Google macht sein neues KI-Modell Gemini 4 Argon ab sofort weltweit zugänglich. Es erscheint für Entwickler, Unternehmen und Endnutzer gleichermaßen.
Gemini 4 Argon steht laut Google ab sofort über die API in AI Studio und der Gemini-Plattform zur Verfügung. Google AI Ultra-Abonnenten können das Modell in Google Antigravity nutzen, während AI Ultra- und Pro-Abonnenten über die Gemini-App und den KI-Modus der Google Suche Zugang erhalten.
Kostenlose Gemini-und zahlende Plus-Nutzer haben laut einer neuen Modell-Staffel nur mehr Zugriff auf die schwächeren Flash-Modelle. Argon ist jedoch die neue Frontier-Serie, also die Gemini-Pro-Klasse. Weitere Modelle in der Gemini-4-Familie sollen folgen. Intern testet der Konzern angeblich bereits das potenzielle Nachfolgemodell mit dem Codenamen "Carbon", das vor allem beim Programmieren stärker sein soll als Argon.
Die Preise und Benchmark-Ergebnisse bleiben wie bereits berichtet: 2 US-Dollar pro Million Input-Token und 10 US-Dollar pro Million Output-Token zum Einführungspreis, mit 95 Prozent Rabatt auf gecachte Eingaben. Im Vals-Index belegt Argon Platz 1, liegt in unabhängigen Gesamtwertungen aber weiterhin hinter Anthropics Claude Opus 5.5 und, weil Google beim Release so langsam war, jetzt auch hinter Metas Muse Wonder Full.
| Eingabe-Token | 2 $ | 4 $ | 10 $ | 10 $ | 4 $ |
| Ausgabe-Token | 10 $ | 20 $ | 50 $ | 50 $ | 20 $ |
| Cache-Lesezugriffe | 0,10 $* | 0,20 $* | 1 $ | 0,25 $ | 0,20 $ |
| Cache-Schreibzugriffe | k. A. | k. A. | 12,50 $ | 12,50 $ (5 Min.) / 20 $ (1 Std.) | 5 $ (5 Min.) / 8 $ (1 Std.) |
*Google nennt diesen Wert nicht ausdrücklich, sagt aber, der Cache ist 95 Prozent günstiger als der reguläre Input-Token-Preis.
Die Benchmark-Ergebnisse von Google für Gemini 4 Argon. | Bild: GoogleArgon soll bei Google intern monatelange Arbeit auf Wochen verkürzen
Zum allgemeinen Launch liefert Google einige Zahlen aus dem internen Einsatz, die natürlich mit etwas Vorsicht zu genießen sind. Laut dem Unternehmen steigerten Softwareentwickler mit Argon die Anzahl agentengesteuerter Code-Einreichungen um mehr als 35 Prozent, während die Code-Rollbacks um fast ein Drittel zurückgingen.
Als konkretes Beispiel nennt Google die Chromium-Codebasis: Argon habe dem Chrome-Team geholfen, eine Architekturrefaktorisierung über Hunderte von Dateien innerhalb der 40 Millionen Zeilen umfassenden Codebasis abzuschließen. Was sonst Monate gedauert hätte, sei in wenigen Wochen erledigt worden. Für Nutzer soll das bedeuten, dass Webseiten zwischen Tabs, Seitenleisten und schwebenden Fenstern wechseln können, ohne neu geladen zu werden.
Bei Googles Open-Source-Framework Agent Development Kit arbeitete Argon laut Google autonom über Nacht und fand Optimierungen, die die Sitzungsvorbereitungszeit um 40 Prozent reduzierten und Kaltimporte um 21 Prozent beschleunigten. Die Inferenzgeschwindigkeit der offenen Gemma-Modelle soll sich auf einem A100 via vLLM um den Faktor 2,85 gesteigert haben, von rund 37.900 auf über 108.000 Token pro Sekunde, was laut Google normalerweise Monate statt weniger Tage dauere. Die entsprechenden Änderungen sind in Upstream-Pull-Requests einsehbar.
Darüber hinaus demonstriert Google Argons Fähigkeiten bei 3D-Visualisierungen: Das Modell soll in der Lage sein, komplexe 3D-Modelle, Spiele und Animationen in reinem Code zu erzeugen, die direkt im Browser laufen. Eine eigens in Python geschriebene Raytracing-Engine ohne externe Bibliotheken gehört zu den Demos, deren Quellcode Google veröffentlicht hat.
In der folgenden Demo steuert Argon laut Google ausgehend von einem einzelnen Bild in Antigravity das 3D-Programm Blender via MCP in einer autonomen Schleife, modellierte die gotische Architektur und inszenierte audio-reaktive Beleuchtung, um eine fertige 3D-Szene zu erstellen.
3D ist noch eine Schwäche von Metas Muse-Modellen, die laut Metas KI-Chef Alexandr Wang nicht speziell für 3D-Demo-Spiele trainiert wurden.
Kostenloser Zugang für 10.000 Wissenschaftler und mehr Sicherheit
Neben den kommerziellen Zugangswegen bietet Google 10.000 Wissenschaftlern die höchste Nutzungsstufe von Google Antigravity für sechs Monate kostenlos an. Die Vergabe erfolgt fortlaufend und ist abhängig von Eignung, Kapazität und Auswahl. Bewerbungen sind ab sofort möglich.
Cybersicherheitsverteidiger können sich zudem für das Fairwind-Programm bewerben, um Zugriff auf Argon ohne Cyber-Schutzmaßnahmen zu erhalten. Google will es auf Hunderte weiterer Partner ausweiten.
Die Sicherheitsarchitektur von Argon sie die bisher umfassendste des Unternehmens. Externes Red Teaming im Biobereich habe weniger als 1 Prozent der getesteten Sicherheitsprüfungen umgehen können. Bei einem Adversarial-Set hätten sich die Verstöße im Vergleich zu früheren Gemini-Modellen um fast die Hälfte reduziert.
Bei der Agentenausrichtung seien die Versuche, unerlaubte Abkürzungen zu nehmen, auf 2 Prozent gesunken. Ein automatisierter Fehlausrichtungsmonitor analysiere in Echtzeit die Schlussfolgerungen und Aktionen des Agenten.
Bei der Abwehr von Prompt-Injection-Angriffen erziele Argon im Gray Swan Indirect Prompt Injection Benchmark die niedrigste Angriffsrate mit einer erfolgreichen Angriffsquote von nur 0,7 Prozent bei 15 adaptiven Versuchen. Im bisherigen Gray-Swan-Test lag GPT-6 Astra bei 8,5 Prozent und Claude Opus 5 bei 4,8 Prozent, allerdings ist aus Googles Erklärung nicht klar, ob hier wirklich diesleben Tests verwendet wurden. Weitere Sicherheitsinfos stehen in der Modellkarte.
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