Fairphone (Gen. 6+) im Test: Nachhaltig und gut?

5 days ago 11

 Nachhaltig und gut?

Heute hat Fairphone sein neuestes Smartphone vorgestellt: das Fairphone (Gen. 6+). Es gastierte vorher auch schon mehrfach in der Gerüchteküche. Gegenüber dem Vorgängermodell sind primär ein neuerer Prozessor verbaut sowie der RAM von 8 auf 12 GByte angewachsen. Ich habe mir das nachhaltige Smartphone einmal für euch im Test genauer angesehen.Zählpixel

Das Fairphone (Gen. 6+) ist primär ein kleiner Evolutionsschritt. Denn große Teile der Ausstattung sind im direkten Vergleich mit dem Fairphone (Gen. 6) identisch geblieben. Beispielsweise gilt das auch für zentrale Komponenten wie Display und Kamera. Zwar werkelt nun ab Werk Android 16 als Betriebssystem auf dem mobilen Endgerät, doch auch das Vorgängermodell hat schon ein entsprechendes Update erhalten. Und eigentlich ist ja schon Android 17 verfügbar, sodass man sich hier nicht wesentlich mit Ruhm bekleckert.

Vergleich Fairphone (Gen. 6) Fairphone (Gen. 6+) LEISTUNG SPEICHER ERLEBNIS FARBEN
Snapdragon 7s Gen 3 Snapdragon 7s Gen 4
Software-Support bis 2033
8 GB DDR5 Arbeitsspeicher 12 GB DDR5 Arbeitsspeicher
256 GB interner Speicher (erweiterbar bis zu 2 TB)
Aktualisiertes Fairphone Moments Erlebnis
Fairphone Galerie-App
Android 16
Horizont-Schwarz, Waldgrün Horizont-Schwarz, Waldgrün, Kobaltblau

Fairphone verspricht für das neue Fairphone (Gen. 6+) fünf Jahre Garantie und Software-Support bis einschließlich 2033. Zudem sind viele der Bauteile austauschbar – z. B. die Kameralinsen, der Lautsprecher, der USB-Port, der Akku, das Display, das Backcover oder der Einschub für die SIM-Karten. Entsprechende Ersatzteile sind frei nachkaufbar.

 Nachhaltig und gut?

Diese Kombination soll dazu anregen, das mobile Endgerät möglichst lange zu nutzen. In Deutschland kostet das Fairphone (Gen. 6+) 649 Euro und ist ab heute direkt über Fairphone.com sowie bei ausgewählten Partnern zu haben.

Ausstattung und Verarbeitung des Fairphone (Gen.6+)

Das Fairphone (Gen. 6+) ist jetzt auch in der neuen Farbe Cobalt Blue erhältlich. In dieser Farbvariante liegt dann auch mein Testmuster vor. Der integrierte Akku mit 4.415 mAh kann mit 30 Watt aufgeladen werden, was nach heutigem Stand der Dinge eher gemächlich ist, aber der Langlebigkeit dienlich sein könnte.

Das Fairphone (Gen. 6+) misst 156,5 x 73,3 x 9,6 mm und wiegt 191 g. Gefühlt ist es leichter, denn es liegt sehr locker in der Hand, was auch an dem Gehäuse aus Polycarbonat liegen mag. Das Smartphone ist nach IP55 geschützt vor Staub und Wasser und unterstützt die Schnittstellen 5G/4G LTE, eSIM, microSD, Bluetooth 5.4, Wi-Fi 6E, GPS und USB-C. Dass eine Speichererweiterung per Karte möglich ist, sieht man heute ja nicht mehr alle Tage.

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An der Rückseite sitzen zwei gut sichtbare Schrauben, welche das Öffnen des Gehäuses bzw. den Austausch der modularen Rückseite erlauben. Hier könnt ihr Zubehör wie Fingerschlaufen, Lanyards oder Kartenhalter anbringen und austauschen.

