Google hat laut einem Bericht der Financial Times gemeinsam mit Broadcom, Apollo, Blackstone, Morgan Stanley und mehreren Krypto-Mining-Unternehmen eines der größten Infrastruktur-Finanzierungsprogramme der Geschichte aufgebaut, um KI-Chips an Anthropic zu verkaufen.
Im Zentrum stehen Googles Tensor Processing Units (TPUs), die der Konzern seit 2016 gemeinsam mit dem Halbleiterunternehmen Broadcom entwickelt. Ursprünglich nur in den eigenen Rechenzentren eingesetzt, werden die TPUs inzwischen auch extern verkauft und fordern damit Nvidias Dominanz auf dem Markt für KI-Prozessoren heraus. Google vertreibt sie in sogenannten "Pods", also Serverracks, die Tausende Chips zu einem einzigen Rechensystem verbinden.
Niemand will die Chips auf der eigenen Bilanz
Anthropic braucht dringend enorme Mengen an KI-Chips, kann sie aber nicht selbst kaufen. Das Start-up hat kein Kreditrating, also traut ihm keine Bank so hohe Kredite zu. Auch die anderen Beteiligten wollen die Chips nicht auf ihren Büchern haben, berichten Insider der Financial Times: Google investiert bereits Rekordsummen und will seine Bilanz nicht weiter belasten. Broadcom, das die Chips von Google weiterverkauft, will sein Kapital ebenfalls nicht in Hardware binden.
Morgan Stanley half daher dabei, eine Finanzierungsgesellschaft zu strukturieren, die die Chips kauft und an Anthropic vermietet. Das Geld für den Kauf kommt von externen Investoren, primär von Apollo und Blackstone. Im Juni lief das Modell zum ersten Mal an: Die Zweckgesellschaft Compute SPV kaufte für 35 Milliarden Dollar rund ein Gigawatt TPU-Hardware, entsprechend etwa einer Million TPUs.
Broadcom gab dafür eine Sicherheitsgarantie: Sollte Anthropic seine Miete nicht mehr zahlen können, springt Broadcom für rund 30 der 35 Milliarden Dollar ein.
Die Struktur dient als Vorlage für weitere Deals. Der bislang größte kam laut FT im April zustande, als Google den Verkauf weiterer 3,5 Gigawatt TPU-Hardware an Broadcom für Anthropic vereinbarte. Broadcoms Geschäftsberichte weisen insgesamt 128 Milliarden Dollar an Kaufverpflichtungen bis 2028 aus. Laut Insidern der FT beziehen sich diese Verpflichtungen nahezu vollständig auf TPU-Hardware von Google.
Krypto-Miner werden zu KI-Infrastruktur-Stützen
Die Finanzierung der Chips löste jedoch nur die eine Hälfte des Problems. Google brauchte auch genügend Rechenzentren mit ausreichender Stromversorgung, um die Hardware unterzubringen.
Google machte sich dafür Krypto-Mining-Unternehmen mit gesicherter Stromversorgung zunutze. TeraWulf erhielt als erstes eine Google-Garantie für ein 360-Megawatt-Rechenzentrum in New York. Morgan Stanley verpackte diese in eine Bauanleihe über 3,2 Milliarden Dollar, im Gegenzug sicherte sich Google eine Beteiligung an TeraWulf. Das Modell wurde auf weitere Krypto-Miner wie Cipher Digital und Hut 8 übertragen. Insgesamt hat Google laut Insidern bislang zehn Projekte mit 2,4 Gigawatt Leistung abgesichert.
Googles potenzielle Verpflichtungen belaufen sich laut FT auf bis zu 44 Milliarden Dollar, sollten alle Leases ausfallen. In der Bilanz weist der Konzern diese Verbindlichkeit jedoch mit lediglich 815 Millionen Dollar aus. Der Großteil des Risikos bleibt damit außerhalb der Bilanz verborgen und taucht in den regulären Kennzahlen schlicht nicht auf.
Struktureller Kostenvorteil gegenüber Nvidias Ökosystem
Googles finanzielle Schlagkraft hat laut FT bereits begonnen, die Ökonomie der KI-Infrastruktur zu verändern. Rechenzentrum-Projekte mit Google-Rückendeckung borgen zu einem Medianzins von 7,1 Prozent, verglichen mit 9,3 Prozent für Neocloud-Betreiber, die auf Nvidias Chips setzen. Jefferies-Analysten nannten diese Differenz einen "strukturellen Kapitalkosten-Nachteil" für Unternehmen in Nvidias Umfeld.
Das Risiko des gesamten Konstrukts ist jedoch erheblich: 200 Milliarden Dollar an Verträgen hängen an Anthropics Fähigkeit, seine Leihen zu bedienen. Hinzu kommt Googles Doppelrolle als Investor in Anthropic und zugleich Verkäufer der Chips.
Laut FT zeigen die Arrangements, wie die KI-Finanzierungsmodelle von Big Tech immer größere Teile des Finanzsystems an das Wachstum der Branche binden. Sollte Anthropics Umsatzwachstum langsamer ausfallen oder gar stagnieren, könnte das gesamte Konstrukt ins Wanken geraten.
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