Streit um Daten und Lizenzen für KI-Training
Wem gehören die Daten, mit denen Firmen ihre KI-Systeme trainieren, und wer soll dafür zahlen? Um diese Frage streiten Europas Tech-Konzerne und der Kreativsektor. Die EU-Kommission hat eine öffentliche Konsultation durchgeführt und über vierhundert Stellungnahmen erhalten, von Tech-Firmen, Kreativverbänden, Forschungseinrichtungen und Verwertungsgesellschaften. Im Zentrum steht das Text- und Data-Mining, also das automatisierte Auslesen und Analysieren großer Datenmengen. Die europäische Urheberrechtsrichtlinie von 2019 erlaubt das grundsätzlich, auch für gewerbliche Zwecke. Rechteinhaber können aber widersprechen, ein sogenanntes Opt-out.
Der Kreativsektor wirft KI-Firmen vor, sich der Lizenzierung zu entziehen und sogar Raubkopien zu nutzen. Er fordert ein Opt-in-System, bei dem Firmen vorher um Erlaubnis fragen müssen. Die Tech-Industrie hält dagegen, KI-Modelle speicherten keine Texte, sondern erlernten Muster. Eine Pflicht zur Lizenzierung treffe vor allem kleine Anbieter. Der Verband Bitkom warnt vor Nachteilen gegenüber den USA und China. Es gibt auch Kompromissvorschläge. Wikimedia Deutschland will die Datei robots.txt als Standard für Opt-outs festlegen. Die Verwertungsgesellschaft GEMA fordert ein neues Recht für die kommerzielle Nutzung KI-generierter Inhalte. Die Kommission muss nun einen Mittelweg finden.
Google kauft interne Daten der insolventen Spirit Airlines
Google hat sich für zehn Millionen US-Dollar die Geschäftsdaten der insolventen Billigfluglinie Spirit Airlines gesichert. Das Paket enthält hunderte Millionen E-Mails und Chat-Nachrichten sowie Millionen Zeilen Quellcode. Google will diese Daten anonymisiert für das KI-Training nutzen.
Das Vorgehen liegt in der Branche im Trend. KI-Firmen kaufen gezielt die Datenschätze insolventer Unternehmen, um ihre Modelle mit echten Geschäftsprozessen zu füttern. Solche realen, nicht öffentlichen Daten sind besonders wertvoll für das Training von KI-Agenten.
KI-Firmen zerstören Bücher: Was steckt dahinter?
Weil die Daten aus dem Internet weitgehend ausgeschöpft sind, beschaffen sich KI-Firmen inzwischen massenhaft Bücher für das Training ihrer Sprachmodelle. Antiquare berichten von nächtlichen Bestellungen aus Nordamerika, die teils sechsstellige Gewinne brachten. Die Bücher werden beim Scannen häufig zerstört, denn das Abtrennen der Buchrücken geht schneller und billiger als schonendes Digitalisieren.
Anthropic bestätigte in Gerichtsdokumenten ein „Project Panama“ zum destruktiven Scannen aller Bücher weltweit. In Deutschland ist das Vorgehen urheberrechtlich problematisch. In den USA kann die Zerstörung sogar rechtlich vorteilhaft sein, weil sie als Formatwechsel und nicht als zusätzliche Kopie gilt. Der Datenhunger treibt diese Praxis voran.
OpenAI bremst Modellentwicklung aus und verspricht mehr Kontrolle
OpenAI hat das Training seiner Modelle für zwei Wochen gestoppt. Der Grund: Das kommende Modell „Astra“ erreicht in internen Tests so starke Fähigkeiten im Bereich Cybersicherheit, dass OpenAI die höchste Risikostufe seines eigenen Sicherheits-Frameworks nicht mehr ausschließen kann. Der größte geplante Trainingslauf bleibt weiter angehalten. Auch andere Prozesse pausieren, bis sie neue Sicherheitsanforderungen erfüllen.
Bekannt wurde zuletzt allerdings, dass OpenAI das Team hinter dem Sicherheitsregelwerk aufgelöst hat. Kritiker dürften dem Unternehmen erneut Angst-Marketing vorwerfen, mit dem es sich Zeit und Aufmerksamkeit verschafft. Das unabhängige staatliche AI Safety Institute hat allerdings ähnlich schädliches Verhalten von Modellen dokumentiert.