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Sieht dadurch natürlich ein wenig rustikaler aus als bei anderen Modellen. Rechts am Fairphone (Gen. 6+) sitzen die Powertaste mit integriertem Fingerabdruckscanner und darüber ein neongelber Slider. Über jenen wechselt ihr zwischen der regulären Android-Oberfläche und einem minimalistischen Design.

Letzteres präsentiert euch eine monochromatische Ansicht und beschränkt sich auf Grundfunktionen wie Telefonie, SMS, Kamera, Musik und Notizen. Das soll euch eine ablenkungsfreie Oberfläche anbieten, wenn ihr einerseits etwas digitalen Detox betreiben wollt und andererseits für den Notfall erreichbar bleiben mögt.

 Nachhaltig und gut?

Mir persönlich gefällt das schlichte Design des Fairphone (Gen. 6+) sehr gut, auch die wenig herausstechenden Kameralinsen. Nachteil ist, dass das mobile Endgerät immer direkt auf den Linsen liegt, wenn ihr es mit der Unterseite auf dem Tisch platziert. Das kann Kratzer begünstigen. Dass das Gehäuse, inklusive Rahmen, komplett aus Kunststoff besteht, wird zudem nicht jedermann zusagen. Immerhin handelt es sich aber um mattes Plastik, das nicht sonderlich empfindlich gegenüber Fingerabdrücken ist.

Benchmarks und Leistung

Das Fairphone (Gen. 6+) nutzt den Qualcomm Snapdragon 7s Gen 4 in Verbindung mit 12 GByte RAM. Der Chip stammt aus dem August 2025, hat also auch schon wieder ein Jahr auf dem Buckel. Dabei ist das SoC zudem nur eine kleine Evolution des Snapdragon 7s Gen 3 aus dem Vorgängermodell. Im Wesentlichen wurden der Performance-Kern und die GPU etwas höher getaktet. Erwartet daher keine massiven Leistungssprünge gegenüber dem älteren Prozessor. Auch die Energieeffizienz ist unverändert.

In Benchmarks kann man das Fairphone (Gen. 6+) daher fest in der unteren Mittelklasse verorten. Die Werte solltet ihr aber natürlich eher als Fingerzeig betrachten. Denn synthetische Tests können immer nur begrenzt Aufschluss über die tatsächliche Performance im Alltag liefern. Sie sind aber natürlich für grobe Vergleiche ganz hilfreich.

So schlägt sich das Fairphone (Gen. 6+) im Alltag besser, als die reinen Werte vermuten lassen. Das System läuft angenehm flott und die 12 GByte RAM sind ein Mehrwert für diejenigen, welche viele Apps griffbereit halten wollen. Gaming ist mit dem Smartphone zwar möglich, aber nicht dessen Paradedisziplin. Im Grunde dürfte die Power des Geräts aber wohl für 90 % (oder mehr) der Anwender vollkommen ausreichen.

Display und Kameras des Fairphone (Gen. 6+)

Vom Vorgängermodell übernimmt das Fairphone (Gen. 6+) im Grunde unverändert das LTPO-OLED-Display mit 6,31 Zoll Diagonale und einer Auflösung von 2.484 x 1.116 Pixeln. Der Screen arbeitet mit adaptiven Bildwiederholraten von 10 bis 120 Hz. Der Screen macht einen sehr guten Eindruck. Ab Werk sind spannenderweise nur 90 Hz voreingestellt, das lässt sich jedoch anpassen. Auch war mir persönlich die Farbwiedergabe in der Standardeinstellung zu knallig, sodass ich zum Setting „Natürlich“ gewechselt bin.

Die Helligkeit von bis zu 1.400 Nits reicht im Alltag aus und zugleich lässt sich das Display in dunklen Umgebungen auch sehr gut herunterdimmen. Sehr stark: Bei Beschädigung lässt sich das Display auch nachbestellen und austauschen. Im Übrigen könnt ihr mit dem Fairphone (Gen. 6+) auch HDR-Inhalte wiedergeben. Hier fehlt es dann aber etwas an dem Punch, den man von teureren Modellen kennt – ich vergleiche da selbst z. B. mit dem Xiaomi 15T Pro. Trotzdem ist der Bildschirm im Gesamteindruck wirklich gut und für die meisten User sicherlich zufriedenstellend.

