Stand: 11.06.2026, 18:48 Uhr
Von: Lisa Mahnke
Der Iran-Krieg belastet die US-Munitionsvorräte. Eine neue Eskalation könnte den USA schwer zu schaffen machen. Trump soll ein Krisentreffen abhalten.
Washington, D.C. – Im Iran-Krieg könnte eine neue Eskalation kurz bevorstehen. „Wir werden sie angreifen, und zwar mit aller Härte“, kündigte der US-Präsident Donald Trump am Mittwoch (10. Juni) im Oval Office an. Kurz danach folgten weitere Angriffe. Während bei den Friedensverhandlungen die Spannungen wachsen, nehmen in Washington die Sorgen, dass den USA die Waffen ausgehen könnten, zu.

Trump betonte laut NBC News noch im März in einem Beitrag auf Truth Social, die USA hätten einen „praktisch unbegrenzten Vorrat“ an Waffen. Auch die Sprecherin des Weißen Hauses, Anna Kelly, sagte laut der Nachrichtenseite, das US-Militär hätte Vorräte, groß genug „um alle strategischen Ziele von Präsident Trump zu verwirklichen und noch darüber hinauszugehen, und die Operation Epischer Zorn hat gezeigt, was passiert, wenn man sich mit den Vereinigten Staaten anlegt.“
Trumps Frust über US-Waffenlager steigt wohl: Ressourcenintensiver Iran-Krieg zeigt Folgen
Dennoch habe der US-Präsident laut Kelly US-amerikanische Rüstungsunternehmen aufgefordert, mehr Waffen zu produzieren. Bis die Bestände aufgefüllt sind, würde es wohl Jahre dauern. Hinter verschlossenen Türen könne es laut einer Person, die mit Plänen für ein Treffen vertraut ist, „hässlich“ werden. Trump sei demnach zunehmend frustriert über die Waffenbestände der USA.
Laut NBC News schmälerten auch Hilfen im Ukraine-Krieg das Lager der USA, die deutlich größeren Auswirkungen hätte allerdings der ressourcenintensive Iran-Krieg. Wie die Washington Post erinnerte, verbrauchten Israel und die USA in den ersten 96 Stunden des Iran-Kriegs fast 5200 Sprengkörper. Die genaue Anzahl der kritischen Bestände des US-Militärs ist zwar geheim, doch das Center for Strategic and International Studies (CSIS) veröffentlichte kürzlich Schätzungen.
Je über 1000 Tomahawks und Patriots verbraucht: Trumps Iran-Krieg entleert Waffenbestände der USA
Demnach sollen von einem Bestand von etwa 3100 Tomahawk-Marschflugkörpern vor dem Krieg in der Golfregion mindestens 1000 der Marschflugkörper genutzt worden sein. Ähnliche Zahlen stellte das Institut auch bei den Luft-Boden-Marschflugkörpern des Typs JASSM fest, wobei hier von einem höheren Vorkriegsstand von 4400 Marschflugkörpern ausgegangen wurde.
Auch von anfänglich geschätzt 2300 Patriot-Flugabwehrraketen vor dem Iran-Krieg sollen laut dem CSIS 1000 bis um die 1400 Raketen genutzt worden sein. Laut dem Institut könnte es über drei Jahre dauern, bis der ursprüngliche Stand wieder erreicht werden könne. Im Zweifel müssten die USA auf kostengünstigere Alternativen ausweichen, von denen die Bestände „akzeptabel“ seien, wie das CSIS bilanziert.
NBC News berichtet, dass im Vergleich zu dem Niveau vor dem Ukraine-Krieg Waffen im Wert von 20 Milliarden US-Dollar für das Auffüllen der US-Lagerbestände fehlen sollen. Trotz „Rahmenvereinbarungen“ des Pentagons über Rüstungsgüter fehlten aktuell konkrete Herstellungsverträge, mit denen der US-Bestand wieder aufgefüllt werden könnte. Die meisten kurzfristig anstehenden Waffenlieferungen aus älteren Aufträgen – bis die von der Trump-Regierung geplanten Bestellungen in den US-Beständen auftauchten, könnten Jahre vergehen.
USA warnen Iran in Friedensverhandlungen: Müssen „den Preis zahlen“ – neue Angriffe in der Golfregion
Das US-Zentralkommando (CENTCOM) gab Mittwochnacht (11. Juni) auf X an, man habe um 17.15 Uhr ET (US-Ostküstenzeit) Angriffe gegen „mehrere Ziele“ im Iran gestartet. Bereits am Dienstag hatten die USA Angriffe auf den Iran gestartet, nachdem der Iran laut Trumps Angaben einen Helikopter der US-Armee abgeschossen haben soll.
Wie BBC berichtet, hat die Iranische Revolutionsgarde mit Angriffen auf US-Basen in der Region reagiert. Laut Reuters sagte ein US‑Beamter, fast alle iranischen Drohnen und Raketen seien abgefangen worden und es habe keine Opfer gegeben. Am Mittwoch schrieb Trump auf Truth Social, der Iran habe „zu lange gebraucht, um ein Abkommen auszuhandeln“, und „jetzt müssen sie den Preis dafür zahlen!!!“
Auch Verteidigungsminister Pete Hegseth betonte laut einer Erklärung seines Ministeriums zum potenziellen Friedensangebot: „Der Iran täte gut daran, das Angebot anzunehmen. Andernfalls müsste er sich mit der Art von Plänen auseinandersetzen, die ich gerade im Central Command einsehen konnte.“ Währenddessen warnte der iranische Botschafter vor dem UN-Sicherheitsrat, Amir Saeid Iravani, wie PBS News berichtet: „Der Iran hat noch nie unter Drohungen und Druck verhandelt.“
Schrumpfendes US-Waffenlager könnte auch in Europa Auswirkungen haben
Eine erneute Eskalation im Iran-Krieg könnte den Rückzug des US-Militärs in Europa noch verstärken. EuroNews zitierte Andrius Kubilius, EU-Kommissar für Verteidigung, der mit Kosten von 500 Milliarden Euro rechnete, damit die EU den Rückzug von militärischen US-Ressourcen ausgleichen könne. Die Angaben beruhen auf einer Schätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Auch in Asien könnte der US-Fokus auf die Golfregion Auswirkungen haben. (Quellen: NBC News, BBC, Washington Post, EuroNews, eigene Recherche) (lismah)



