Google DiffusionGemma: Technischer Bericht erklärt das schnelle Text-Diffusionsmodell

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Ein neues Modell von Grund auf zu trainieren, war dafür nicht nötig. Als Startpunkt diente das bestehende Gemma-4-26B-A4B, das laut Bericht mit weniger als zehn Prozent des ursprünglichen Training-Token-Budgets in ein Diffusionsmodell umgewandelt wurde.

Streudiagramm mit Ausgabegeschwindigkeit in Tokens pro Sekunde auf der x-Achse und Genauigkeit im Mittel aus LiveCodeBench-v6 und GPQA-Diamond auf der y-Achse. DiffusionGemma 26B A4B liegt bei rund 1.250 Tokens pro Sekunde und etwa 71 Prozent weit rechts von Gemma 4, Mercury 2, LLaDA 2.1 Flash und Nemotron Diffusion.DiffusionGemma erreicht bei vergleichbarer Genauigkeit ein Vielfaches der Ausgabegeschwindigkeit der Gemma-4-Modelle und der bisherigen Diffusionsmodelle. | Bild: Google

Zwei Trainingsstufen für Qualität und Tempo

Im ersten von zwei Schritten lernt das Modell anhand von Beispieldaten, verrauschte Textblöcke zu rekonstruieren. Danach folgt eine kombinierte Phase aus Reinforcement Learning und sogenannter Sampler Distillation, die Google SD·RL nennt.

Reinforcement Learning steigert normalerweise die Antwortqualität, während Sampler-Distillation dafür sorgt, dass das Modell mit weniger Rechenschritten auskommt. Google verschmilzt beides in einem Prozess.

Ablaufgrafik von Gemma 4 26B A4B über einen durchgestrichenen Pretraining-Schritt, Supervised Finetuning als Schritt 1 und Sampler Distillation mit Reinforcement Learning als Schritt 2 hin zum Textdiffusionsmodell DiffusionGemma.Google Deepmind trainiert DiffusionGemma nicht von Grund auf neu, sondern wandelt das fertige Gemma-4-Modell in zwei Trainingsstufen um. | Bild: Google

Laut dem Bericht steigt die Qualität in Reasoning-Benchmarks dadurch im Schnitt um zehn Punkte, während sich die Zahl der Tokens pro Rechenschritt fast vervierfacht. Als Nebeneffekt fallen die Antworten von DiffusionGemma rund 50 Prozent kürzer aus, was die Geschwindigkeit zusätzlich erhöht.

Bidirektionales Denken ermöglicht Selbstkorrektur

Klassische Sprachmodelle müssen sich auf die erste Ziffer einer Antwort festlegen, bevor sie den Rechenweg formulieren. Bei einer Matheaufgabe im Bericht beginnt Gemma 4 seine Antwort zunächst mit "−1", stellt beim Herleiten fest, dass "−25" richtig ist, und schiebt eine Korrektur nach. DiffusionGemma entwickelt Antwort und Begründung parallel und kann sich selbst korrigieren, bevor die Ausgabe fertig ist.

Tabellarische Darstellung von fünf Denoising-Schritten für die ersten zwölf Tokens einer Rechenaufgabe; die Farbintensität zeigt die Modellsicherheit, während aus der zunächst falschen Zahl 1 über 15 die korrekte Lösung 25 wird.Anders als ein autoregressives Modell kann DiffusionGemma eine früh gesetzte falsche Antwort in späteren Schritten noch korrigieren. | Bild: Google

Ähnlich funktioniert das Sudoku-Lösen, bei dem jeder Eintrag von späteren Einträgen abhängt. Schon nach einem kleinen Fine-Tuning löst DiffusionGemma knapp 85 Prozent der Rätsel korrekt, während das Basismodell an dieser Aufgabe scheitert. Strukturierte Ausgaben wie JSON oder Code-Reparaturen sind laut Bericht schon nach zwei bis drei Verfeinerungsschritten fertig, weil ein Großteil der Tokens ohnehin durch die Eingabe vorgegeben ist.

DiffusionGemma behält zudem seine ursprüngliche Fähigkeit, Text Wort für Wort zu generieren, sodass Anwender je nach Aufgabe zwischen beiden Modi wechseln können.

Vier Balkendiagramme vergleichen DiffusionGemma, Gemma 4 AR mit MTP, LLaDA 2.1 Flash, Nemotron Diffusion und Mercury 2 in den Bereichen Reasoning und Wissen, Coding, Instruction Following und Agentenverhalten sowie Ausgabegeschwindigkeit.In den Qualitätsbereichen bleibt DiffusionGemma hinter dem autoregressiven Gemma 4 zurück. Bei der Ausgabegeschwindigkeit liegt es mit rund 1.500 Tokens pro Sekunde vorn. | Bild: Google

Schwächen bei Reasoning und im Multi-User-Betrieb

Die absolute Leistung liegt unter dem autoregressiven Ausgangsmodell. Google führt das auf mehrere Faktoren zurück: DiffusionGemma wurde nicht von Anfang an als Diffusionsmodell trainiert, sondern erst nachträglich umgebaut. Die anschließende Trainingsphase war vergleichsweise kurz und der zweite Trainingsschritt SD·RL zielte primär auf hohe Geschwindigkeit statt auf maximale Qualität. Hinzu kommt, dass Architektur, Trainingsdaten und weitere Einstellungen vom ursprünglichen Gemma-4-Modell übernommen wurden und für ein Diffusionsmodell nicht unbedingt ideal sind.

Gelegentlich gerät das Modell in Wiederholungsschleifen und produziert einzelne Wörter mehrfach hintereinander, ein Artefakt der aggressiv reduzierten Rechenschritte. Bei multimodalen Aufgaben vergisst DiffusionGemma manchmal, seinen Reasoning-Abschnitt korrekt zu schließen, was die Benchmarkergebnisse künstlich nach unten drücke.

Tabellarische Darstellung von fünf Denoising-Schritten für die ersten zwölf Tokens einer Rechenaufgabe; die Farbintensität zeigt die Modellsicherheit, während aus der zunächst falschen Zahl 1 über 15 die korrekte Lösung 25 wird.Anders als ein autoregressives Modell kann DiffusionGemma eine früh gesetzte falsche Antwort in späteren Schritten noch korrigieren. | Bild: Google

Der Geschwindigkeitsvorteil gilt zudem primär bei Einzelnutzung. Ab etwa 32 gleichzeitigen Anfragen holen klassische Sprachmodelle beim Durchsatz wieder auf.

Google bezeichnet DiffusionGemma ausdrücklich als experimentelles Modell und will mit der Veröffentlichung Forschung an Text-Diffusion beschleunigen sowie eine Grundlage für spezialisierte, ressourcenschonende Anpassungen durch die Community schaffen.

Bereits genutzt wird DiffusionGemma unter anderem vom Start-up Interfaze für multilinguale Spracherkennung und in einem Forschungsprojekt zur interaktiven Erstellung von Radiologiebefunden. Google hatte das Modell zuvor unter Apache-2.0-Lizenz auf Hugging Face zur Verfügung gestellt. Als Vorläufer gilt Gemini Diffusion, das Google im Mai 2025 als Demo gezeigt hatte.

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