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Das Fairphone (Gen. 6+) nutzt eine Dual-Hauptkamera mit 50 (Weitwinkel, Sony Lytia 700C, OIS) + 13 (Ultra-Weitwinkel) Megapixeln. Die App bietet euch zwar prominent auch einen zweifachen Zoom als Standardfunktion an, dieser wird aber digital erreicht. Die Frontkamera wiederum setzt auf 32 Megapixel. Bleiben wir doch auch zunächst bei dieser.

Dank des Autofokus werden Selfies mit dem Fairphone (Gen. 6+) scharf und sehen auch recht natürlich aus. Wenn ich mit den Aufnahmen meines Xiaomi 15T Pro vergleiche, dann liefert das Fairphone-Modell das deutlich ausgewogenere Ergebnis. Die Herangehensweise ist jedoch auch anders: Xiaomi zeichnet auch ohne Verschönerung bei Selfies gerne weich, Fairphone legt schonungslos alle Details offen. Selbst bei maximaler „Verschönerung“ sehen die Ergebnisse noch menschlich aus, was mich positiv überrascht hat.

Beispielsweise hatte ich hier bei der ersten Aufnahme die maximale Verschönerung aktiviert. Ja, Falten werden etwas glattgebügelt. Wenn ich aber mit chinesischen Konkurrenzmodellen vergleiche, dann kommen immer noch brauchbare Ergebnisse heraus. Ach, bevor es irritierte Kommentare zum T-Shirt gibt: Das habe ich vor 10 Jahren mal bei einer USA-Reise als reinen Gag gekauft.

Die Fotos mit der Weitwinkel-Kamera wurden bei diesigem Wetter aufgenommen, also weder unter Ideal- noch unter Extrembedingungen. Typisch für Kameras von Mittelklasse-Smartphones ist die Nachschärfung manchmal zu aggressiv. Das sieht man besonders gut bei den Blättern am Wegesrand auf dem letzten Foto. Auch besteht eine gewisse Tendenz zur Überbelichtung, die aber nicht immer auftritt. Grundsätzlich sind die Aufnahmen jedoch für diese Preisklasse wirklich ordentlich.

Ultra-Weitwinkel-Fotos sind generell weniger dynamisch, machen sonst aber einen guten Eindruck. An den Rändern sieht man zwar die typischen Verzerrungen, da habe ich jedoch in der Mittelklasse schon wesentlich schlechtere Aufnahmen gesehen.

Die Fotos mit dem digitalen Zoom sind deutlich besser, als ich befürchtet hatte. Sie können zwar nicht mit Telephoto-Kameras mit echtem, optischem Zoom mithalten, sind aber überraschend brauchbar. Je nach Motiv ist die Nachschärfung aber sehr deutlich, was besonders bei hellen Hintergründen und Texten auffällt.

Bei Porträtaufnahmen ergibt sich ein sehr gemischter Eindruck. Oft kann sich das Fairphone (Gen. 6+) nicht recht entscheiden, welche Bereiche es in Tiefenunschärfe hüllen und welche es scharf halten soll. Das führt manchmal zu sehr unnatürlichen Ergebnissen – siehe das erste Foto mit dem Mülleimer oder den lilanen Blüten. Spannenderweise klappt das im digitalen Zoom-Modus dann mit demselben Motiv oft deutlich besser – siehe auch hier der Mülleimer.

Bei wenig Umgebungslicht bricht die Bildqualität schnell ein. Das erste Bild etwa habe ich in meiner Wohnung abends mit moderater Zimmerbeleuchtung aufgenommen. Beim zweiten Foto habe ich das Licht gelöscht und das Ergebnis ist kaum noch brauchbar. Videos kann das Fairphone (Gen. 6+) im Übrigen mit 4K-Auflösung und maximal 30 fps aufnehmen. Legt ihr es auf 60 fps an, müsst ihr auf 1080p reduzieren. Ihr könnt dabei auch eine sehr ordentliche Bildstabilisation zuschalten.

