Mithilfe von KI-Technik hat eine Gruppe von Informatikern mehr als 1000 angebliche wissenschaftliche Fachmagazine entdeckt, die von mindestens "fragwürdiger" Qualität sind. Das hat die University of Colorado Boulder jetzt publik gemacht und erklärt, dass das angesichts von mehr als 15.000 geprüften Titeln ein beträchtlicher Teil ist. Gleichzeitig schränkt das Forschungsteam die Trefferquote des KI-Werkzeugs aber ein, das habe anfangs sogar mehr als 1400 als potenziell problematisch eingestuft. Nach einer manuellen Überprüfung blieben davon über 1000 übrig, die als "zweifelhaft" eingestuft wurden. Vor dem Hintergrund zunehmender Angriffe auf die Wissenschaft müsse die Zunahme solcher Erzeugnisse gestoppt werden, begründet das Team die eigene Arbeit.
Online stellen gegen teure Gebühr
Wie Studienleiter Daniel Acuña in Erinnerung ruft, ist es bei renommierten Wissenschaftsmagazinen üblich, dass Forscher und Forscherinnen Arbeiten einreichen und die dann unabhängig von Fachleuten geprüft werden. Diese Peer-Review soll sicherstellen, dass die Arbeit inhaltlich den qualitativen Ansprüchen des Magazins und der Wissenschaftsgemeinde insgesamt entspricht. Zuletzt seien aber immer mehr Magazine aufgetaucht, die sich oft direkt an Forschende abseits der USA und Europa wenden und ihnen versprechen, ihre Arbeiten gegen Bezahlung zu veröffentlichen. Unter dem Druck, so viel wie möglich zu publizieren, würden die das unter Umständen annehmen. Die zugesagte Prüfung gebe es dann aber gar nicht, stattdessen würden einfach PDF-Dateien online gestellt.
Um gegen diese "Raubjournale" vorzugehen, hat Acuñas Team nun eine KI anhand von geprüften Fachmagazinen trainiert und die insgesamt fast 15.200 Titel prüfen lassen. Gesucht habe die etwa nach Hinweisen auf das Vorhandensein einer Redaktion, Rechtschreibfehlern auf der Homepage, Titeln mit besonders vielen Publikationen oder Autoren und Autorinnen, die sich selbst besonders häufig zitieren. Die besonders fragwürdigen seien dann markiert und händisch überprüft worden. Die letzte Entscheidung müsse bei Menschen liegen, meint Acuña. Sein Team will das Werkzeug für die Forschung freigeben, bisher ist es aber nicht verfügbar. Vorgestellt wird die Arbeit im renommierten Wissenschaftsmagazin Science Advances.
(mho)



