Der durch den KI-Boom ausgelöste Ausbau von Rechenzentren droht nach Warnungen von Umweltschützern die regionale Wasserversorgung in Deutschland massiv zu belasten. Laut einer Kurzstudie des Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace verbrauchten die hiesigen Serverfarmen im Jahr 2025 rund 13 Milliarden Liter Wasser zur Kühlung. Bis 2030 könnte dieser Bedarf durch neue Mega-Rechenzentren auf bis zu 27 Milliarden Liter pro Jahr anwachsen, was dem Trinkwasserverbrauch einer Großstadt mit rund 580.000 Einwohnern wie Essen entspricht.
Die neuen Berechnungen stehen in deutlichem Kontrast zur Darstellung der Digitalwirtschaft. Der Branchenverband Bitkom hatte den Wasserbedarf erst am Dienstag als weitgehend unproblematisch eingestuft. Fast zwei Drittel der hiesigen Anlagen verbrauchten maximal 0,1 Liter Wasser pro Kilowattstunde Anschlussleistung und benötigten damit kaum Wasser. Relevanter Verbrauch bleibe im Wesentlichen auf Verdunstungskühlungen beschränkt, so der Bitkom.
Wasserbedarf beinahe im Volumen des Berliner Wannsees
Das Öko-Institut kommt nach der Bereinigung fehlerhafter Datensätze aus dem behördlichen Rechenzentrumsregister hingegen auf einen gewichteten Mittelwert von 0,67 Litern Wasser pro Kilowattstunde IT-Stromverbrauch. Bereits der heutige Jahresverbrauch von 13 Milliarden Litern entspreche in etwa dem gesamten Wasserinhalt des Berliner Wannsees.
Besonders brisant seien geplante Großprojekte, von denen in Deutschland derzeit knapp 30 mit 100 Megawatt bis über 1 Gigawatt Anschlussleistung in Planung sind: Für ein einziges 100-Megawatt-Rechenzentrum schätzen die Experten den jährlichen Wasserbedarf je nach Kühltechnik auf 200 bis 930 Millionen Liter, was dem Trinkwasserverbrauch einer Kleinstadt mit bis zu 20.000 Menschen gleichkomme. „In bereits trockenen Regionen können sie akuten Grundwasserstress, Verteilungskonflikte mit steigenden Belastungen für die Menschen in den betroffenen Gemeinden und Schäden am lokalen Ökosystem verursachen“, heißt es in der Studie weiter.
Forscher: Rechenzentren auch ohne Wasserkühlung möglich
Zudem widerspricht die Untersuchung einem zentralen Argument der Betreiber, wonach ein besonders niedriger Stromverbrauch technisch zwangsläufig durch einen höheren Wassereinsatz erkauft werden müsse. In der Praxis lasse sich kein statistischer Zusammenhang zwischen Strom- und Wassereffizienz nachweisen. Eine hohe Energieeffizienz lasse sich vielmehr auch komplett ohne Wasserkühlung realisieren. Durch den Einsatz moderner Trocken- oder Kompressionskühlung könne der direkte Wasserverbrauch der Serverfarmen sogar vollständig auf null gesenkt werden.
Greenpeace rügt mangelhafte Transparenz
Greenpeace kritisiert zugleich ein erhebliches Transparenzproblem, da weniger als die Hälfte der rund 1200 meldepflichtigen Betreiber überhaupt Daten an die Behörden geliefert habe und nur 139 Meldungen verwertbar gewesen seien. Die Organisation fordert von der Bundesregierung verpflichtende Wassergutachten vor Genehmigungen, ein Verbot wasserintensiver Anlagen in Trockengebieten und konsequente Sanktionen bei Verstößen gegen die behördlichen Meldepflichten.
(afl)



