Innovation for all: Die IFA 2026 im Zeichen von KI und Robotik

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Braucht es die IFA noch? Dieser Frage stellten sich IFA-CEO Leif Erik Lindner und die gfu-Geschäftsführerin Carine Chardon auf der Eröffnungskonferenz der diesjährigen Elektronikmesse in Berlin. Die IFA verbinde Innovationen mit Relevanz, betonte Carine Chardon. Angesichts der enorm schnellen technischen Entwicklung sei es auch Aufgabe der Messe, die Menschen mit den Neuerungen vertraut zu machen.

Die Evolution von KI und Robotics werde keine Dekaden mehr dauern, sondern wenige Jahre, erklärte Leif Erik Lindner. Die Entwicklung dabei schreite nicht mehr linear, sondern exponentiell voran. Er berief sich dabei auch auf den Nobelpreisträger und Entwickler von Google DeepMind, Demis Hassabis. Der schätzt die Auswirkung durch KI um zehn Mal größer und schneller ein als die der Industriellen Revolution, hat allerdings noch Zweifel an allgemeiner Künstlicher Intelligenz, sogenannter Artificial General Intelligence (AGI).

Künstliche Intelligenz agiere zunehmend in der realen Welt, auch weil die Hardware immer kompakter wird. Lokale KI bringe die Intelligenz in alle Objekte und mache sie damit überall verfügbar, erklärte Lindner. Doch das enorme Tempo verunsichere viele Menschen, selbst an Universitäten würden Fortschritte in der KI von Misstrauen begleitet, sagte der IFA-Chef. Deshalb müsse der Zugang zur Technik demokratisiert werden. Vertrauen könne man nicht herunterladen, es entstehe durch Erfahrung, Begegnung und Austausch. Genau das passiere auf der IFA. Das Kürzel IFA – vormals die „Internationale Funkausstellung“ – steht heute für „Innovation for all“.

Einen genaueren Blick auf den Markt warf die gfu-Vorsitzende Chardon. Sie räumte ein, dass die globale Speicherkrise, Währungsunsicherheiten in den USA, der Konflikt im Nahen Osten und der vermehrte Eintritt chinesischer Unternehmen in den Technikbereich samt den damit verbundenen Veränderungen den Markt für Unternehmen und Verbraucher verkompliziert hätten.

Dennoch konnten die technischen Güter seit 2021 global um 16 Prozent zulegen – was aber auch an der Abwertung des US-Dollars gelegen habe. Inflationsbereinigt liegt das Wachstum noch bei 2,4 Prozent. Einige Konsumgüter konnten hierzulande im ersten Halbjahr 2026 kräftig zulegen, darunter Saugroboter (+18%), sehr große TVs (+14 %), Espressomaschinen (+21 %) und auch KI-PCs (+18%).

Global konnte die Techindustrie zulegen, die Märkte wuchsen aber sehr untreschiedlich stark.

Bemerkenswerte Zuwächse verzeichneten die Märkte im Mittleren Osten und Afrika (+15%) sowie die asiatischen Schwellenländer (+12%). Westeuropa konnte immerhin ein Wachstum von zwei Prozent verzeichnen, Osteuropa ein Plus von einem Prozent. In China machte sich dagegen der schwächelnde inländische Markt mit einem Minus von 5 Prozent bemerkbar.

Chardon hob drei Bereiche mit Wachstumspotenzial hervor: KI, Robotics und Wearables, also smarte Uhren, Brillen und Ringe. Zwar seien Verbraucher bereit, in Technik zu investieren, aber in erster Linie gelte der Preis beziehungsweise das Preis-Leistungsverhältnis als wichtigstes Entscheidungskriterium, erklärte die gfu-Chefin auf Nachfrage.

Als Megatrends machte die gfu-Geschäftsführerin Carine Chardon KI, Robotics und Wearables aus.

