Iran testet Hormus-Route – Abkommen wackelt

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Stand: 28.06.2026, 22:00 Uhr

Von: Felix Busjaeger

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Der Iran beansprucht die Straße von Hormus – und testet, wie weit der Druck auf die USA und Golfstaaten trägt. Derweil steht ein Bundeswehr-Einsatz im Raum.

Teheran/Washington, D.C. – Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi ließ mit Blick auf die aktuelle Debatte um die Straße von Hormus keinen Zweifel an Teherans Anspruch: Der Seeweg werde „innerhalb der kommenden 30 Tage wieder vollständig unter die Verwaltung des Iran gestellt“, sagte er bei einem Besuch in Bagdad. Die Verantwortung für die Meerenge liege allein beim Iran und „jegliche Einmischung oder der Versuch, parallele Strukturen zu schaffen, würde die Lage weiter verkomplizieren.“

Irankrieg - Straße von Hormus

Handelsschiffe in der Straße von Hormus. (Archivbild) © Wen Xinnian/Xinhua/dpa

Für Analysten ist die Aussage im Kontext der aktuellen Lage im Iran-Krieg keine leere Drohung: Hinter dem jüngsten Angriff auf ein Frachtschiff in der Meerenge sehen sie einen kalkulierten Versuch Teherans, den Machtanspruch auf die Straße von Hormus zu untermauern.

Straße von Hormus: Iran manifestiert Anspruch – Abkommen im Iran-Krieg vor Herausforderung

Knapp zwei Wochen nach Unterzeichnung des Abkommens zwischen den USA und dem Iran flammt der Konflikt wieder auf. US-Streitkräfte griffen in der Nacht auf Sonntag zum zweiten Mal seit der Einigung iranische Ziele an. Darunter waren Luftabwehrstellungen, Drohnenlager und Überwachungsinfrastruktur, wie das Regionalkommando Centcom mitteilte.

Vorausgegangen war ein Angriff auf ein Frachtschiff vor der Küste des Omans am Donnerstag, für den Washington den Iran verantwortlich macht. Am Samstag wurde nach Angaben der britischen Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt ein weiteres Frachtschiff getroffen. Die Revolutionsgarden ihrerseits attackierten US-Militärstützpunkte in Kuwait und Bahrain.

Doch Analysten lesen die Lage komplexer. Das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) in Washington sieht hinter den Angriffen auf die Golfstaaten den Versuch, diese zur Akzeptanz der iranischen Kontrolle über die Straße von Hormus zu zwingen. Zugleich könnte es ein Signal an weitere Golfstaaten sein, dass der Iran militärisch gegen sie vorgehen könnte, sollten sie die USA dabei unterstützen, den iranischen Machtanspruch in der Meerenge zu untergraben.

Iran-Krieg aktuell: Teheran lotet wohl aus, wie Angriffe derzeitige Lage beeinflusst

Gregory Brew, leitender Analyst bei der Eurasia Group, bringt es auf den Punkt: Demnach würde Teheran ausloten, wie weit es in der derzeitigen Lage im Iran-Krieg gehen könnte, um seinen Einfluss geltend zu machen. „Wenn schon eine minimale militärische Maßnahme ausreicht, um die Route über omanische Gewässer zu blockieren und den Schiffsverkehr auf Routen zu lenken, die der Iran kontrollieren kann – warum sollte man es dann nicht versuchen?“, schrieb Brew auf X. Die Risiken seien gering, solange Teheran darauf vertrauen könne, dass die USA nicht zu einem aggressiveren Vorgehen zurückkehrten.

Wurzel des Konflikts ist die bewusste Unschärfe des Rahmenabkommens. Nicole Grajewski von der Pariser Elitehochschule Sciences Po sagte der New York Times, die Übergangsvereinbarung habe „bewusst auf flexible Formulierungen gesetzt, weil dies wahrscheinlich der einzige Weg war, sie zum Abschluss zu bringen“. Doch genau diese Unschärfe führe nun dazu, dass beide Seiten versuchten, vor Ort Fakten zu ihren Gunsten zu schaffen. „Flexibilität hält nur so lange, wie beide Seiten denselben vagen Bestimmungen eine ähnliche Bedeutung beimessen“, so Grajewski.

Bundeswehreinsatz in der Straße von Hormus – viele Voraussetzungen „nicht erfüllt“

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Debatte über einen möglichen Bundeswehreinsatz zur Minenräumung in der Straße von Hormus neue Brisanz. Thomas Röwekamp (CDU), Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Bundestag, dämpfte entsprechende Erwartungen deutlich. „Wir haben im Moment viele Voraussetzungen, die noch nicht erfüllt sind“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Neben der Frage, ob die Waffenruhe halte, brauche es auch die Zustimmung des Iran. Im Abkommen sei die Verantwortung für die Sicherheit der Meerenge „eindeutig an den Iran und den Oman adressiert“. Zudem forderte Röwekamp eine klare internationale Rechtsgrundlage: „Ich würde mir wünschen, dass es gelänge, ein eindeutiges Mandat entweder der Europäischen Union oder der Vereinten Nationen zu haben.“

Völkerrechtsprofessor Pierre Thielbörger von der Universität Bochum betont laut Tagesschau, die UN-Resolution vom März sei zu einem Zeitpunkt verabschiedet worden, „als ein iranischer Seemineneinsatz noch nicht konkret zur Debatte stand“. In der Folge enthalte sie nicht eine ausdrückliche Autorisierung militärischer Maßnahmen. Ohne iranische Zustimmung oder ein neues UN-Mandat stünde ein Minenräumeinsatz rechtlich auf wackeligen Füßen. Deutschland hat bereits zwei Marineschiffe in Richtung Dschibuti verlegt. Sollte ein Bundestagsbeschluss gefasst werden, sagte Röwekamp, „sind wir dann innerhalb von 14 Tagen in der Lage, sie in den Einsatz zu schicken.“ Wann dieser Zeitpunkt kommt, bleibt angesichts der erneuten Eskalation aber offen. (Quellen: AFP, dpa, Tagesschau, New York Times) (fbu)

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