Stand: 26.06.2026, 12:13 Uhr
Wachsende Sorge an der NATO-Ostflanke: Plant Russland Provokationen im Baltikum? Es werden laut einem Bericht hybride Aktionen erwartet.
Moskau – Geheimdienste und Regierungsquellen schlagen Alarm: Russland könnte hybride Angriffe auf die baltischen Staaten oder Polen vorbereiten. Laut Berichten westlicher Sicherheitskreise und osteuropäischer Aufklärungsdienste soll damit der Zusammenhalt der NATO getestet werden, berichtet jetzt der britische Guardian. Die Warnungen fallen in eine Zeit, in der der Kreml durch erfolgreiche ukrainische Drohnenangriffe im russischen Kernland massiv unter Druck gerät.

Hybride Bedrohungen statt offener Krieg: Die Erkenntnisse der Geheimdienste
Konkrete Hinweise auf eine veränderte Bedrohungslage kommen direkt von den Betroffenen: Der lettische Geheimdienst erklärte laut dem Bericht in einer aktuellen Lagebeurteilung, man sehe deutliche Indikatoren dafür, dass Russland militärische Provokationen gegen die baltischen Länder oder Polen vorbereitet.
Diese Einschätzung wird durch politische Insider-Quellen aus einem weiteren NATO-Mitgliedstaat gestützt. Ein hochrangiger Politiker bestätigte dem Guardian unabhängig, dass entsprechende Geheimdienstinformationen vorliegen, wonach Wladimir Putin „etwas gegen die baltischen Staaten plant“.
Ein großangelegter militärischer Einmarsch, wie er im Februar 2022 in der Ukraine stattfand, wird von den Diensten derzeit jedoch ausgeschlossen. Dem lettischen Geheimdienst zufolge fehle es Russland momentan an den Kapazitäten, um eine vollwertige zweite Front zu eröffnen. Stattdessen rechnet man mit hybriden Angriffen – etwa durch den gezielten Einsatz von Raketen oder Drohnen in Grenznähe. Die strategische Botschaft Moskaus an den Westen sei dabei: „Stellt die Unterstützung der Ukraine ein, oder ihr bekommt eigene Probleme.“
Putin unter Druck: Militärische Quellen warnen vor Eskalation mit NATO-Staaten
Dass der Kreml gerade jetzt alternative Strategien auslotet, werten Beobachter als Reaktion auf die jüngsten militärischen Entwicklungen. Westliche Militärquellen betonen, dass der russische Vormarsch in der Ukraine ins Stocken geraten ist, während Kiew seine Fähigkeiten für Angriffe aus der Distanz massiv ausgebaut hat.
Nach vorliegenden Berichten ist die Ukraine mittlerweile in der Lage, Ziele bis zu 2000 Kilometer tief im russischen Hinterland zu treffen. Jüngst flogen fast 200 ukrainische Drohnen Angriffe auf Moskau und St. Petersburg, bei denen unter anderem Ölraffinerien beschädigt wurden. Eine namentlich nicht genannte westliche Militärquelle warnt eindringlich, dass diese Verlagerung des Krieges auf russisches Staatsgebiet eine akute „Phase der Gefahr“ einläute: Ein in die Enge getriebener Putin könnte versuchen, durch Aggression nach außen Stärke zu demonstrieren.
Laut dem Guardian: Putin beabsichtigt Stresstest für den NATO-Zusammenhalt
Neben der reinen Einschüchterung geht es Moskau offenbar um einen geopolitischen Testlauf. Nach Angaben aus NATO-Kreisen wolle Putin dem Guardian zufolge herausfinden, wie verlässlich die US-Sicherheitsgarantien für die kleinsten und exponiertesten Bündnismitglieder – Estland, Lettland und Litauen – tatsächlich noch sind.
Dieser mutmaßliche Plan trifft die NATO in einer sensiblen Phase. Auf dem bevorstehenden jährlichen NATO-Gipfel im türkischen Ankara dürften die Unwägbarkeiten bezüglich des künftigen US-Engagements ohnehin ein zentrales Thema sein – befeuert durch jüngste kritische Äußerungen von Donald Trump über europäische Verbündete.
Putin und die Strategie der „horizontalen Eskalation“
Dass solche Störmanöver Teil einer bewussten Strategie sind, bestätigte auch Keir Giles, Russland-Experte beim renommierten Thinktank Chatham House, wie der Guardian berichtet. Er ordnete das russische Vorgehen als Versuch einer „horizontalen Eskalation“ ein. Wenn Russland auf dem eigentlichen Schlachtfeld stagniere, sei nicht zu erwarten, dass es passiv verliere. Stattdessen werde versucht, den Konflikt in andere Regionen oder Bereiche zu verlagern.
Giles verweist darauf, dass diese Taktik bereits Realität ist: Schon im Sommer 2024 gab es eine Welle russischer Sabotageakte (wie Brandbomben in DHL-Paketen in Deutschland, Großbritannien und Polen) und im September vergangenen Jahres drangen russische Täuschdrohnen in den polnischen Luftraum ein. (Quellen: The Guardian, watson.ch, Tagesspiegel) (frs)



