen KI‑Newsletter, 6× im Jahr den "KI Radar"‑Frontier‑Newsletter mit den neuesten Entwicklungen aus der Spitze der KI‑Forschung, bis zu 25 % Rabatt auf KI Pro‑Events und Zugriff auf das komplette Archiv der letzten zehn Jahre.



