Stand: 24.08.2026, 08:54 Uhr
Von: Felix Busjaeger
US-Finanzminister Bessent will heute die härtesten Sanktionen der Geschichte gegen den Iran vorstellen. Er macht deutlich, was Trump nun erreichen will.
Washington, DC – US-Finanzminister Scott Bessent hat am Montag angekündigt, auf einer Pressekonferenz in Washington die nach eigenen Worten „härtesten Sanktionen der Geschichte“ gegen den Iran vorzustellen. „Im Morgengrauen beginnt ein wirtschaftlicher ‚D-Day‘ – die größte finanzielle Offensive, die jemals gegen einen Gegner mobilisiert wurde“, schrieb Bessent auf der Plattform X. Trumps Ziel sei es, „jede wirtschaftliche Lebensader zu durchtrennen, die das tyrannische Regime am Leben erhält, bis Teheran auf sich allein gestellt ist“, erklärte der Minister. Die USA sehen sich dabei in der „Endphase“ des seit rund sechs Monaten andauernden Konflikts.

Bessent erklärte mit Blick auf den aktuellen Iran-Krieg, US-Präsident Donald Trump habe die militärischen Fähigkeiten Teherans „zerschlagen“ und nahezu 100 Prozent der Militärfabriken sowie das Atomprogramm des Landes vernichtet. Parallel dazu blockieren die USA iranische Häfen, um dem Land Einnahmen aus Ölexporten zu verwehren. Kurz vor Trumps Ankündigung hatten die Vereinigten Arabischen Emirate erklärt, alle Handels- und Finanztransaktionen mit dem Iran auszusetzen. Dies ist ein schwerer Schlag, da Dubai seit Jahren als wichtiger Umschlagplatz für iranische Geschäfte gilt.
USA drohen Iran im Krieg mit Sanktionen: Teheran kontert mit Gegenwarnung
Teheran reagierte auf die aktuellen Entwicklungen im Iran-Krieg mit scharfen Gegenwarnungen. Der Chef des nationalen Sicherheitsrats, Mohsen Resai, drohte Ländern „auf der ganzen Welt“ und insbesondere den Golfstaaten, die sich dem US-Druck anschließen, mit der Einstufung als „Feind“. Sollten sich Nachbarstaaten am Persischen Golf beteiligen, werde der Iran Öllieferungen nicht nur durch die Straße von Hormus, sondern auch über andere Routen blockieren: „Nicht ein Tropfen Öl werde den Persischen Golf passieren“, sagte Resai im Staatsfernsehen. Auch die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz im Jemen drohte damit, den Transit durch die Meerenge Bab al-Mandab am Eingang zum Roten Meer zu blockieren.
Der Iran blockiert bereits weitestgehend den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, eine Schlüsselmeerenge für Öl-, Gas- und Düngerexporte aus dem Persischen Golf. Teheran verlangt, dass Schiffe ausschließlich eine vom Iran festgelegte Route entlang der eigenen Küste nehmen; bei Verstößen droht die zuständige Behörde mit der Konfiszierung von Schiffen. Vor dem Krieg passierte rund ein Viertel des weltweit verschifften Öls die Meerenge. Der Preis für die Öl-Referenzsorte Brent liegt inzwischen bei rund 94 Dollar pro Barrel – etwa 20 Dollar mehr als vor dem Krieg. Der ADAC warnte laut ZDF, 2026 könne „das bislang teuerste Tankjahr überhaupt werden“.
Der Preis für die Öl-Referenzsorte Brent lag zuletzt bei etwa 94 Dollar pro Barrel, etwa 20 Dollar mehr als vor dem aktuellen Iran-Krieg. Thomas Puls, Ökonom am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, verweist dabei laut ZDF auf einen entscheidenden Engpass: „Da es weltweit nicht nur an Öl, sondern noch mehr an verfügbarer Raffineriekapazität fehlt, bietet sich eher ein Blick auf die Börsenpreise von Diesel und Benzin an.“
US-Sanktionen gegen den Iran: Teheran wittert Trumps „Verzweiflung“
Der Außenminister des Iran, Abbas Araghtschi, wies die US-Drohungen als Zeichen der „Verzweiflung“ zurück. „Alle ihre Aktionen – ob Blockaden oder andere militärische Schritte – sind gescheitert, und auch diese neue Sache von ihnen wird scheitern“, sagte er in einem auf Telegram veröffentlichten Video. Präsident Massud Peseschkian räumte dagegen offen „erhebliche Ungleichgewichte“ in der Versorgung mit Wasser, Strom, Gas und Benzin ein und sprach von einer „Pattsituation“. Das Land könne derzeit keine Investitionen anziehen: „Kapital und Geld reagieren äußerst empfindlich auf Risiken“, sagte er.
Teheran betrachtet die Maßnahmen Washingtons dabei nicht als bloßen wirtschaftlichen Druck. Mohsen Farkhani, ein auf internationale Beziehungen spezialisierter Forscher in Teheran, sagte gegenüber Al Jazeera: „Diese Sanktionen sind an sich schon ein Krieg, und die gegen Iran verhängte Blockade ist ebenfalls Teil dieses Krieges.“ China und die Türkei würden ihre Beziehungen zum Iran dennoch nicht abbrechen, zeigte sich Farkhani überzeugt – unabhängig vom US-Druck.
Experte Mahdi Ghodsi vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsstudien warnte vor einer weiteren Eskalation, sollte ein wichtiger Handelspartner wie die Türkei dem Beispiel der VAE folgen. „Und für den Iran wird es schlimmer sein als für die regionale oder globale Wirtschaft“, sagte er gegenüber der New York Times. Hinter den Kulissen bemühen sich Vermittler um eine Lösung: Der pakistanische Armeechef Asim Munir reist zu Gesprächen nach Teheran, auch der omanische Außenminister Badr Albusaidi ist für Gespräche über die Straße von Hormus angekündigt. Wann oder ob eine Einigung erzielt wird, bleibt völlig unklar. (Quellen: dpa, New York Times, Al Jazeera, ZDF) (fbu)



