Google öffnet Android-Entwicklung für externe KI-Agenten und stellt neue Gemini-APIs vor

1 week ago 16

Auf dem Android Dev Summit richtet Google seine Entwicklungsumgebung auf KI-Agenten aus. Neben einer Integration für Modelle von Anthropic und OpenAI gibt es neue Schnittstellen für lokale Agenten auf Smartphones sowie eine Datenbrille.

Auf dem diesjährigen Android Dev Summit hat Google Updates für seine Entwicklerwerkzeuge und System-APIs vorgestellt. Im Zentrum der Ankündigungen steht die Öffnung der Entwicklungsumgebung Android Studio.

Mit der Version Android Studio Rabbit 2 führt Google die Funktion "Bring Your Own Agent" (BYOA) ein. Entwickler sind damit nicht mehr nur auf Googles eigene KI-Lösungen beschränkt, sondern können über das offene Agent Client Protocol (ACP) mehr als 40 verschiedene Coding-Agenten in der IDE nutzen.

Entwickler können in Android Studio nun zwischen verschiedenen KI-Agenten wie Claude, Codex und Google Antigravity wählen. | Bild: Google

Über den integrierten Marktplatz lassen sich unter anderem der Claude Agent von Anthropic, Codex von OpenAI sowie Google Antigravity installieren und parallel verwenden. Die Agenten erhalten dabei Zugriff auf die Werkzeuge der Entwicklungsumgebung, darunter die Projektstruktur, die Symbolauflösung, den Emulator und das Logcat-System.

Um die Leistung von KI-Modellen bei komplexeren Aufgaben zu messen, hat Google zudem das Leaderboard Android Bench in der Version 2.0 veröffentlicht. Es bewertet Sprachmodelle anhand mehrtägiger Entwicklungsaufgaben nach Funktionalität, Zeitaufwand und Kosten.

Da von KI generierte Code-Änderungen oft unübersichtlich sind, integriert Google eine Code-Überprüfung namens Change Review. Sie soll ausstehende Änderungen analysieren, Fehlerberichte erstellen und Anpassungen schrittweise erklären. In der Vorschauversion Android Studio Canary soll zudem ein neuer Migrationsassistent dabei helfen, ältere XML-Layouts automatisch in Jetpack Compose zu übersetzen. Mit Lightbuild testet Google darüber hinaus ein deklaratives Build-System auf Basis eines YAML-Schemas, das von Menschen und KI-Agenten gleichermaßen gelesen und bearbeitet werden soll.

Terminal-Werkzeuge und spezifische Skills sollen Token-Verbrauch senken

Für Entwickler, die ihre Agenten im Terminal oder in CI-Pipelines betreiben, hat Google das Kommandozeilenwerkzeug Android CLI erweitert. Es steht nun auch als offizielles Agenten-Plugin für Claude Code, OpenAIs Codex und Google Antigravity bereit.

Über neue Befehle können KI-Agenten Compose-Vorschauen im Terminal rendern, um Änderungen an der Benutzeroberfläche visuell zu prüfen, ohne einen Emulator starten zu müssen. Laut internen Tests von Google erledigten Agenten UI-Aufgaben damit 77 Prozent schneller und verbrauchten bis zu dreimal weniger Tokens. Zudem erlaubt das CLI das Streaming physischer Testgeräte aus den Google-Laboren, wodurch Agenten gerätespezifische Fehler untersuchen können.

Auch für die Fehlersuche und Leistungsanalyse gibt es neue Funktionen. Google hat die Open-Source-Bibliothek LeakCanary zur Erkennung von Speicherlecks in das CLI und den Android Studio Profiler eingebaut. Da die Speicherabzüge auf dem Computer statt auf dem Mobilgerät ausgewertet werden, soll die App während des Tests nicht verlangsamt werden. In einem A/B-Test von Google mit Anthropics Modell Claude Opus 5.5 wurden Speicherlecks mit dem CLI-Werkzeug laut dem Unternehmen fast doppelt so schnell gefunden und behoben, während der Token-Verbrauch um rund 25 Prozent sank.