Anthropic macht mehr Umsatz als OpenAI
Anthropic hat OpenAI bei Umsatz und Profitabilität überholt. Der Umsatz von OpenAI wuchs im zweiten Quartal um 18 Prozent auf 6,7 Milliarden US-Dollar. Anthropic verdoppelte seinen Umsatz auf 11,6 Milliarden US-Dollar und zog damit hinter dem Chatbot Claude am ChatGPT-Entwickler vorbei. Anthropic erzielte im zweiten Quartal erstmals einen knappen Gewinn, während OpenAI Verluste von über 12 Milliarden US-Dollar einfuhr. Ob beide Zahlen gleich berechnet sind, bleibt unklar, denn wichtige Hintergründe fehlen.
Die Entwicklung deutet an, wie sich die beiden wichtigsten KI-Firmen auseinanderentwickeln. Der Wirbel um ChatGPT hat merklich an Fahrt verloren. Anthropic überzeugte im Frühjahr mit Claude die Developer-Community und bekam viel Sympathie, als es dem Pentagon die militärische Nutzung verweigerte.
Inferenzkosten für KI-Agenten verfünffachen sich bis 2028
Trotz sinkender Preise für KI-Modelle erwarten die Marktforscher von Gartner deutlich höhere Kosten für den Betrieb agentischer KI. Bis 2028 sagen sie eine Verfünffachung pro agentenbasiertem Workflow voraus. Grund sei ein „Inferenz-Paradox“: Mit sinkenden Preisen werden auch komplexere Workflows wirtschaftlich möglich. Nutzen Unternehmen diese Möglichkeit, treibt das den Tokenverbrauch und damit die Gesamtkosten hoch.
Die KI-Fähigkeiten steigen derzeit schneller, als die Preise fallen. „Jede neue Generation von KI-Funktionen benötigt mehr und häufig auch teurere Token. Ein verlässliches und wirtschaftlich tragfähiges Kostenmodell pro Einheit ist derzeit nicht in Sicht“, sagt Will Sommer, Senior Director Analyst bei Gartner. Wer wettbewerbsfähige KI-Produkte bauen will, muss komplexe Ökosysteme aus mehreren Modellen aufbauen.
Velaura AI sammelt Millionen für energieeffizientere KI-Chips
Velaura AI, ein Start-up für Chipdesign, will eine Technik entwickelt haben, die den Stromverbrauch von KI-Beschleunigern um die Hälfte senkt, ohne Leistung zu verlieren. Das Design „Titan Core“ stecke bereits in mehr als 30 Millionen Mikrochips aus führenden Herstellungsprozessen. Gegründet wurde die Firma vor vier Jahren von Fachleuten, die zuvor bei Qualcomm, Marvell, Nvidia, Intel, Palo Alto Networks, Apple und Google gearbeitet haben.
In einer Finanzierungsrunde sammelte das kalifornische Start-up 110 Millionen US-Dollar ein, der Firmenwert übersteigt damit eine Milliarde US-Dollar. Firmenchef Rajiv Khemani hält die Wirtschaftlichkeit der Rechenleistung für wichtiger als neue KI-Modelle.
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Enormer CO₂-Anstieg durch Gaskraftwerke für KI befürchtet
Das größte Klimaproblem der KI liegt nicht in den Rechenzentren selbst, sondern in der nötigen Stromerzeugung. In den USA befinden sich derzeit 99 Gaskraftwerke im Bau oder in Planung, die ausschließlich KI-Datenzentren versorgen sollen. Werden alle gebaut, schätzt BloombergNEF den CO₂-Ausstoß auf 318 Millionen Tonnen pro Jahr. Damit wären die Fortschritte aus der Reduktion der Kohleverstromung dahin.
Wahrscheinlich werden nicht alle 99 Kraftwerke gebaut, denn in der Bevölkerung wächst der Widerstand gegen die stark steigenden Strompreise.
Click Boom Flash: Was macht KI mit der Fotografie?
Verliert das makellose Foto seinen Wert? Jahrzehntelang galt: Ein gutes Foto ist ein möglichst fehlerfreies Foto. Das ändert sich nun. Perfekte Bilder lassen sich schnell erzeugen und wer ein Foto für echt hält, liegt immer öfter falsch. Entscheidend werde die Glaubwürdigkeit. Fotografen, die sich mit einem KI-Bild in die Nesseln setzen, verlieren diese schnell. Wichtig sei die Unterscheidung zwischen zufälliger technischer Schwäche und bewusst eingesetzter Imperfektion. Ein Fehler ist interessant, wenn er etwas über den Moment erzählt.
Auch den Kameramarkt verändert KI. Kameras würden künftig nicht mehr allein als Präzisionswerkzeuge gesehen, sondern stärker als kreatives, haptisches und persönliches Werkzeug. Das ganze Gespräch von Judy Hohmann und Hendrik Vatheuer gibt es im Podcast Click Boom Flash der c’t-Fotografie bei heise.de/podcasts.
