In dieser Woche hat Fairphone seine neuen TWS-Earbuds (True Wireless Stereo), die Fairbuds 2, vorgestellt. Man schreibt sich natürlich wieder Nachhaltigkeit auf die Fahnen. Aber auch beim Klang sollen die Fairbuds 2 dank ihrer großen 11-mm-Treiber und Unterstützung des hochwertigen Bluetooth-Codecs LDAC punkten. Ich habe mir im Test einmal für euch angehört, was dahintersteckt.
Ein echter Pluspunkt, der nicht untergehen sollte: So verzichtet der niederländische Hersteller etwa auf sogenannte Ewigkeitschemikalien (PFAS), wie sie bedauerlicherweise in vielen In-Ears verarbeitet werden und im Verdacht stehen, durch den direkten Hautkontakt auch auf den menschlichen Körper übertragen zu werden. Ebenfalls möchte ich loben, dass Fairphone keine Funktionen der Fairbuds 2 exklusiv an seine eigenen Smartphones wie das Fairphone (Gen. 6+) koppelt. Das kennt man von Herstellern wie Samsung ja doch anders.
Technische Eckdaten der Fairbuds 2
- 11-mm-Dynamiktreiber aus Biozellulose
- Frequenzgang: 20 Hz – 20 kHz
- Treiberimpedanz: 32 Ohm
- Empfindlichkeit: 99 ± 2 dB bei 1 kHz
- Codec-Unterstützung: AAC / SBC / LC3 / LDAC
- Aktive Geräuschunterdrückung (ANC)
- 3-Mikrofon-Array (pro Seite)
- Bis zu 8 Stunden Wiedergabe bei ausgeschaltetem ANC / Bis zu 6 Stunden Wiedergabe bei aktiviertem ANC
- Bis zu 40 Stunden Gesamtspielzeit mit Ladebox
- 10 Minuten aufladen für eine Wiedergabezeit von 2 Stunden
- Automatische Abschaltung nach 15 Minuten
- Bluetooth 6.0 mit doppelter Multipoint-Konnektivität
- Anschlüsse: USB-C-Anschluss. Unterstütztes Kabel: USB Typ-C (USB 2.0/3.0/3.2)
- Gewicht: 5,8 g (In-Ear-Kopfhörer) / 64 g mit Ladebox
- Abmessungen (In-Ear-Kopfhörer): 30,2 × 22,6 × 24,38 mm
- Abmessungen (Ladebox): 56,5 × 45,2 × 27,7 mm
- Kapazitive Touch-Bedienelemente
- IP54 staub- und spritzwassergeschützt
- Außenmaterial zu 100 % PFAS-frei
Den Klang der Fairbuds 2 hat das Rotterdamer Studio Form Follows Frequency abgestimmt. Nachhaltigkeit sollen die Earbuds auch wahren, weil der Hersteller auf einen modularen Aufbau ohne Klebstoff im Inneren setzt. Dadurch soll es auch in Eigenregie für euch möglich sein z. B. den Akku zu tauschen. Im Handel sind die Kopfhörer im Übrigen in den Farben Forest Green und Horizon Black zu haben und kosten 119 Euro.
Ausstattung und Verarbeitung
Für meinen Test durfte ich mir die Fairbuds 2 in der Forest-Green-Variante ansehen bzw. anhören. Die TWS-Earbuds bieten auch aktive Hybrid-Geräuschunterdrückung (ANC). In Kombination mit ihrer Begleit-App könnt ihr den Sound zudem noch über einen 5-Band-Equalizer anpassen. Die vom Hersteller angegebene Akkulaufzeit von 8 Stunden ohne und 6 Stunden mit ANC konnte ich eher um 1-2 Stunden übertreffen, sodass man da wohl vorsichtig gerechnet hat. Aber das hängt natürlich auch von eurer Hörlautstärke ab.
Case und Earbuds wirken auf den ersten Blick ein wenig rustikal. Die rechteckigen Stengel der Earbuds wirken etwa ein wenig scharfkantiger, als man das von Konkurrenzmodellen kennt. Auch ist das Case ein wenig dicker als bei der Konkurrenz, was eine Folge der nachhaltigen Ausrichtung sein dürfte. Denn an der Unterseite sitzt auch eine kleine Schraube, falls ihr das Gehäuse öffnen und Komponenten tauschen wollt.
Im Lieferumfang liegen drei verschiedene Größen an Silikon-Eartips bei. Da solltet ihr vor der längeren Nutzung einmal prüfen, welche bei euch am besten sitzen. Ich nutze nur noch selten In-Ears, empfand die Fairbuds 2 aber als relativ wuchtig. Sie sitzen gut und stabil im Ohr, zählen aber nun nicht unbedingt zu den TWS-Earbuds, die man im Ohr vergessen könnte. Ein Vorteil ihrer Größe ist, dass sie bereits passiv ziemlich gut abdichten.
Die Fairbuds 2, ihr Case hingegen nicht, sind auch nach IP54 vor Staub und Wasser geschützt. Folgerichtig machen sie auch das ein oder andere Workout bei schlechtem Wetter mit. Mir saßen sie für Sport allerdings etwas zu locker. Beim Laufen war Nachjustieren jedenfalls unvermeidlich. Hier gilt aber, dass jedes Ohr anders ist. Eventuell sitzen die Kopfhörer bei euch auch bombenfest. Für mich persönlich geht da nichts über den Sitz von Earwing-Modellen.
