Iran-Krieg: Milliardengewinne für Konzerne

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Stand: 26.06.2026, 20:26 Uhr

Von: Bedrettin Bölükbasi

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Der Krieg gegen den Iran hat Milliarden verschoben: Während einige Branchen Rekordgewinne erzielen, leiden Verbraucher und ganze Volkswirtschaften.

Teheran/Washington, D.C. – Fast vier Monate nach den ersten Angriffen der USA und Israels auf den Iran laufen Gespräche zwischen den Mullahs und der Regierung von US-Präsident Donald Trump über eine mögliche dauerhafte Waffenruhe und ein finales Abkommen zum iranischen Atomprogramm. Ein Erfolg könnte die angespannten Energiemärkte beruhigen und die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts abmildern. Doch während Verbraucher und zahlreiche Volkswirtschaften unter den Folgen des Krieges leiden, haben andere Milliarden verdient.

Iran-Krieg - Verhandlungen in der Schweiz

Der Iran und die USA verhandeln nun: Der Krieg hat großen Konzernen aber bereits Milliarden Profit gebracht. © Urs Flueeler/KEYSTONE/dpa

Iran-Krieg: Verlierer und Gewinner des Konflikts

Zu den größten Profiteuren zählen die Öl- und Gasunternehmen. Der Krieg und die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus – über die vor Beginn des Konflikts rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports abgewickelt wurde – ließen den Ölpreis zeitweise auf 126 Dollar je Barrel steigen, den höchsten Stand seit vier Jahren. Zwar fiel der Preis später wieder auf rund 72 Dollar zurück, viele Produzenten konnten in dieser Phase jedoch erhebliche Zusatzerlöse erzielen.

Besonders deutlich fiel der Gewinnanstieg bei Saudi Aramco aus. Das Unternehmen steigerte seinen Quartalsgewinn im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent auf 32,5 Milliarden Dollar. Möglich wurde dies unter anderem, weil Aramco seine Exporte über eine Pipeline zum Roten Meer fortsetzen und damit die Straße von Hormus umgehen konnte. Auch BP, Shell und TotalEnergies meldeten deutlich höhere Gewinne als im Vorjahreszeitraum. Europäische Energiekonzerne profitierten zudem von den starken Preisschwankungen auf den Märkten.

Neben den Energiekonzernen könnten auch einige Förderländer außerhalb der Golfregion profitieren. Analysten sehen vor allem Norwegen und Kanada im Vorteil, da viele Abnehmer nach alternativen Energiequellen suchen. Als möglicher Hauptgewinner gilt jedoch Russland. Nach den Berichten stiegen die russischen Rohöllieferungen nach Indien infolge gelockerter US-Vorgaben um 50 Prozent. Schätzungen zufolge könnte Moskau allein bis Ende März zusätzliche Einnahmen von bis zu fünf Milliarden Dollar erzielen und damit das erfolgreichste Jahr bei den Treibstofferlösen seit 2022 erreichen.

Iran-Krieg: Große Rüstungskonzerne feiern massiven Profit

Auch amerikanische Flüssiggasproduzenten wie Venture Global und Cheniere Energy könnten von der Suche nach alternativen Lieferanten profitieren. Analysten weisen allerdings darauf hin, dass dieser Effekt nachlassen dürfte, falls die Waffenruhe Bestand hat und sich die Energiemärkte weiter beruhigen.

Zu den Gewinnern gehören außerdem die großen Rüstungskonzerne. Bereits wenige Tage nach Beginn der Angriffe trafen sich die Spitzen von RTX, Lockheed Martin, Boeing, Northrop Grumman, BAE Systems, L3Harris und Honeywell im Weißen Haus, um eine Ausweitung der Waffenproduktion zu beraten. Hintergrund waren schwindende Munitionsbestände der USA sowie steigende Bestellungen aus zahlreichen Staaten. Mehrere Unternehmen erhöhten daraufhin ihre Umsatzprognosen oder bestätigten ihre Jahresziele. Northrop Grumman meldete einen Rekordauftragsbestand von 95,6 Milliarden Dollar, auch BAE Systems erwartet angesichts weltweit steigender Verteidigungsausgaben kräftiges Wachstum.

