Bei IFTTT brennt gerade gewaltig der Baum (und den Entscheidern offenbar der Helm). Wer den Automatisierungsdienst seit Jahren nutzt, reibt sich aktuell verwundert die Augen oder kündigt gleich genervt sein Abo. Der Anbieter hat sein Abrechnungsmodell radikal umgekrempelt und setzt ab sofort auf ein Credit-System.
Was auf dem Papier als Öffnung aller Funktionen für jeden Tarif verkauft wird, entpuppt sich in der Praxis für viele treue Kunden als bittere Kostenfalle. Vorher hatte man noch versprochen, dass sich aktuelle Abonnenten keine Sorgen machen müssen. Ganz ehrlich? Das wirkt aktuell noch schlimmer wie nach der Evernote-Übernahme durch Bending Spoons - und das war schon krass. Aber hey, Hauptsache, IFTTT verkauft sich jetzt als KI-Dienst.
Jeder Schritt frisst jetzt Punkte
Vorbei sind die Zeiten, in denen man innerhalb seines Tarifs einfach Automatisierungen laufen lassen konnte. Künftig kostet jede erfolgreiche Ausführung Punkte, und zwar sowohl der Auslöser als auch die eigentliche Aktion. Wer nur ein paar Applets für Social Media oder Benachrichtigungen nutzt, erlebt sein blaues Wunder.
Greift man beispielsweise einen RSS-Feed ab, werden schon für den Trigger 30 Credits fällig. Geht die Meldung anschließend zu X raus, zieht IFTTT dafür stramme 100 Credits von der Uhr ab. Macht zusammen 130 Credits für einen einzigen Post. Bei Telegram fallen für die Aktion 25 Credits an (insgesamt 55 Credits), bei Reddit sind es ebenfalls 55 Credits, bei Threads und Bluesky 60 Credits und bei Facebook 70 Credits. Bedeutet bei unserer Schlagzahl eben: Das Budget ist in nullkommanix verbrannt.
Smart Home und Social Media im Schnelllauf verbrannt
Was das für Vielnutzer bedeutet, liegt auf der Hand. Wer neue Blogbeiträge über mehrere Netzwerke teilt, schaut zu, wie das Guthaben im Minutentakt schmilzt. Ja ich weiß, ihr lacht. Wer bloggt denn noch? Aber es betrifft halt wirklich alle Bereiche von IFTT. Absurder wird es im Smart Home.
Ein banales Beispiel: Ein Ring-Bewegungssensor schlägt an und soll über IFTTT ein smartes Licht in der Einfahrt einschalten. 25 Credits für die Bewegung, 25 Credits für das Anschalten des Lichts. Jedes Mal, wenn jemand durchs Bild läuft, sind 50 Credits weg.
Im kostenlosen Free-Plan gibt es gerade einmal 1.000 Credits im Monat. Damit hält so eine harmlose Routine nicht einmal einen Tag durch. Der neue Starter-Tarif kostet 2,99 Dollar im Monat und liefert 5.000 Credits. Im Pro-Plan für 7,99 Dollar monatlich sind 20.000 Credits enthalten, und das Flaggschiff Pro+ schlägt mit satten 19,99 Dollar im Monat für 100.000 Credits zu Buche. Verfallen nicht genutzte Punkte am Monatsende? Ja, ein Übertrag in den Folgemonat existiert nicht. Sind die Punkte vorzeitig aufgebraucht, pausiert IFTTT sämtliche Applets einfach bis zum nächsten Abrechnungszyklus.
Genervtsein im Netz und Flucht zu Alternativen
Entsprechend geladen sind die Reaktionen der Community auf Reddit und Co. Zahlende Pro- und Pro+-Abonnenten, denen zuvor suggeriert worden war, für Bestandskunden ändere sich im Grunde nichts, melden reihenweise: Die Credits schmelzen dahin.
Viele Kunden fühlen sich schlichtweg über den Tisch gezogen und kehren dem Dienst nun endgültig den Rücken zu. Wer seine Automatisierungen retten will, schaut sich nach anderen Wegen um. Für Schnittstellen und Workflows stehen Dienste wie Make, Zapier oder das selbst gehostete n8n parat, während Smart-Home-Bastler ohnehin besser damit fahren, Verknüpfungen direkt lokal über Plattformen wie Home Assistant abzuwickeln, anstatt jeden Tastendruck in einer teuren Cloud-Punkteuhr ticken zu lassen.
Wie sieht es bei euch aus: Seid ihr bei IFTTT noch an Bord oder habt ihr schon die Reißleine gezogen? Ich muss mal schauen, was ich nun mache. Bin quasi seit Anbeginn aller Zeiten dabei, aber das ist schon ein Ding. Ich jammere dabei nicht mal um meinen konkreten, nischigen Social-Media-Kram, sondern habe da echt zahlende Kunden im Auge, die jetzt ihre Smart-Home-Automationen oder anderes Gedöns umziehen müssen. Ich wünsche Diensten eigentlich immer, dass sie Geld verdienen, stabil laufen und so - und ich kann auch verstehen, wenn man 0-Euro-Schnorrer raushaben will. IFTTTs aktuelles Vorgehen raffe ich aber nicht. Und ja, in Zeiten wie diesen werden die das vermutlich derbe zu spüren bekommen. Zurecht.
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6 days ago
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