Y-Combinator-Gründer Paul Graham liest keine mit KI geschriebenen E-Mails. Immer mehr Gründer würden ihm in einem "knallharten journalistischen Stil" anschreiben, so Graham.
Sobald man merke, dass ein Text von KI stamme, sei es schwer, ihn nicht zu ignorieren. Graham geht noch weiter. Er habe noch nie eine E-Mail zu Ende gelesen, die von einem Menschen unterschrieben, aber von KI verfasst wurde. Es fühle sich an, als werde man belogen.
via XMan solle KI nutzen, aber auf die richtige Art, so Graham. KI-generierte Texte ließen ihn weniger vom Autor halten. Sie zeigten, dass jemand ohne Hilfe nicht gut schreiben könne oder sich das zumindest einrede, und dass er versuche, sein Gegenüber zu täuschen. Es sei nicht beeindruckend, KI für sich schreiben zu lassen. Das könne jeder Teenager.
Eine generelle Abneigung gegen KI hat Graham sicher nicht. Y Combinator gehörte unter anderem zu den frühen Investoren von OpenAI und steckt tief in KI-Investitionen. Warum also stört sich Graham so stark an einem offensichtlichen Anwendungsszenario? Er bemängelt schließlich nicht die Qualität des Inhalts, so weit kommt er offenbar gar nicht.
Schlechter KI-Einsatz kann zu Vertrauensverlust führen
Wahrscheinlich zeigen sich bei ihm zwei Phänomene, die auch in Studien untersucht wurden. Soziale Abwertung und Vertrauensverlust.
Eine Studie der Ohio State University mit 208 Teilnehmern zeigt, dass Empfänger KI-generierte Nachrichten negativer bewerten, weil der Absender die Arbeit an eine Maschine delegiert hat, statt sich selbst die Mühe zu machen.
Hauptautorin Bingjie Liu erklärt, der Einsatz von KI werde als Bequemlichkeit und Mangel an Aufrichtigkeit wahrgenommen. Empfänger fühlten sich in ihrer Beziehung zum Absender unsicherer und weniger zufrieden. Liu vermutet zudem, dass Menschen inzwischen einen unbewussten "Turing-Test im Kopf" durchführen, bei dem sie Nachrichten automatisch nach KI-Mustern scannen.
Genau das beschreibt auch Graham: Er erkennt den KI-Stil sofort, weil kein Gründer je so geschrieben hat. Fliegt die KI-Nutzung auf, kippt die Wahrnehmung vom Inhalt der Nachricht hin zur Frage, wie wenig sich der Absender für den Empfänger interessiert.
Forschende von BetterUp Labs haben in Zusammenarbeit mit dem Stanford Social Media Lab 1.150 US-Beschäftigte befragt. 40 Prozent erhalten demnach regelmäßig oberflächliche, aber substanzlose KI-Inhalte von Kollegen.
Das hat soziale Folgen: 53 Prozent der Befragten fühlen sich durch solche Inhalte genervt. Etwa die Hälfte bewertet Absender von Workslop als weniger kreativ, fähig und zuverlässig. 42 Prozent halten sie für weniger vertrauenswürdig. Ein Drittel will künftig weniger mit diesen Personen zusammenarbeiten.
Die Studienautoren von BetterUp Labs unterscheiden zwischen "Pilots", die KI gezielt und eigenverantwortlich einsetzen, und "Passengers", die sie primär zur Arbeitsvermeidung nutzen. Graham ordnet Gründer, die KI-E-Mails versenden, offenbar pauschal der zweiten Gruppe zu.
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