Kampf gegen KI-Spam: LinkedIn will den KI-Geist zurück in die Flasche drängen

2 weeks ago 13

LinkedIn verschärft den Kampf gegen massenhaft KI-generierte Inhalte auf seiner Plattform. Neue Erkennungssysteme sollen substanzlose Beiträge ausbremsen, während ein Verifizierungsfilter Bots und Fake-Profile sichtbarer machen soll.

Das Business-Facebook LinkedIn reagiert auf ein wachsendes Problem: Immer mehr Beiträge und Kommentare auf der Plattform werden offenbar automatisiert und ohne echten inhaltlichen Mehrwert von KI erstellt. LinkedIn bezeichnet diese Inhalte als "AI Slop", also oberflächlich polierte, aber substanzlose Texte, die echte Konversationen verdrängen.

"Wenn KI übermäßig genutzt wird, besonders in großem Maßstab und automatisiert, verwässert das die wertvollen Erkenntnisse, die echte menschliche Gespräche auslösen können", schreibt Laura Lorenzetti, Vice President und Executive Editor bei LinkedIn Global Editorial, in einem Blogpost.

KI als Schreibhilfe sei grundsätzlich in Ordnung, aber Beiträge und Kommentare müssten die eigene Stimme und Perspektive widerspiegeln. "Der eigentliche Wert kommt vom Menschen hinter dem Werkzeug", so Lorenzetti.

Dass das ausgerechnet von Microsoft kommt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Zum einen, weil man dem LinkedIn-Algorithmus, wie allen Social-Media-Algorithmen, prinzipiell vorwerfen darf, effektheischende und übermäßig personalisierte Beiträge stärker zu gewichten als inhaltlich gehaltvolle.

Aber noch viel stärker wirkt di eIronie, weil Microsoft selbst maßgeblich daran beteiligt war, die KI-Nutzung bei LinkedIn zu fördern. Erst vor wenigen Tagen stellte Microsoft ein neues Copilot-Feature im Browser vor, das KI-gestütztes Schreiben im Web fördert. Die Demoplattform: LinkedIn, mit einem maximal generischen Beitrag.

Erkennungssysteme lernen, substanzlose Inhalte zu identifizieren

Konkret setzt LinkedIn laut Lorenzetti auf neue technische Systeme, die in Zusammenarbeit mit dem hauseigenen Editorial-Team trainiert wurden. Diese Systeme sollen Signale von KI-generierten Inhalten ohne erkennbare Perspektive erkennen und sich über die Zeit weiterentwickeln. Sie unterscheiden demnach zwischen Beiträgen, die Kontext, Expertise oder eine eigene Sichtweise bieten, und solchen, die generisch oder repetitiv wirken.

Die Maßnahmen richten sich neben Posts auch gegen zwei weitere Kategorien: Kommentare, die massenhaft mit Automatisierungstools und mit wenig oder gar keiner menschlichen Beteiligung erstellt werden, sowie Antworten, die lediglich den Originalbeitrag wiederholen, ohne etwas Neues beizutragen.

Inhalte, die als KI-generiert und meinungsschwach eingestuft werden, sollen künftig weniger breit verteilt werden. Statt im Feed fremder Nutzer aufzutauchen, bleiben sie weitgehend auf das unmittelbare Netzwerk des Verfassers beschränkt.

Die ersten Ergebnisse scheinen aus LinkedIns Sicht vielversprechend: In initialen Tests will das Unternehmen generische Inhalte mit einer Trefferquote von 94 Prozent korrekt identifiziert haben. Nutzer hätten bereits zurückgemeldet, weniger solcher Beiträge in ihrem Feed zu sehen. LinkedIn erwartet, dass sich dieser Trend fortsetzt.

Unabhängig überprüfbare Zahlen zur Wirksamkeit der Maßnahmen liefert das Unternehmen allerdings nicht. Wie hoch die Fehlerquote bei der Einstufung legitimer Beiträge als "AI Slop" ist, bleibt ebenfalls offen.

Verifizierung soll Bots und Fake-Profile enttarnen

Neben der inhaltlichen Filterung geht LinkedIn auch verstärkt gegen gefälschte Profile vor. Bots und KI-generierte Fake-Accounts würden echtes Engagement zerstören, so Lorenzetti. Als zusätzliches Werkzeug baut LinkedIn auf sein Verifizierungssystem: Über 100 Millionen Mitglieder seien mittlerweile verifiziert. Nutzer können nun fast überall auf der Plattform nach verifizierten Mitgliedern filtern, darunter bei Profilaufrufen, Jobbewerbungen sowie bei Kommentaren und Konversationen im Feed.

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