Große KI-Modelle verlieren bei Milliarden Sicherheitsereignissen den Faden – Orion-1 soll es besser machen

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Allgemeine KI-Modelle blockieren Sicherheitsteams immer häufiger, weil dieselben Fähigkeiten auch Angreifern helfen. Artemis Security will diese Lücke mit einem Spezialmodell füllen.

Das US-Start-up Artemis Security hat mit Orion-1 ein Modell vorgestellt, das Angriffe auf Unternehmensnetze selbstständig untersucht und abwehrt und im eigenen Benchmark vor Claude Opus 5.5 und GPT-6 Sol liegen soll. Orion-1 wertet Protokolldaten aus Anmeldediensten, Cloud-Umgebungen, Firmenrechnern, Online-Software und dem Netzwerk aus. Dabei verknüpft das Modell einzelne Spuren, etwa eine Anmeldung bei einem Firmenkonto, zusätzliche Zugriffsrechte in der Cloud und eine neu angelegte Regel im E-Mail-Postfach, zum Angriff eines einzelnen Akteurs. Anschließend legt sich das Modell mit einem Konfidenzwert auf ein Ergebnis fest und empfiehlt oder startet eine Gegenmaßnahme.

Allgemeine Modelle verlieren laut Artemis bei Milliarden von Ereignissen den Faden oder stufen harmlose, aber ungewöhnliche Aktivitäten als Angriff ein. Artemis hat Orion-1 deshalb mit Aufgaben aus dem eigenen Sicherheitsbetrieb nachtrainiert, etwa verdächtige Vorgänge in Logdaten aufzuspüren, gezielt nach bekannten Angriffsmustern zu suchen, neue Erkennungsregeln zu schreiben und laufende Angriffe einzudämmen. Kundendaten flossen nach Unternehmensangaben nicht ins Training ein. Artemis bezeichnet Orion-1 als Frontier Foundation Model, beschreibt im Blogpost aber nur dieses Nachtraining. Unklar ist damit, ob das Unternehmen ein bestehendes Modell eines anderen Anbieters als Grundlage verwendet hat.

Artemis misst Vertrauen in Sicherheitsentscheidungen mit eigenem Benchmark

Artemis hat für den Vergleich den Benchmark "Decision-Grade Readiness" (DGR) selbst entwickelt. Bisherige Sicherheitstests fragen vor allem Wissen über Angriffstechniken ab oder lassen Modelle Hacking-Rätsel lösen. Bei DGR bekommt jedes Modell dieselbe Ausgangsmeldung, dieselben Daten aus der Umgebung und dieselben Werkzeuge wie ein Sicherheitsteam und muss entscheiden, ob ein Angriff vorliegt. Die Tausenden Aufgaben haben einen bekannten Ausgang, einige enthalten keinen Angriff oder harmlose Daten, die bösartig wirken. Bewertet werden das Ergebnis und die vorgelegten Belege.

Liniendiagramm mit den Werten von Orion-1, Claude Opus 5.5, GPT-6 Sol, Grok 4.7 und Kimi K3 in fünf Sicherheitsaufgaben, eine gestrichelte Linie bei 80 Punkten markiert die von Artemis gesetzte Vertrauensschwelle.Nur Orion-1 liegt laut Artemis in allen fünf Aufgaben auf oder über der selbst definierten Schwelle von 80 Punkten.

Artemis veröffentlicht Ergebnisse für fünf Aufgaben und testete neben Opus 5.5 und GPT-6 Sol auch Grok 4.7 und Kimi K3. Den größten Vorsprung meldet das Unternehmen bei der Rekonstruktion von Angriffen mit 80,8 zu 58,3 Punkten.

Balkendiagramme mit den Einzelwerten aller getesteten Modelle für Erkennung, Untersuchung und Rekonstruktion von Angriffen, Claude Opus 5.5 liegt bei Erkennung und Rekonstruktion jeweils auf dem letzten Platz.Bei der Rekonstruktion von Angriffen erreicht Orion-1 80,8 Punkte, GPT-6 Sol als bestes Vergleichsmodell 58,3.

Frontier-Modelle werden für Sicherheitsteams schwerer nutzbar

Allgemeine Frontier-Modelle werden für Sicherheitsteams schwerer nutzbar, weil die Anbieter ihre Cyberfähigkeiten einschränken. OpenAI hält bei Astra erstmals die höchste Cybersecurity-Risikostufe für möglich, auf der ein Modell eigenständig Cyberangriffe entwickeln und ausführen könnte. Claude Opus 5.5 leitet die meisten Cybersecurity-Aufgaben an das ältere Opus 4.8 weiter. Hugging Face wollte im Juli einen autonomen KI-Angriff auf die eigene Infrastruktur mit kommerziellen Frontier-Modellen auswerten, deren Guardrails blockierten jedoch die Analyse der Angriffsdaten. Das Team wich auf das Open-Weight-Modell GLM 5.2 auf eigenen Servern aus.

Für die Abwehr setzen die Anbieter auf Spezialmodelle mit beschränktem Zugang. OpenAI gibt das weniger eingeschränkte GPT-5.5-Cyber nur an verifizierte Verteidiger heraus. Anthropic verfolgt mit seinem stärksten Modell einen ähnlichen Ansatz und setzt Claude Mythos 5 über den Scanner Claude Security und Sicherheitsprodukte von Partnern in der Abwehr ein. Mythos 5 und OpenAIs stärkstes Modell GPT-6 Astra fehlen im Vergleich mit Orion-1, bei Opus 5.5 könnte im Benchmark größtenteils Opus 4.8 geantwortet haben.

Orion-1 läuft in einer privaten Vorschau für ausgewählte Kunden der Artemis-Plattform. Kunden bestimmen pro Aktionstyp, wie viel das Modell allein entscheiden darf, folgenreiche Eingriffe brauchen standardmäßig eine menschliche Freigabe. Artemis war erst im April aus dem Stealth-Modus gekommen und hatte dabei 70 Millionen US-Dollar aus Seed- und Series-A-Runde bekannt gegeben, rund sechs Monate nach der Gründung.

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