Im Übrigen könnt ihr über die App auch eine Art Suchmodus aktivieren, wenn euch einer der Earbuds abhandengekommen ist. Er gibt dann einen lauten Piepton von sich. Das funktioniert aber nur dann, wenn der jeweilige Kopfhörer noch via Bluetooth verbunden ist, sonst habt ihr Pech gehabt.
Praxistest der Fairbuds 2
Die Fairbuds 2 nutzen relativ große Treiber (11 mm) und unterstützen Bluetooth 6.0 für stabile Verbindungen sowie den hochwertigen Codec LDAC. Das sind erstmal auf dem Papier exzellente Voraussetzungen für sauberen Klang. In der Praxis sind mir die In-Ears ab Werk erst einmal etwas zu dumpf. Damit ist nicht gemeint, dass die Bässe zu dominant wären, vielmehr wirkt der Klang etwas muffig. Das kann man über den Equalizer durchaus abmildern, aber so richtig frisch und dynamisch wirken die TWS-Earbuds am Ende nie.
Am ehesten überzeugen die Fairbuds 2 daher auch bei rhythmusbetonter Musik wie Dance, Electro, Hip-Hop und Co., die in aller Regel weniger filigrane Arrangements aufweist. Indie-Folk, Dreampop oder Singer-Songwriter, meine bevorzugten Genres, klingen stets ein wenig "verstaubt". Abseits der individuellen Equalizer-Anpassungen könnt ihr auch aus vorgefertigten Presets für etwa einen Bass-Boost, verstärkte Höhen oder hervorgehobene Stimmen wählen.
Die hybride Geräuschunterdrückung der Fairbuds 2 funktioniert solide und spielt für In-Ears aus meiner Sicht im Mittelfeld. In Kombination mit der recht guten passiven Isolierung kann man auch beim Pendeln mit der U-Bahn gut Musik oder Podcasts hören. Etwas besser schneidet sogar der Transparenzmodus ab, der die Umgebungsgeräusche in manchen Situationen, etwa um Durchsagen am Bahnhof zu hören, sinnvoll verstärken kann.
Zwischen den einzelnen Modi, also ANC-An, ANC-Aus oder dem Transparenzmodus, könnt ihr auch direkt über die Touch-Bedienflächen der Fairbuds 2 wechseln. Alternativ nutzt ihr dafür die App. Diese ist eher schlicht gehalten und bietet nicht allzu viele Funktionen. Was sie auffährt, reicht aber aus. Die Touch-Bedienung der Fairbuds 2 kann hingegen auch mal frickelig sein. Denn durch Gedrückthalten der Oberflächen könnt ihr die Lautstärke erhöhen (rechte Seite) bzw. verringern (linke Seite). Wollt ihr einfach nur den Sitz anpassen, kann es mit etwas Pech durchaus vorkommen, dass ihr versehentlich die Lautstärke verändert.
Telefonate klappen mit den Fairbuds 2 relativ schnörkellos. Meine Gesprächspartner konnten mich laut ihren Aussagen auch beim Vorbeilaufen an der Straße gut verstehen. Bei langen Sessions haben mir die In-Ears allerdings doch etwas zu sehr gedrückt, hier konnte ich auch mit keinem der Eartips Abhilfe schaffen. Eventuell bin ich da mittlerweile aber auch nur von Open-Ears zu verwöhnt.
Mein Fazit zu den Fairbuds 2
Gemessen an ihrem Preis sind die Fairbuds 2 solide TWS-Earbuds. Ich selbst weiß zu schätzen, dass der niederländische Hersteller auf PFAS-Chemikalien verzichtet, was gerade bei Produkten mit direktem Hautkontakt ein echter Mehrwert ist. Es wäre schön, wenn sich diese Herangehensweise branchenweit durchsetzen könnte. Bei Bedienung und Klang gibt es jedoch Abstriche. Die Touchsteuerung etwa kann im Eifer des Gefechts dazu führen, dass ihr nur den Sitz justieren wollt, euch aber am Ende gewaltig laut mit eurer Musik beschallt.
Generell ist mir der Sound der Fairbuds 2 etwas zu muffig, was ich auch durch das Spielen mit dem Equalizer zwar reduzieren, aber nicht ganz eliminieren konnte. Die Geräuschunterdrückung ist hingegen gut und in Kombination mit der überdurchschnittlichen, passiven Isolation im Alltag ein echter Mehrwert. Die Earbuds sind jedoch relativ groß und schwer, was zumindest ich beim längeren Tragen auch gemerkt habe.
Das Gesamtbild zu den Fairbuds 2 ist also von Licht und Schatten gezeichnet. 119 Euro ist durchaus ein fairer Preis für das Gebotene, wenn ihr auf Reparierbarkeit und Nachhaltigkeit Wert legt und die gesundheitlichen Aspekte (keine PFAS) zu schätzen wisst.
Hinweis: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Kauft ihr darüber ein, erhalten wir eine kleine Provision - ohne Aufpreis für euch und ohne Einfluss auf unsere redaktionelle Meinung.

2 weeks ago
9








