
Insta360 ist vor allem für seine Kameras bekannt. Wer denkt denn da an Konferenzlautsprecher? Doch mit der Insta360 Wave wagt man sich in ein völlig neues Territorium. Dabei handelt es sich um ein KI-gestütztes Speakerphone für Meetings, Content Creator und alle, die mehr aus ihrem Setup herausholen wollen. Ich habe das Gerät eine Weile in meinem Alltag gehabt und kann sagen, dass das ein nützliches Gadget sein kann.
Design und Verarbeitung

Die Insta360 Wave schaut nicht so aus wie ein normaler Konferenzlautsprecher. Das zylindrische Gehäuse aus schwarzem Kunststoff ist sauber verarbeitet und macht keinen billigen Eindruck. Es erinnert eher an ein futuristisches Designobjekt als an ein Büro-Gadget. Wenn ihr das Gerät einschaltet, hebt sich die Mittelsäule aus dem Sockel und gibt einen 1,82 Zoll großen Touchscreen frei. Das sieht beim ersten Mal schlicht beeindruckend aus und ich habe tatsächlich mehrere Leute damit überrascht, die das Gerät auf meinem Tisch gesehen haben.

Mit einem Gewicht von rund 490 Gramm und einem Durchmesser von 64,3 mm ist die Wave etwas schwerer als erwartet. Im aktivierten Zustand ist sie 248 mm hoch, zusammengeklappt sind es 198 mm. Im Lieferumfang steckt eine Tragetasche, was zeigt, dass Insta360 dieses Gerät nicht nur als Schreibtischgerät, sondern als mobiles Tool für unterwegs, im Meetingraum oder auch beim Lunch-Meeting sieht.
| Mikrofone & Reichweite | 8 MEMS-Mikrofone mit 5 Metern Spracherfassungsbereich |
| Audio-Features | Vollduplex-Audio, KI-gestützte Geräuschunterdrückung (ANS) & Echounterdrückung (AEC) |
| Akku & Laufzeit | 9.800 mAh Kapazität für bis zu 12 Stunden Sprechzeit |
| Bedienung | 1,82-Zoll-Touchscreen |
| Verbindungen | Bluetooth, USB, Dongle (unterstützt drahtlose Kaskade von bis zu 3 Geräten) |
| Gewicht & Maße | 490 g | Ø 64,3 mm | Länge: 198 mm (zusammengeklappt) bis 248 mm (ausgeklappt) |
| Kompatibilität | Windows, macOS, Android, iOS/iPadOS |
Einrichtung

Wer Insta360-Produkte kennt, erwartet eine sofortige Plug-and-Play-Erfahrung. Die Link 2 Webcam war in Minuten einsatzbereit, und das erwarte ich eigentlich auch von der Wave. Pustekuchen – zumindest beim ersten Mal. USB-Kabel rein, Mac gebootet, und… nichts passiert. Das Gerät startet, zeigt seinen schicken Begrüßungsbildschirm, aber wird vom Computer schlicht nicht erkannt.

Das Problem liegt in einem versteckten Einstellungsmenü: Auf dem Touchscreen muss man erst unter Einstellungen in den USB-Modus wechseln und dort den Dateiübertragungsmodus aktivieren. Danach klappt alles sofort. Man kann die Software auch direkt von der Insta360-Website herunterladen, dann entfällt das Problem komplett. Trotzdem könnte das etwas klarer in der Kurzanleitung beschrieben sein und ich bin mir sicher, dass das nicht nur mir passiert ist. Ein erster Eindruck, der also etwas holprig war.
Danach ist der Wave Controller installiert, und ab hier läuft alles rund.
Die Insta360 Wave im Alltag
Die Wave ist im Kern ein Speakerphone mit einem dedizierten KI-Chip an Bord. Und der macht den entscheidenden Unterschied zu einem normalen Konferenzlautsprecher. Für mich gibt es zwei hauptsächliche Einsatzszenarien, in denen die Wave glänzt:

Nummer eins sind Meetings und Videocalls. Einmal eingerichtet, kann ich einfach auf Aufnahme tippen und das Meeting aufzeichnen, dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein Teams-Call, ein Google-Meet-Gespräch oder ein Face-to-Face-Meeting im Raum handelt. Die Audioqualität ist dabei wirklich gut. Das Array aus 8 MEMS-Mikrofonen nimmt Stimmen aus bis zu 5 Metern Entfernung auf. Ich habe das mit mehreren Menschen im Haus ausprobiert und selbst aus gut drei Metern Entfernung war die Sprachklarheit beeindruckend gut und weit besser als alles, was mein MacBook-Pro-Mikrofon liefert (und die sind auch sehr gut). Auch wer während des Meetings aufsteht, an die Wand geht oder vor einem Whiteboard steht, klingt für die Gegenseite weiterhin klar und verständlich.

Nummer zwei ist die KI-Transkription und der Meeting-Assistent. Das ist das eigentliche Killer-Feature. Nach einem Meeting geht man in die Wave-Software, klickt auf „KI-Aufnahmen ansehen“, und bekommt eine vollständige Transkription inklusive Sprechermarkierungen. Man kann dann mit einem KI-Assistenten in den Notizen interagieren. Fragen wie „Was waren die Aufgaben, die der XXXX übernommen hat?“ werden direkt beantwortet, inklusive Zeitstempel. Das klingt nach Spielerei, aber im Arbeitsalltag ist das Gold wert. Gerade wer regelmäßig Meetings hat, in denen Action Points verteilt werden, wird das lieben.