Die Frage nach dem potenziellen Flop, den man in einigen Jahren in der Rückschau zur IFA 2026 ausmachen werde, beantworteten Lindner und Chardon zurückhaltend. Die gfu-Vorsitzende nannte smarte Brillen als möglichen Kandidaten, machte deren Scheitern aber wesentlich von der kommenden Regulierung abhängig. Lindner beklagte die sehr komplexe und bürokratische EU-Gesetzgebung. Darüber werde in der Industrie viel gesprochen, so auch beim anstehenden Besuch von Karsten Wildberger, dem Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung am Freitag auf der IFA.

Das sei beispielsweise in China komplett anders. Dort habe ihn das enorme Tempo beeindruckt, in dem Ideen zur Marktreife gebracht werden. Hier verwies Lindner besonders auf die Entwicklung der Robotertechnik und speziell die humanoiden Roboter. Das gelte aber ebenso für den TV-Bereich (in dem kennt sich Lindner als früherer Samsung-Manager gut aus) oder für die Automobilbranche.

Auf Nachfrage von c’t erklärte der IFA-CEO, die chinesischen Firmen hätten längst aufgeschlossen und sich in einigen Bereichen sogar in die Topliga vorgearbeitet. Es fehle teilweise zwar noch Feinschliff an der Software, die grundlegende Technik könne aber mit europäischen und amerikanischen Marken mithalten.

Auf der IFA können Besucher selbst erleben, wie weit humanoide Roboter technisch inzwischen gereift sind. Abgesehen von diversen Ständen mit Robotern kann man am Samstag um 12:45 Uhr im Palais an Halle 19 auf der Creator Stage „Robots on the Runway“ die Humanoiden auf dem Laufsteg und Entertainment-Roboter mit halsbrecherischen Bewegungs- und Tanzeinlagen erleben.

Bei solchen Akrobatikeinlagen handelt es sich allerdings um antrainierte Bewegungen und nicht um echte Interaktion. Anspruchsvoller sind da schon die autonomen Roboter, die vom 4. bis 8. September beim RoboCup auf dem Fußballfeld in Halle 15 gegeneinander antreten.

Keine Tanzeinlagen, sondern spannenden Talks gibt es am Wochenende bei den Podcast Days der IFA. Mit dabei ist unter anderem am Freitag im City Cube der Business-Podcast „Fast & Curious“, am Samstag spricht Andreas Fröhlich alias Bob Andrews von den „Die Drei ?“ an gleicher Stelle im Podcast „Plastik im Ohr“ über die Hörspielproduktion zwischen Tonband und KI. Am Sonntag geben sich ab 15:30 Uhr „Wine Wednesday“ und „Mord auf Ex“ im Sommergarten die Ehre.

Auch c’t und heise online sind mit drei Podcasts vertreten. Im prämierten heise-Podcast „KI-Update“ erkundet am Sonntag um 15 Uhr Podcast-Host Isabel Grünwald von heise online mit c’t-Redakteurin Sabrina Pasch die künstliche Intelligenz in der Popkultur.

Weiter gehts am Sonntag um 16 Uhr im Creators Hub im Palais an Halle 19 mit einer Live-Aufzeichnung des „Bit-Rauschen“, dem Prozessor-Podcast von c’t. Podcast-Host Christof Windeck spricht mit seiner Kollegin Ulrike Kuhlmann über Technik in Displays und die Trends in der Unterhaltungsindustrie.

In der Live-Aufzeichnung der „heiseshow“ am Montag, den 7.9. um 17 Uhr auf der Dream Stage in Halle 25 widmen sich schließlich das Nerd-Trio Anna Bicker, Malte Kirchner und Volker Zota den wichtigsten Neuheiten der IFA. Zusammen mit c’t-Redakteur Steffen Herget ordnet das Team ein, was auf der Messe wirklich zählt und welche Trends und Produkte den Technikherbst prägen werden.

(uk)

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