Google verliert bis zu zehn Prozent an der Börse, weil sich eine alte Angst der Investoren zu bestätigen scheint.
Im dritten Quartal wuchs der Umsatz der Suche um rund zwölf Prozent. Analysten hatten 15 Prozent erwartet. Manche sehen darin das zentrale Dilemma von Googles Kerngeschäft. KI-gestützte Suchanfragen nehmen schnell zu, bringen dem Konzern bislang aber weniger Geld ein als die klassische Suche.
Google bestätigte dieses Dilemma in der anschließenden Telefonkonferenz zum Teil. Laut Manager Philipp Schindler wirkt sich neben anderen Faktoren auch die "geringere Monetarisierung" im KI-Modus gegenüber der klassischen Suche auf das Ergebnis aus. Mit der aktuellen Entwicklung zeigt sich das Unternehmen dennoch sehr zufrieden. Die jährliche Wachstumsrate der Suchanfragen erreichte laut Google den höchsten Wert seit fünf Jahren.
Zur Wahrheit gehört außerdem, dass die klassische Suche seit Jahren totgesagt wird und trotzdem weiter wächst. Die aktuelle Wachstumsrate liegt zwar leicht unter den Erwartungen, bewegt sich aber im Rahmen der vergangenen Jahre. Zudem beginnt Google gerade erst, den KI-Modus zu monetarisieren. Im Earnings-Call kündigte der Konzern an, das Werbeprogramm für Chatbots in den USA und international auszuweiten.
Der Umsatz von Google Services stieg im dritten Quartal um 11 Prozent auf 96,3 Milliarden US-Dollar. Die Suche und weitere Werbeformate legten um 12 Prozent auf 63,4 Milliarden zu, YouTube-Werbung um 9 Prozent auf 11,2 Milliarden. Das operative Ergebnis wuchs auf 39,2 Milliarden US-Dollar, die Marge auf 40,7 Prozent. | Bild: GoogleKonzernchef Sundar Pichai zufolge hat die Gemini-App inzwischen eine Milliarde Nutzer erreicht. Sie ist damit das am schnellsten wachsende Produkt in der Geschichte des Unternehmens. Die Programmierschnittstellen für Googles eigene Modelle verarbeiten fast 32 Milliarden Tokens pro Minute. Das ist mehr als viermal so viel wie vor einem Jahr. Dahinter steckt wohl auch eine Token-Inflation durch Reasoning-Modelle und agentisches Arbeiten, nicht allein ein steigendes Nutzungsvolumen.
Google Cloud mit phänomenalem Wachstum
Der Konzern investiert weiter massiv in den Ausbau der künstlichen Intelligenz, und das wegen des starken Wachstums zu Recht. Die Cloud-Sparte wuchs im Jahresvergleich um 103 Prozent auf 30,7 Milliarden US-Dollar. Allein im dritten Quartal beliefen sich die Investitionen (CapEx) auf 51,4 Milliarden US-Dollar. Für das Gesamtjahr 2026 bleibt die Prognose bei 195 bis 205 Milliarden US-Dollar unverändert. Für 2027 erwartet Google weiter einen "signifikant höheren" Wert.
Googles Cloud-Sparte hat ihren Umsatz im dritten Quartal 2026 auf 30,7 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt (plus 103 Prozent). Im Vorjahresquartal waren es 15,2 Milliarden. Das operative Ergebnis stieg von 3,6 auf 11,1 Milliarden US-Dollar, die operative Marge von 23,7 auf 36,2 Prozent. | Bild: GoogleCloud-Chef Thomas Kurian rechnet damit, dass KI-Agenten neben den direkten Umsätzen mit Sprachmodellen auch das klassische Cloud-Geschäft weiter antreiben. Je mehr Agenten im Einsatz sind, desto mehr Rechenleistung brauchen sie für ihre Aufgaben. Zudem steige der Bedarf an Speicherplatz für das Gedächtnis der Agenten und an Datenbanken für logische Schlussfolgerungen.
Google kann dabei doppelt profitieren, sowohl durch eigene Produkte für Endnutzer als auch durch die Infrastruktur. Laut Pichai entwickelt das Unternehmen derzeit kleinere, sogenannte destillierte Versionen seines neuen Modells Carbon. Sie sollen Qualität und Antwortgeschwindigkeit ausgewogen verbinden. Der Konzern will sie laut Pichai Milliarden Nutzern in einer sicheren Laufzeitumgebung bereitstellen, die rund um die Uhr in der Cloud verfügbar ist. Das Basismodell Carbon geht zunächst nur an ausgewählte IT-Sicherheitsexperten und die US-Regierung.
Darüber hinaus will sich der Konzern mit seinen eigenen TPU-Systemen zunehmend als Anbieter von KI-Infrastruktur am Markt etablieren. Welche Gewinnmarge der Verkauf solcher Systeme an Drittkunden abwirft, verriet das Management jedoch auch auf zweimalige Nachfrage nicht.
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