Google ganz nah – und doch auf Distanz: So erklärt Apple seinen KI-Deal

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Ja, Apple benutzt die Gemini-KI-Modelle von Google. Und stellt Server in die Rechenzentren des Mitbewerbers aus Mountain View. Da hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. In unmissverständlicher Deutlichkeit gab Apples Softwarechef Craig Federighi am Montag Journalisten in Cupertino zu verstehen, dass Apple das Thema Datenschutz auch nach seinem KI-Einkauf bei Google weiterhin heilig bleibt. Und wie genau technisch gewährleistet werden soll, dass keiner Zugriff nehmen kann.

Die Diskussionsveranstaltung im Vortragsraum eines Gebäudes im Apple Park schloss sich direkt an die Ausstrahlung des Keynote-Videos an, das für angereiste Medienvertreter und App-Entwickler auch im Apple Park auf Großleinwand gezeigt wurde. Die Veranstaltung erinnerte zunächst an eine ähnliche Präsenzrunde, die vor zwei Jahren zur Einführung der Apple Intelligence am Rande der Entwicklerkonferenz WWDC veranstaltet wurde. Aber sie war dann doch komplett anders.

Nicht nur, dass Apple darauf verzichtete, erneut eine YouTuberin als Moderatorin zu engagieren, die den Fragen den Anschein einer Neutralität gab, die sie offensichtlich nicht hatten. Softwarechef Federighi führte selbst in die Veranstaltung ein und befragte später ihm unterstellte Führungskräfte, darunter Mike Rockwell und den neuen AI-Chef Amar Subramanya und Sebastien Marineau-Mes. Die Botschaft war unverkennbar: Apple macht sich ehrlich. Hat auch den Mut zu technischen Feinheiten der eingesetzten KI-Modelle. Es gab auch Live-Demos der neuen Siri – eine Replik auf Mutmaßungen, dass vor zwei Jahren gar keine lauffähige Version der KI-Siri existierte, was Apple bis heute bestreitet. Und ja, gelacht werden durfte auch. Federighi konnte hier alte Bühnenqualitäten ausspielen.

Und die versammelten Journalisten erlebten Apple endlich auch mal wieder kämpferisch. Federighi erteilte agentischer KI im Consumer-Kontext für den Moment eine Absage. Da habe die Branche noch viele Hausaufgaben zu erledigen, sagte er. Für einen Moment war vergessen, dass es vor allem Apple ist, das in Sachen KI seine Hausaufgaben machen muss und eine KI-Siri nachliefert, die so ähnlich schon vor zwei Jahren versprochen wurde.

Mit der neuen Generation der Apple-Foundation-Models sieht sich Apple allerdings gut gerüstet. Amar Subramanya, Apples neuer Vice President of AI, stellte die neue Modellfamilie vor, die in Partnerschaft mit Google entwickelt wurde.

Apples Softwarechef Craig Federighi erläuterte anhand eines Schaubilds, wie Apples veränderte KI funktioniert.

(Bild: Malte Kirchner / heise medien)

Unterschieden wird dabei zwischen lokaler KI, die auf den Geräten läuft, und der Cloud-KI, bei der Apple mit Private Cloud Compute sicherstellen will, dass keine Nutzerdaten gespeichert werden. Im Kern steht AFM Core, Nachfolger des bisherigen On-Device-Modells. Besonders stolz zeigte sich Subramanya über AFM Core Advanced, ein neues On-Device-Modell mit Sparse-Architektur, das nativ multimodal funktioniert und 20 Milliarden Parameter hat, je nach Anfrage aber nur ein bis vier Milliarden Parameter genutzt.

Auf Cloud-Seite stehen AFM Cloud, ein Server-Modell, das auf niedrige Latenz und Kosten optimiert ist, AFM Cloud Image für Bildgenerierung und -bearbeitung, Grundlage für Spatial Reframing – die neue Funktion, mit der die Perspektive eines Fotos nachträglich generativ verändert werden kann –, sowie AFM Cloud Pro, das leistungsstärkste Modell, dessen Qualität vergleichbar mit Gemini Frontier sei. Es laufe auf Nvidia-GPUs in der Google Cloud.

Alle Modelle wurden auf Apple Silicon trainiert, mit proprietären Daten und Reinforcement Learning verfeinert sowie mit Ausgaben von Gemini-Modellen nachgeschärft. Federighi stellte klar, dass sich die Zusammenarbeit mit Google auf gemeinsame Modellentwicklung sowie die Cloud-Infrastruktur für die Erweiterung von Private Cloud Compute auf Nvidia-GPUs in Googles Rechenzentren beschränke.

Sebastien Marineau-Mes, Vice President of Intelligent System Experience, erläuterte die Erweiterung von Private Cloud Compute auf externe Hardware. Bislang setzte Apple nur eigene Server-Hardware auf Apple-Silicon-Basis ein. Mit dem Einsatz externer Hardware büße der Schutz aber nichts von seiner Qualität ein. Apple kontrolliere dabei allein, welche Software auf den Nodes läuft. Zudem kommunizierten Apple-Geräte ausschließlich mit Apple-signiertem Code, womit ein Einschleusen von Software nicht möglich sei.

Als Vertrauensanker dienen zwei unabhängige Hardware-Komponenten: Google Titan und Intel TDX. Fällt eine aus, bleibe die Integrität des Systems gewahrt. Daten werden nicht gespeichert, es gebe keine Logs, und Apple selbst habe keinen Zugriff auf laufende Anfragen – das System sei technisch so abgeriegelt, dass laut Federighi nicht einmal ein Debugging-Terminal angeschlossen werden könne.

Mike Rockwell, der das Siri-Projekt leitet, berichtete, dass das Team Siri vollständig neu entwickelt hat – auf Basis der neuen AFM-Modelle. Er trat der verbreiteten Ansicht entgegen, dass Apples früher geplante KI-Siri niemals lauffähig gewesen sei. Apple habe sie schlichtweg nicht für gut genug befunden und noch einmal von vorn angefangen.

Apples neue Siri AI verarbeitet persönliche Geräteinhalte (Nachrichten, Fotos, Mails, Notizen) vollständig on-device, verfügt über On-Screen Awareness, analysiert also Text, App-UI und Bilder auf dem aktuellen Bildschirm und ist auf iPhone, iPad, Mac, Apple Watch, CarPlay und AirPods verfügbar. Ausnahme ist die EU, wo die Regulierung dazu führt, dass iPhones und iPads auf unabsehbare Zeit nicht unterstützt werden.

Zusammen mit der Einführung der Siri AI wurde auch das Foundation Models Framework (Swift) erweitert: Es unterstützt nun Bilder als Input, Skills und Tool Calling sowie den Zugriff auf Server-Modelle über dieselbe Schnittstelle. Drittanbieter-Apps können den Spotlight Semantic Index nutzen und eigene App Actions für Siri bereitstellen. Core ML gibt Entwicklern vollen Zugriff auf Neural Engine und GPU für eigene Modelle.

(mki)

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