Die Integration von LeakCanary in das Android CLI reduziert laut Google sowohl die Laufzeit als auch den Token-Verbrauch von KI-Agenten. | Bild: Google

Weitere Kommandozeilen-Werkzeuge ermöglichen es Agenten, über den Android Performance Analyzer System-Traces zu erfassen, Absturzberichte aus Firebase Crashlytics abzurufen oder die Code-Optimierung durch den R8-Compiler zu prüfen. Weil Sprachmodelle oft nicht mit den neuesten Schnittstellen trainiert sind, stellt Google über 30 sogenannte Android Skills bereit. Diese versorgen Agenten mit Dokumentation, etwa zur Prüfung von Google-Play-Richtlinien vor dem Einreichen einer App, zu Sicherheitsfragen bei Berechtigungen oder zur Anpassung von Layouts für faltbare Geräte und Laptops unter der Bezeichnung Googlebook.

Gemini Nano 4 und MCP binden Agenten in Apps ein

Neben den Entwicklungswerkzeugen liefert Google neue Schnittstellen, um Agenten-Funktionen in Apps zu integrieren oder Anwendungen an System-Agenten anzubinden. Für lokale Berechnungen auf dem Endgerät erweitert Google das ML Kit um eine Agentic API in der Alpha-Version, die auf dem Modell Gemini Nano 4 basiert. Die Schnittstelle soll Funktionen automatisch ausführen, den Gesprächsverlauf speichern, die Orchestrierungsschleife verwalten und Sicherheitsfilter bereitstellen.

Damit Apps ihre Funktionen mit lokalen oder systemweiten Agenten teilen können, nutzt Google das Model Context Protocol (MCP) und bringt die AppFunctions API als einheitliche Tool-Calling-Schicht in die Beta-Phase. Ergänzend dazu soll die neue Alpha-Schnittstelle Agent-to-UI (A2UI) für Jetpack Compose dafür sorgen, dass Agenten dem Nutzer nicht nur mit Textblöcken antworten, sondern interaktive Benutzeroberflächen aus den Komponenten der jeweiligen App anzeigen.

Um solche App-Dienste in die Google-Suche und die Gemini-App einzubinden, startet das Unternehmen die Vorschau der Connected Apps Platform. Entwickler können ihre Anwendungen über Android MCP oder Cloud-gehostete MCP-Server verknüpfen und über eine Konsole verwalten. Laut Google sind über 50 solcher Integrationen von Partnern wie Adobe, Peloton und Experian in der Gemini-App aktiv und sollen in den kommenden Wochen auch in der Websuche folgen.

Neue Hardware: Datenbrille XREAL AURA nutzt Android XR

Abseits der Software-Werkzeuge hat Google Neuerungen für verschiedene Hardware-Formfaktoren angekündigt. Während Apps durch Updates für Jetpack Compose 1.13 und das Zustandsmodell AppState einfacher an große Bildschirme angepasst werden sollen, verlässt die Entwicklungsumgebung für Extended Reality (XR) das Teststadium. Das Jetpack XR SDK, die XR-Emulatoren in Android Studio sowie der Engine Hub für Unity, Godot und Unreal sind ab sofort als stabile Versionen verfügbar.

Die XREAL AURA projiziert bis zu fünf virtuelle Fenster in das Sichtfeld des Nutzers und lässt sich per Kabel mit dem Laptop verbinden. | Bild: Google

Passend dazu hat Google gemeinsam mit dem Hersteller XREAL die XREAL AURA vorgestellt, laut XR-Chef Shahram Izadi die erste kabelgebundene Datenbrille auf Basis von Android XR. Die unter 95 Gramm schwere Brille besitzt transparente, dimmbare Gläser mit einem Sichtfeld von 70 Grad. Die Recheneinheit und der Akku sind in ein externes Gehäuse ausgelagert, das auch als Trackpad dient und Qualcomms neuen Chip Snapdragon Reality Elite verwendet.

Nutzer können im Sichtfeld bis zu fünf Android-Apps gleichzeitig platzieren oder per USB-C-Kabel das Bild ihres Laptops einblenden. Auch hier ist Gemini integriert: Die KI soll sowohl die reale Umgebung durch die Brille als auch die virtuellen Bildschirme erfassen können, um Fenster aufzuräumen, Hinweise in Videospielen zu geben oder Objekte im Raum visuell zu markieren. Die XREAL AURA kann ab sofort in den USA, Kanada und Südkorea für 1.099 US-Dollar bestellt werden, die Auslieferung soll Mitte November beginnen.

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