Die Sprechertrennung funktioniert zuverlässig, auch bei mehreren Personen im Raum. Mit einem kleinen Training per Stimmabdruck wird die Erkennung nochmals präziser. Und die automatisch erstellten Zusammenfassungen? Die sind wesentlich besser als die von Copilot und auch besser als die von Granola. Wie immer bei Transkription und Meetingaufnahme: Vorher Bescheid sagen, ob das für alle im Raum in Ordnung ist.

Ein Feature, das man immer bei solchen Gadgets unterschätzt, sind die fünf Aufnahmemuster. Per Touchscreen oder Software kann man zwischen Omni (360°), Cardioid (Richtmikrofon, ideal für Videocalls), Supercardioid (starke Umgebungsgeräuschunterdrückung), Figure-of-Eight (für Interviews mit zwei Personen gegenüber) und Stereo wählen. Im Praxistest machen diese Modi einen spürbaren Unterschied, je nach Situation.
Für ein klassisches Online-Meeting reicht der Omni-Modus oder Cardioid. Wer ein Podcast-ähnliches Interview aufnimmt, greift zu Figure-of-Eight. In lauter Umgebung hilft Supercardioid. Nur für Musikaufnahmen oder Instrumente ist die Wave nicht gedacht, das sagen auch die Specs klar, und im Test bestätigt sich das. Der Lautsprecher und die Mikrofone sind klar auf Sprache optimiert. Zum gelegentlichen Musikhören taugt das aber auch.

Wer schon die Insta360 Link 2 Webcam besitzt (ich habe die ja ebenfalls getestet), kann beide Geräte zusammen nutzen. Das ist eine richtig gute Kombination. Die Wave liefert exzellentes Audio, die Link 2 das entsprechende scharfe Bild mit KI-Tracking. Als Gesamtlösung für professionelle Videocalls oder Streaming ist das Duo beeindruckend, aber natürlich auch preislich entsprechend.
32 GB interner Speicher für Aufnahmen sind insgesamt in dem Gerät. Das reicht für ein paar Stunden, von den 32 sind aber per se schon 10 GB geblockt. Per USB-C lässt sich der Speicher danach auf den Rechner ziehen oder direkt in der Wave-Cloud-App archivieren.

Der verbaute 9.800-mAh-Akku verspricht laut Insta360 bis zu 12 Stunden kabelloser Nutzung per Bluetooth. Das habe ich so nicht ausgereizt, aber die Akkuausdauer reicht locker über einen kompletten Arbeitstag voller Meetings. Verbunden werden kann das Ding übrigens nicht nur über USB-C, sondern auch über Dongle oder Bluetooth.
Das Abo-Modell
Wer die KI-Features nutzen will, braucht einen Account bei Insta360. 300 Minuten KI-Transkription gibt es im kostenlosen Basis-Plan pro Monat, das reicht für Gelegenheitsnutzer gut. Wer die Wave aber täglich im Büro einsetzt, wird feststellen, dass diese 300 Minuten schnell weg sind. Der Pro-Plan kostet 9,50 Euro pro Monat (jährlich) und liefert zusätzliche 900 Minuten, erweiterte KI-Zusammenfassungsvorlagen, Sprecher-KI-Erkennung und mehr.

Das Abo-Modell ist kein Ausschlusskriterium, aber man sollte es einkalkulieren. Wer die Wave für gelegentliche Meetings kauft, kommt mit dem Free-Tier prima durch. Ist auch wichtig zu wissen, dass hier keine lokale Verarbeitung möglich ist. Alles wird in die Cloud zu Insta360 geschubst. Dem muss man sich bewusst sein.
Fazit
Die Insta360 Wave ist ein Gerät, was nicht jeder braucht und bei dem erst der Einsatz zeigt, dass es sehr nützlich sein kann. Die Kombination aus sehr guter Mikrofon-Hardware, den flexiblen Aufnahmemodi und der echten KI-Transkription macht aus einem Speakerphone ein gutes Werkzeug.
Die stolperige Ersteinrichtung per USB und das Abo-Modell sind kleine Wermutstropfen, die aber nicht wirklich schwer wiegen, sobald man im Betrieb ist. Der Preis von rund 299 Euro ist happig für ein Einzelgerät, aber wer regelmäßig Meetings hat, in denen es auf gute Audioqualität und nachvollziehbare Protokolle ankommt, wird schnell merken, dass es ein guter Invest ist.
Für wen lohnt sich die Wave also? Für alle, die regelmäßig Meetings aufzeichnen, Protokolle erstellen oder Audioinhalte produzieren. Freelancer, kleine Teams, Content Creator, Podcaster und alle, die Wert auf gute Audio-Qualität legen. Das Teil ist nix für alle, die Musik aufnehmen wollen oder Gelegenheits-Meeting-Teilnehmer.
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4 weeks ago
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