Weitere Anmerkungen

Bloatware liefert das Fairphone (Gen. 6+) ab Werk keine mit. Es ist als Sonderfall lediglich die hauseigene Shop-App vorinstalliert. Das ergibt in diesem Fall aber Sinn, denn sie ist für euch auch die Anlaufstelle, um Ersatzteile zu ordern. Unglücklich: Die Anzeige ist derzeit zerschossen, denn im Menüpunkt für die Ersatzteile ist rechts immer der Text abgeschnitten. Dort kann man zwar hinwischen, eigentlich sollte es aber zu bewerkstelligen sein, die Darstellung als Standard korrekt zu halten.

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Ansonsten ist mir beim Testen aufgefallen, dass das Fairphone (Gen. 6+) ab und an Online-Inhalte in Apps etwas verzögert geladen hat. An meiner Internetverbindung hat es nicht gelegen, denn zeitgleich lief an anderen Geräten alles normal. Dieses kleine Problem kam nur sporadisch vor, soll aber erwähnt sein. Obendrein empfand ich die Moments-Ansicht des Herstellers als ganz cool, auch wenn die Frage bleibt, wie oft man diesen ablenkungsfreien Modus, der über den Slider aktiviert wird, im Alltag konsequent nutzen wird.

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Telefonieren könnt ihr mit dem Fairphone (Gen. 6+) erstaunlicherweise auch. Das lief ohne Auffälligkeiten ab. Die integrierten Lautsprecher des Geräts sind im Übrigen „ok“, für die Multimedia-Wiedergabe gibt es aber bessere Modelle. Kopfhörer sind also Pflicht. Die Akkulaufzeiten haben mich im Übrigen angesichts der eher geringen Kapazität von 4.415 mAh positiv überrascht. Vielleicht liegt das am relativ schlanken System, das dem unveränderten Android ähnelt. Das mobile Endgerät hat mich gut über den Tag gebracht und kann auch mal für zwei Tage durchhalten, wenn ihr es moderat nutzt. Variiert aber natürlich stark individuell.

Mein Fazit zum Fairphone (Gen. 6+)

Das Fairphone (Gen. 6+) ist ein gutes Mittelklasse-Smartphone. Während vergangene Generationen für die gebotene Technik immer als vergleichsweise teuer eingestuft werden mussten, Nachhaltigkeit hat eben ihren Preis, relativiert sich das mittlerweile ein wenig. Denn in der Speicherkrise haben auch viele andere Anbieter, besonders in Einstiegs- und Mittelklasse, die Preise angezogen. Dabei ist zwar der Preis gegenüber dem direkten Vorgängermodell auch hier gestiegen, doch dafür hat sich der RAM merklich von 8 auf 12 GByte erhöht. Mitten in der Speicherkrise wirkt der Preisanstieg von nur 50 Euro daher verträglich.

 Nachhaltig und gut?

Das System des Fairphone (Gen. 6+) ist aufgeräumt, die Performance solide und die Modularität für Nachhaltigkeits-Fans ein echter Mehrwert. Mir persönlich gefällt auch das Design, selbst wenn es sich hier um einen reinen Plastikbomber handelt. Die Hauptkamera des Geräts ist für die Mittelklasse ordentlich, bei schwachem Licht geht es mit der Bildqualität jedoch schnell bergab. Zudem gelingen Porträtaufnahmen leider nicht immer. Vor allem die Selfie-Kamera punktet jedoch mit ihrem Autofokus. Da kann man tatsächlich positiv auffallen und viele Konkurrenzmodelle hinter sich lassen.

Im Gesamtbild ist das Fairphone (Gen. 6+) ein sympathisches Mittelklasse-Smartphone, das nicht auf den KI-Hypetrain aufgesprungen ist, auch wenn Gemini natürlich per se an Bord ist. Stattdessen rückt man Nachhaltigkeit, Reparierbarkeit und den ablenkungsfreien Moments-Modus ins Zentrum. Wer mit gutem Gewissen ein mobiles Endgerät kaufen möchte, das sich lange nutzen lässt, ist hier sicherlich gut aufgehoben.

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