Viele Eltern bei Fake-News und KI unsicher
Eine Umfrage der Körber-Stiftung zeigt, dass sich viele Eltern im Umgang mit künstlicher Intelligenz unsicher fühlen. Mehr als ein Viertel der Befragten schätzt die eigene Kompetenz bei KI-Anwendungen als gering ein. Ebenso viele trauen sich nicht zu, ihre Kinder bei der Nutzung von KI für Schulaufgaben gut zu unterstützen.
Eine Mehrheit wünscht sich mehr Informationen darüber, wie man KI-generierte Bilder und Videos erkennt. Über die Hälfte der Eltern weiß aber nicht, wo sie Hilfe findet. Die Ergebnisse verdeutlichen eine Wissenslücke und den Bedarf an niedrigschwelligen Bildungsangeboten.
ChatGPT for Teens soll kritisches Denken vermitteln
OpenAI hat eine eigene Version seines Chatbots für Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren entwickelt. ChatGPT for Teens soll Teenagern helfen, kritisches Denken zu entwickeln und KI selbstbewusst zu nutzen. Das System erkennt jugendliche Nutzer automatisch und aktiviert dann einen Modus mit strengeren inhaltlichen Grenzen. Eltern können Kontrollfunktionen einstellen, darunter Sperrstunden und Hausaufgabenzeiten.
Während dieser Zeiten wechselt der Chatbot in den „Study Mode“, der nicht direkt Antworten liefert, sondern durch gezielte Fragen zum Verständnis führt. Für Lehrkräfte gibt es zudem das bis zum nächsten Jahr kostenfreie Angebot ChatGPT for Teachers.
World Liberty Financial kooperiert mit WorldClaw
Das US-Verteidigungsministerium hat eine Reihe chinesischer Firmen wegen Verbindungen zum chinesischen Militär auf eine schwarze Liste gesetzt. Nun kooperiert World Liberty Financial, ein von der Familie des US-Präsidenten Trump unterstütztes Krypto-Unternehmen, mit dem in Hongkong ansässigen WorldClaw. Diese KI-Plattform bietet US-Kunden Modelle genau jener chinesischen Firmen an, die das Pentagon als Risiko für die nationale Sicherheit einstuft.
Die Trump-Familie profitiert finanziell von der Kooperation, da WorldClaw die Stablecoin von World Liberty als Zahlungsmittel akzeptiert. Illegal ist die Zusammenarbeit nicht, doch Fachleute halten sie für heuchlerisch. Während die US-Regierung vor chinesischer KI warnt, verdient der Präsident daran mit.
KI-Modell sagt aktive Region auf Sonne früher vorher
Sonnenstürme können auf der Erde Kommunikations- und Stromnetze stören oder ausfallen lassen, wenn sie zur richtigen Zeit auf der richtigen Seite der Sonne auftreten. Ihre Vorhersage ist schwierig, weil die zugrunde liegenden Prozesse kaum bekannt sind und schnell ablaufen können. Ein Forschungsteam des New Jersey Institute of Technology hat ein KI-Modell trainiert, das die Entstehung einer sogenannten aktiven Region neun Stunden im Voraus vorhersagt. Solche Regionen sind mögliche Vorläufer von Sonnenstürmen. Das ist deutlich schneller als bisherige Technik.
Noch gibt es zu viele Fehlermeldungen für den praktischen Einsatz, und aus einer aktiven Region muss sich nicht zwangsläufig ein Sonnensturm entwickeln. Das Team sieht darin dennoch einen Meilenstein, der Betreibern von Strom- und Kommunikationsnetzen sowie Satelliten mehr Vorwarnzeit verschaffen könnte.
KI kürt die besten Studien der Welt – und spaltet die Wissenschaft
QED Science, ein israelisches Start-up, sorgt mit einer KI zur Bewertung wissenschaftlicher Arbeiten für Streit. Das System analysiert Studien mit mehreren spezialisierten KI-Agenten, die Aspekte wie Methodik, Statistik und Originalität prüfen. Kürzlich kürte es das beste ein Prozent aller Biowissenschafts-Studien des vergangenen Jahres. Befürworter sehen darin eine Antwort auf die Peer-Review-Krise, denn menschliche Gutachter sind überlastet und Begutachtungen dauern oft Jahre.
Kritiker bemängeln die Intransparenz und fürchten eine weitere Reduzierung der Wissenschaft auf Metriken. Die Bewertungen seien nicht nachvollziehbar, da Algorithmus und Gewichtungen geheim bleiben. Viele Forschende bevorzugen einen Mittelweg: KI als Unterstützung für menschliche Gutachter, nicht als Ersatz.
(igr)



