Kaum ist die erste Finanzierungsrunde abgeschlossen, bereitet DeepSeek die nächste vor. Das chinesische KI-Labor braucht Kapital für eigene Rechenzentren und Chips, um seine aggressive Preisstrategie zu finanzieren.
Das chinesische KI-Labor schloss Ende Mai seine erste Runde mit rund 7 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 52 Milliarden Dollar ab, berichtet die Financial Times. Nun führe das Startup aus Hangzhou erste Gespräche mit neuen Investoren über eine Runde mit einer Vorbewertung von etwa 71 Milliarden Dollar. Das Geld soll in den Aufbau eigener Rechenzentren und den Kauf von KI-Chips fließen. Parallel dazu arbeitet DeepSeek an einem eigenen Inferenz-Chip, um die Abhängigkeit von Nvidia und Huawei zu verringern. Gründer Liang Wenfeng investierte selbst rund 3 Milliarden Dollar als größter Geldgeber. Weitere Investoren sind CATL, Tencent, JD.com, NetEase sowie Chinas staatlicher KI-Fonds.
Der Kapitalbedarf hängt auch mit DeepSeeks aggressiver Expansionsstrategie zusammen. Das Unternehmen hat kürzlich V4-Pro und V4-Flash veröffentlicht, die größten Open-Weights-Modelle mit bis zu 1,6 Billionen Parametern. Die Dumpingpreise für V4-Pro wurden dauerhaft gemacht und liegen beim Input rund elfmal günstiger als GPT-5.5.
DeepSeek zunehmend beliebter bei US-Firmen
Die Strategie zeigt Wirkung: Laut dem US-Finanzdienstleister Ramp, der reale Ausgaben von über 50.000 Unternehmen auswertet, gehörte DeepSeek im Juni zu den am stärksten wachsenden Software-Anbietern unter US-Firmen. Ramp warnt allerdings vor Sicherheitsrisiken, da Unternehmen dabei Daten direkt über DeepSeeks Plattform senden.
Inzwischen hat sich der Leistungsabstand zur westlichen Spitze weiter vergrößert: OpenAI hat mit GPT-5.6 Sol und Anthropic mit Claude Mythos eine neue Leistungsklasse erreicht, zu der DeepSeek bislang kein Gegenstück hat. Die Lücke bei der Leistung ist aber deutlich kleiner als die beim Preis.
Auch die chinesische Konkurrenz schläft nicht. Zhipu AI hat mit GLM-5.2 ein Open-Source-Modell veröffentlicht, das bei stundenlangen Coding-Aufgaben nur noch wenige Prozentpunkte hinter Anthropics Opus-Modellen liegt und zunehmend Anklang bei Unternehmen findet. MiniMax arbeitet Berichten zufolge an einem Modell mit 2,7 Billionen Parametern, das noch im dritten Quartal erscheinen könnte. Und Moonshot AI, der Entwickler von Kimi, sucht bei einer Bewertung von bis zu 30 Milliarden Dollar ebenfalls nach frischem Kapital. Der Wettbewerb unter den chinesischen KI-Laboren ist damit so intensiv wie nie.
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