Ein Ego-Shooter, ein U-Boot-Spiel, ein Kart-Racer und ein Minecraft-Nachbau entstanden in den vergangenen Tagen aus einzelnen Prompts. Geometrie, Texturen, teils sogar die Musik kommen als Code aus dem Modell und werden direkt im Browser gerendert.
Das verlangt weit mehr als syntaktisch korrekten Code: Wenn ein Sprachmodell eine Szene aus dem Nichts schreibt, muss es physikalisches und visuelles Weltwissen abrufen, etwa wie ein Snowboard über Schnee gleitet oder wie Wind Millionen Grashalme bewegt. Der Nutzer liefert lediglich einen Prompt.
Sechs Demos, die komplett aus Code bestehen
Matt Shumer zeigte einen Ego-Shooter, der optisch an Call of Duty erinnert. Alles in der Demo sei eigener Code, schrieb er auf X, es sei kein einziges externes Asset verwendet worden. Prompt und Quellcode stellte er unter dem Namen Claude-of-Duty auf GitHub bereit.
Matt Shumers Ego-Shooter wurde von Opus 5 komplett erstellt, ohne ein einziges externes Asset. | Bild: Matt ShumerAlex Ermolov veröffentlichte eine Snowboard-Demo und ordnete sie ein: Opus 5 sei auf Augenhöhe mit Fable und allen anderen getesteten Modellen voraus. Beim ersten Durchlauf seien keine visuellen Fehler aufgetreten, und die Gleitphysik fühle sich richtig an.
Wie deutlich sich Opus 5 von der Konkurrenz absetzt, zeigt die Ballista von chetaslua. Die römische Belagerungsmaschine steht vor einer Burg, lässt sich über eine vollständige Bedienoberfläche steuern und wirkt eher wie ein fertiges Spiel als wie ein Prototyp.
Chetaslua hatte dieselbe Aufgabe zuvor GPT-5.6 Sol und Kimi K3 gestellt. Beide lieferten eine erkennbare Ballista, allerdings mit weniger Mechanik und einer deutlich dünneren Umgebung.
Wie rasant die Entwicklung voranschreitet, zeigt ein Vergleich des Nutzers Chris. Er stellte Ausgaben von Claude 4 Opus aus dem Vorjahr neben aktuelle Ergebnisse von Opus 5. Für den neuen Durchlauf ließ er ein Auto auf einem Feldweg rendern, ausdrücklich ohne Texturen. Das Ergebnis zeigt Schlammspuren, Vegetation und differenzierte Lichtstimmung, wo ein Jahr zuvor grobe Farbflächen standen.
Unten Claude 4 Opus aus dem Vorjahr, oben Opus 5. | Bild: ChrisGPTWeitere Demos zeigen die Bandbreite an Möglichkeiten: Lentils erzeugte eine malerische Landschaft in einer einzigen HTML-Datei, in der Millionen Grashalme auf simulierte Windströmungen reagieren. Pietro Schirano baute ein U-Boot-Spiel mit vollständig im Modell erzeugten 3D-Objekten, Texturen und Musik. Ryan Campbell veröffentlichte seinen Kart-Racer direkt als spielbare Webseite.
Was "alles kommt aus dem Modell" bedeutet
In der klassischen 3D-Entwicklung setzen Entwickler Assets aus Bibliotheken zusammen, laden Texturen als Bilddateien und steuern Physik über eine Engine. In den Opus-5-Demos hingegen entsteht die Geometrie prozedural durch Code, der Punkte und Flächen zur Laufzeit berechnet. Oberflächen werden als Shader formuliert, also ebenfalls als Code statt als Bilddatei. Physik und Steuerung schreibt das Modell gleich mit. Weil alles im Browser über Three.js läuft, reicht am Ende eine einzige HTML-Datei.
Anthropic selbst schreibt in der Vorstellung von Opus 5, das Modell liefere "viel stärkere visuelle Ausgaben" als seine Vorgänger. Ein Testpartner nennt in derselben Ankündigung die besten Animationen, Spiele und 3D-Arbeiten, die er je von einem Opus-Modell gesehen habe.
Anthropic zeigt eigene Opus-5-Demos im Video. | Video: Anthropic
Der Ansatz unterscheidet sich auch von Systemen wie Googles Genie 3 oder Videomodellen, die manche als Weltmodelle bezeichnen. Dort berechnet das System jedes Bild neu und gibt das Ergebnis als Bildfolge aus. Was entsteht, existiert nur als Videostrom und lässt sich weder editieren noch weiterverwenden. Die Opus-5-Demos hingegen produzieren editierbaren Code.
Minecraft-Nachbau als informelle Messlatte
Parallel zu den Einzeldemos hat sich in der Community ein informeller Test etabliert: Minecraft mit einem einzigen Prompt nachbauen. Pankaj Kumar zeigt eine Fassung von Opus 5 mit unendlicher prozeduraler Welt, 15 Biomen sowie Survival- und Kreativmodus. Sämtliche Grafik-Assets seien aus Code erzeugt, schreibt er, jede Textur und jeder Ton entstehe zur Laufzeit. Gekostet hat ihn das 25 Millionen Tokens.
Dasselbe Muster zeigt sich bei anderen Aufgaben. Der Nutzer Harshith ließ ein 3D-Modell eines Airbus H145 in Three.js von Opus 5, Fable 5, GPT-5.6 Sol und weiteren Modellen erzeugen und stellte die Ergebnisse nebeneinander. Der Nutzer "atomic.chat" ging noch weiter und ließ die vier Modelle drei Physikszenen bauen, darunter einen Tornado über einem Feld und eine Abrissbirne an einem Wohnblock. Nur Opus 5 löste laut atomic.chat alle drei Szenen plausibel.
Visueller Vergleich von vier KI-Modellen bei einer Tornado-Simulation mit identischem Prompt. | Bild: atomic.chatSolche Prompts taugen als erste Orientierung, weil jeder sie nachstellen und am Bildschirm bewerten kann. Programmierkenntnisse sind dafür nicht nötig, auch wenn sie beim Prompting helfen können. Ein Benchmark im methodischen Sinn ist das allerdings nicht. Es fehlen standardisierte Aufgaben, eine Bewertungsskala und die Kontrolle über die Zahl der Versuche.
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