Iran-Krieg drückt globalen CO2-Ausstoß

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Stand: 15.10.2026, 14:07 Uhr

Von: Joachim Wille

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 Amirhosein Khorgooi/ISNA via AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Frachtschiff in der Straße von Hormus, die vom Iran-Krieg beeinträchtigt ist. © Amirhosein Khorgooi/dpa

Der globale CO₂-Ausstoß dürfte 2026 sinken, weil der Iran-Krieg den Preis von Öl und Gas erhöht und Erneuerbare strategisch und wirtschaftlich attraktiv macht.

Die Straße von Hormus bleibt ein gefährliches Nadelöhr für fossile Energieträger und damit für die Weltwirtschaft. Seit Beginn des Krieges der USA gegen den Iran Ende Februar ist der Schiffsverkehr am Persischen Golf massiv gestört. Der Preis für ein Barrel Rohöl der Nordseesorte Brent lag Mitte der Woche bei 105 Dollar. Die Internationale Energieagentur IEA warnt vor einer Dieselknappheit bis 2027.

Die Krise verteuert Treibstoffe und belastet besonders Länder, die Öl und Gas importieren. Doch sie könnte auch die Energiewende beschleunigen. Denn je teurer und unsicherer fossile Energieträger werden, desto attraktiver sind Alternativen: Solar- und Windkraft, Elektroautos und elektrische Heizsysteme. Allerdings greifen auch manche Länder verstärkt auf Kohle zurück, die noch klimaschädlicher ist.

Laut einer Analyse des britischen Fachportals „Carbon Brief“ dürften die weltweiten CO₂-Emissionen aus fossilen Energieträgern jedoch 2026 um rund 0,5 Prozent sinken. Das wäre eine bemerkenswerte Trendwende. Schließlich waren die Emissionen nach dem vorübergehenden Einbruch während der Corona-Pandemie wieder angestiegen und hatten neue Höchststände erreicht. Die Berechnung stützt sich auf Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) für den Verbrauch von Öl, Gas und Kohle.

Besonders stark hat sich der Markt für Erdöl verändert. Noch im Januar hatte die IEA für 2026 mit einem Anstieg des weltweiten Tagesverbrauchs um 930.000 Barrel gerechnet. Im September erwartete sie dagegen einen Rückgang um 2,5 Millionen Barrel oder 2,4 Prozent gegenüber 2025.

Beim Erdgas zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab. Anfang des Jahres ging die IEA noch von einem weltweiten Nachfragewachstum um zwei Prozent aus, im Juli prognostizierte sie einen Rückgang um 0,6 Prozent. Grund sind vor allem hohe Preise für verflüssigtes Erdgas (LNG). Lieferausfälle verschärfen den Wettbewerb zwischen Europa und Asien. Abnehmer versuchen, Gas einzusparen, und überprüfen den Neubau von Kraftwerken.

Der entscheidende Punkt in der „Carbon Brief“-Analyse: Obwohl mehr Kohle verbrannt wird, überwiegen die Emissionseinsparungen bei Öl und Gas. Wenn Betriebe wegen hoher Preise weniger produzieren und Menschen weniger Auto fahren, sinkt zwar der Energieverbrauch. Das ist aber kein struktureller Wandel zum Klimaschutz.

Dennoch könnte aus dem aktuellen Schock eine langfristige Veränderung entstehen. Denn die Krise stärkt Argumente, Energie möglichst im eigenen Land zu erzeugen, etwa durch Solar und Wind.

Besonders sichtbar wird der Umbau im Verkehrssektor. In großen Automärkten wie China, Europa und Australien erreichten Elektroautos zuletzt neue Marktanteilsrekorde. Auch in Schwellenländern wie Indonesien und Thailand nimmt die Nachfrage deutlich zu. Die norwegische Energieberatung DNV verwies jüngst darauf, dass sich die Elektroauto-Verkäufe in Märkten außerhalb Chinas, Europas und Nordamerikas im Juli gegenüber dem Vorjahresmonat nahezu verdoppelt haben.

Doch der Wandel verläuft keineswegs geradlinig. Einerseits geraten in mehreren asiatischen Staaten Pläne für Gaskraftwerke und LNG-Importterminals ins Stocken. Andererseits nutzen einige Länder Kohlekraftwerke länger, um die Stromversorgung zu stabilisieren.

Mehr Kohle wird verfeuert

Letzteres hat Folgen für die weltweite Kohlebilanz. Ursprünglich hatte die IEA für 2026 einen leichten Rückgang des Verbrauchs erwartet. Inzwischen prognostiziert sie ein Plus von 1,2 Prozent. Hohe Gaspreise begünstigen die Verstromung von Kohle, wo Kraftwerke vorhanden sind. Auch das Klimaphänomen El Niño im tropischen Pazifik, das regional den Strombedarf für Klimatisierung erhöht und die Wasserkraft beeinträchtigt, sowie die Abregelung erneuerbarer Energien in China mangels ausreichender Stromnetze spielen beim Kohleaufschwung eine Rolle.

Zudem verfolgen die USA, nach China globaler CO₂-Einheizer Nummer zwei, unter Donald Trump die „Drill, baby, drill“-Strategie. Die rechte Regierung baut die Öl- und Gasförderung weiter aus und will fossile Energieträger exportieren. Der Krieg am Golf eröffnet zusätzliche Absatzmöglichkeiten, etwa für per Fracking gewonnenes LNG. Während Importländer unter den hohen Preisen leiden, profitieren US-Produzenten.

Wie weit Trump den Klimaschutz zurückgedreht hat, dokumentiert eine neue Untersuchung des „Climate Action Tracker“ (CAT). Das Forschungsprojekt mit Sitz in Berlin bewertet die US-Politik als „kritisch unzureichend“. CAT-Experte Finn Hossfeld spricht vom umfassendsten Abbau klimapolitischer Schritte, den man bisher untersucht habe.

Beispielloser Klima-Kahlschlag durch Trump

Trump hat Regulierung von Treibhausgasen unterminiert und CO₂-Emissionsstandards für neue Fahrzeuge aufgehoben. Vorgaben für fossile Kraftwerke wurden gestrichen, alte Kohlekraftwerke sollen am Netz gehalten werden. Den steigenden Strombedarf der Rechenzentren für künstliche Intelligenz decken auch und vor allem neue Gaskraftwerke. Laut CAT gibt es davon in den USA mehr als in jedem anderen Land.

Hinzu kommt der Abbau finanzieller Anreize für saubere Technologien, die unter Trumps Vorgänger Joe Biden eingeführt wurden. Laut CAT könnte der jährliche Zubau erneuerbarer Energien um 80 Prozent unter früheren Prognosen liegen. Bei Elektroautos wird für 2030 ein um 40 bis 60 Prozent geringerer Anteil an den Neuwagenverkäufen erwartet.

Ob der weltweite CO₂-Ausstoß 2026 tatsächlich sinkt, bleibt derweil offen. Selbst ein Minus von einem halben Prozent wäre aber weit entfernt von dem, was zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad nötig ist. Die Energiekrise könnte dennoch einen Wendepunkt markieren, wenn Regierungen weltweit die Voraussetzungen dafür schaffen, dass erneuerbare Energien, Stromnetze und Elektrifizierung ihre Vorteile ausspielen können.

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