Profitiert haben auch die Schifffahrts- und Versicherungsbranche. Wegen der Störungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus stiegen die Frachtraten für Öltanker auf ein Vielfaches des Vorkriegsniveaus. Tankerbetreiber wie Frontline und DHT Holdings erzielten dadurch deutlich höhere Einnahmen. Gleichzeitig vervielfachten sich die Prämien für Kriegsrisikoversicherungen im Persischen Golf.

Iran-Krieg: Hohe Gewinne an Finanzmärkten dank Trumps Angriffen auf Teheran

Auch an den Finanzmärkten sorgte der Krieg für hohe Gewinne. Die starken Schwankungen bei Ölpreisen, Währungen und Anleihen führten zu einem deutlichen Anstieg des Handelsvolumens. Die sechs größten US-Investmentbanken – JPMorgan Chase, Bank of America, Citigroup, Morgan Stanley, Goldman Sachs und Wells Fargo – erzielten im ersten Quartal 2026 zusammen Gewinne von knapp 48 Milliarden Dollar. Besonders stark entwickelte sich das Handelsgeschäft mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen.

Selbst Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien profitierten indirekt von dem Konflikt. Der Krieg habe das Interesse an einer geringeren Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verstärkt. Unternehmen wie NextEra Energy sowie die dänischen Windkraftkonzerne Vestas und Orsted meldeten steigende Gewinne. In Großbritannien zog nach Angaben von Octopus Energy zudem die Nachfrage nach Solaranlagen und Wärmepumpen deutlich an.

Den Milliardengewinnen einzelner Branchen stehen erhebliche Belastungen für Verbraucher, Unternehmen und Volkswirtschaften gegenüber. Der Krieg ließ Energiepreise zeitweise stark steigen und verteuerte Kraftstoffe, Heizkosten sowie den Transport von Waren. Damit erhöhte sich auch der Inflationsdruck in vielen Ländern.

Besonders Europa, Großbritannien und die USA gelten nicht unbedingt als Gewinner des Konflikts. Zwar könnten amerikanische Ölproduzenten Berichten zufolge bei dauerhaft hohen Preisen zusätzliche Einnahmen erzielen, insgesamt belasten die höheren Energiekosten jedoch Verbraucher und Wirtschaft. ExxonMobil und Chevron litten zudem unter Produktionsausfällen im Nahen Osten, nachdem Anlagen in Katar von den Kämpfen betroffen waren. Experten von Oxford Economics warnen, dass dauerhaft hohe Ölpreise das Wirtschaftswachstum bremsen könnten.

Iran-Krieg: Konflikt trifft Versorgung und Energiesicherheit von asiatischen Ländern

Besonders stark betroffen sind zahlreiche asiatische Staaten, die einen Großteil ihres Erdöls aus dem Nahen Osten beziehen. In Südkorea wachsen die Sorgen um die Versorgung der wichtigen Halbleiterindustrie. In Sri Lanka, Bangladesch und den Philippinen führten die steigenden Energiepreise und Versorgungsprobleme bereits zu Kraftstoffrationierungen, verkürzten Arbeitswochen und Schulschließungen. China und Indien gelten dagegen als vergleichsweise gut vorbereitet, da beide Länder über größere Reserven verfügen beziehungsweise zusätzliche Lieferungen aus Iran und Russland beziehen.

Für Schlagzeilen sorgten schließlich auch auffällige Geschäfte auf den Prognoseplattformen Polymarket und Kalshi. Kurz vor politischen Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump zu einer Feuerpause oder einem Waffenstillstand wurden dort ungewöhnlich hohe Wetten auf entsprechende Entwicklungen platziert. Eine Analyse der Yale University kommt zu dem Ergebnis, dass verdächtige Konten bei mehr als 200.000 untersuchten Fällen eine außergewöhnlich hohe Trefferquote erzielten. Den Forschern zufolge ist ein solches Ergebnis statistisch kaum ohne Vorwissen zu erklären. Der geschätzte Gewinn dieser Geschäfte beläuft sich auf rund 143 Millionen Dollar. (Quellen: Al Jazeera, BBC, Reuters, eigene Recherche) (bb)

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