Trotz der im Gazastreifen geltenden Waffenruhe gab es im Juni mehr als 40 Angriffe auf Milizen in dem Gebiet. Zuletzt wurden dort fünf weitere Menschen getötet.
Quelle: DIE ZEIT, AFP, Reuters, ale Aktualisiert am 16. Juli 2026, 14:07 Uhr
Trotz der seit Oktober 2025 geltenden Waffenruhe im Gazastreifen weitet Israel seine Angriffe in dem Gebiet nach Angaben von US-Beobachtern aus. Diese lägen auf einem Niveau, das seit Beginn der Waffenruhe nicht verzeichnet worden sei, teilte die Beobachtungsstelle Acled mit. So seien im Juni mehr als 40 Luft- und Drohnenangriffe auf die palästinensische Terrormiliz Hamas und andere militante Gruppen registriert worden, der höchste Monatswert seit vergangenem Herbst.
Die Waffenruhe hatte zwar die schweren Kämpfe im Gazastreifen beendet, die nahezu täglichen israelischen Angriffe aber nicht gestoppt. Laut palästinensischen Gesundheitsbehörden wurden dabei seit Oktober mehr als 1.100 Menschen getötet, die meisten von ihnen sollen Zivilisten sein. Auf israelischer Seite wurden im selben Zeitraum vier Soldaten durch Angriffe militanter Palästinenser getötet. Israel begründet die Fortsetzung der Angriffe unter anderem mit der Abwehr von Anschlägen.
Laut palästinensischen Behörden wurden zuletzt fünf weitere Menschen im Gazastreifen getötet. Bei einem Luftangriff nahe Tuffah im Norden starben laut Rettungskräften zwei Personen, ein weiterer Mensch sei durch Panzerbeschuss im östlichen Teil von Gaza-Stadt getötet worden. Auch habe es bei Angriffen auf ein Zeltlager im Westen von Gaza-Stadt sowie auf ein Fahrzeug in der südlichen Stadt Chan Junis jeweils einen Toten gegeben.
Israel kontrolliert knapp zwei Drittel des Gazastreifens
Israel hatte sich im Rahmen der Waffenruhe aus Teilen des Gazastreifens zurückgezogen, kontrolliert aber weiterhin knapp zwei Drittel des Gebiets. Einen Rückzug schloss Israels Verteidigungsminister erneut aus: Im Gespräch mit seinem US-Amtskollegen Pete Hegseth hat Katz laut einer Mitteilung seines Büros »Israels Entschlossenheit unterstrichen, in den Sicherheitszonen in Syrien, im Gazastreifen und im Libanon zu bleiben, um Israels Grenzen und die grenznahen Ortschaften vor den Bedrohungen durch Dschihadisten-Gruppen zu schützen.«
Das Telefonat fand demnach in der Nacht zum Donnerstag statt. Katz' Äußerungen erfolgen wenige Tage, nachdem US-Präsident Donald Trump Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu Berichten zufolge aufgefordert haben soll, die israelischen Streitkräfte aus Syrien und dem Libanon zurückzuziehen.
Nach dem Sturz des langjährigen syrischen Diktators Baschar al-Assad im Dezember 2024 hatte Israel Truppen in eine von den Vereinten Nationen überwachte Pufferzone im Süden Syriens entsandt, die seitdem unter israelischer Besatzung steht. In Gaza sind die israelischen Streitkräfte entlang der Grenze zum Palästinensergebiet sowie der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten stationiert. Im Libanon kontrolliert Israel das Grenzgebiet auf libanesischem Territorium.
Israel und Libanon verhandeln über Abzug israelischer Truppen
Israel und die libanesische Regierung führen derzeit Verhandlungen über ein Ende der israelischen Angriffe auf die proiranische Miliz Hisbollah, die im Libanon ansässig ist. Der Iran hatte ein Ende der Kämpfe im Libanon und einen Rückzug Israels als Bedingung für ein dauerhaftes Friedensabkommen im Krieg mit den USA genannt. Während die US-iranischen Verhandlungen stocken und in den vergangenen Tagen zu neuen Attacken der USA auf den Iran geführt haben, gibt es bei den Gesprächen zwischen Israel und dem Libanon Fortschritte.
So beendeten beide Länder am Mittwoch nach US-Angaben ihre inzwischen fünfte Verhandlungsrunde. Dabei hätten sie sich auf »die Struktur und die Richtlinien« für die sogenannten Pilotzonen verständigt, aus denen sich Israels Armee schrittweise zurückziehen solle. Ziel sei ein umfassendes Abkommen zwischen den beiden Ländern. Allerdings fordert Israel auch eine Entwaffnung der Hisbollah, die das bislang vehement ablehnt.



