
Ich habe über die Jahre etliche Dyson-Modelle getestet, V11, V15, Gen5detect und was da noch so rumflog. Der V16 Piston Animal fällt aus der erwähnten Reihe, denn die Geräte waren sich am Ende doch alle relativ ähnlich. Er bringt die größten Änderungen seit langer Zeit und greift gleich mehrere Baustellen an. Dazu gehören eine komplett neue Bodendüse statt Fluffy-plus-Standard-Doppel, Staubkomprimierung im 1,3-Liter-Behälter, echter Ein-/Ausschalter statt Trigger, schnelleres Handling beim Düsentausch und erstmals „echte“ App-Anbindung. Auf dem Papier klingt das nach Komfortschub. Nach ein paar Wochen im Einsatz zwischen Vinyl, Fliesen, hohen und niedrigen Teppichen, Treppen und einer Portion Tierhaar kann ich sagen, dass das Update hilfreich ist, aber vor allem die Bodendüse meinen Nerv so gar nicht trifft.
Fangen wir an mit Ergonomie und Verarbeitung. Der Piston Animal wirkt wie ein typischer Dyson aus der aktuellen Generation, aber griffiger und kompakter. Matte Oberflächen statt Hochglanz, saubere Spaltmaße, nichts scheppert. Am Griff sitzt eine leichte Polsterung, die bei längeren Sessions tatsächlich einen Unterschied macht. Das Gewicht ist nicht federleicht, aber gut ausbalanciert. Man merkt, dass Dyson eher auf Stabilität und Dämpfung setzt als auf Minimalgewicht. Die Bedienung ist entspannter, weil es auch hier einen Power-Button gibt. Wer sich je durch eine komplette Wohnung „durchgetriggert“ hat, weiß, wovon ich rede. An, los, Modus wählen – fertig. Das kleine Display zeigt Restlaufzeit in Minuten, Modus und die bekannte Partikel-Anzeige. Die ist weiterhin Spielerei mit der Tendenz “motivierend für den Nutzer”, aber unverzichtbar ist sie nicht. Das Teil ist nun schon seit ein paar Modellen dabei und wenn ich ehrlich bin, schaue ich da nie drauf.

Richtig gelungen ist der neue Staubbehälter mit Komprimierungshebel. Ein roter Schieber presst den Inhalt zusammen, wischt gleichzeitig Feinstaub von der Innenwand und vergrößert so die effektive Kapazität, bevor man überhaupt entleeren muss. Beim Leeren fällt der gepresste Batzen zuverlässig heraus, ohne dass man den Finger hinterherschicken muss. Das ist eine der Neuerungen, die man nach dem dritten Mal nicht mehr missen will. Die alten Modelle waren da gerade bei langen Haaren oder Tierhaaren meist ziemlich unhygienisch, weil man mit der Hand noch irgendwelche Haarballen herausfitzeln musste. Oben am Rohr sitzt ein zusätzlicher Schnellverschluss. So löst man die Bodendüse aus dem Stand, ohne sich nach unten zu bücken – beim Wechsel aufs Hair Screw Tool für Treppenstufen oder die Fugendüse im Sockelbereich spart das jedes Mal zwei Handgriffe. Generell gilt hier zu beachten, dass alle Aufnahmen komplett neu sind. Wer denkt, hier passen Düsen oder Zubehör vom Vorgänger, wird schnell eines Besseren belehrt.

Die neue Bodendüse ist meiner Meinung nach eine schwierige Kiste. Statt zwei Köpfe (Fluffy für Hartböden, Bürste für Teppich) steckt Dyson zwei konische Walzen in ein Gehäuse. Die Kegel sollen lange Haare nach außen führen und einziehen, während harte Borsten Teppichflor anheben und die weiche Zone Feinstaub von Hartböden aufnimmt. Das Ganze wird per Sensorik in Drehzahl und Saugkraft gesteuert. Dazu gibt es die grüne Staublicht-Beleuchtung, die auf dunklem Parkett und unter Möbeln zuverlässig Staub sichtbar macht. Im Alltag spielt das Konzept seine Stärken aus: Auf Teppich nimmt der Piston Animal sehr ordentlich mit, feiner Staub, Krümel und Tier-/Langhaar landet da, wo es hingehört. Auch auf Parkett erwischt er feine Partikel sicher, und das Licht hilft, gründlich zu arbeiten. Das Licht wird übrigens automatisch an/ausgeschaltet. Auf Teppich geht es aus, auf Hartboden an.

Zwei Punkte stören mich aber. Die Front der Düse ist mittig spitz zulaufend und der Form der Kegel folgend und daher gar nicht gerade. Entlang von Fußleisten und an Schrankkanten kommt man frontal nicht so sauber an die Kante, man muss von der Seite anfahren. Das ist kein Drama, wird aber in engen Bereichen wie unterm Schreibtisch oder entlang von Küchenzeilen schnell lästig. Außerdem schiebt die Düse auf Hartboden bei gröberen Partikeln wie Müsli im ersten Anlauf gerne etwas vor sich her. Hebt man die Düse ungünstig an, kann es auch zum “Zurückspucken“ kommen. Dann landen die Krümel in Bereichen des Raums, die schon sauber waren. Nach zwei, drei Zügen ist die Fläche sauber, aber im direkten Vergleich mit dem alten Bürstenkopf von Dyson passiert das mit dem neuen deutlich häufiger. Bei sehr feinem Pulver bleibt mitunter ein schmaler Streifen mittig liegen. Das ist nicht verwunderlich, da man gewissermaßen eine tote Zone zwischen den zwei Kegeln hat. Auf Teppich fällt dieser Effekt kaum auf, dort macht der Kopf eine sehr gute Arbeit.

Saugleistung und Laufzeit liegen auf dem Niveau, das ich von einem aktuellen Dyson erwarte. Der Piston Animal regelt wie gesagt nicht nur die Saugleistung, sondern auch die Bürstendrehzahl. Man hört gut, wie er von Hartboden auf Teppich hochschaltet. In Boost ist er der Tod für dreckige Fugen oder stark verschmutzte Teppichzonen, die Laufzeit sinkt dann aber erwartbar. Selbst im Boost-Modus blieb die bei mir aber solide 15-Minuten-Bereich. Im Eco reichte eine Akkuladung für das ganze Haus, die realen 60–70 Minuten über Sessions verteilt oder am Stück sind drin, je nach Nutzung der Modi.

Das Laden ging mit um die 3,5 Stunden mit einer ordentlichen Geschwindigkeit über die Bühne. Der Akku ist wechselbar und nicht fest verbaut wie bei älteren Dysons. Die Filterung ist Dyson-typisch stark, ich habe beim Saugen weder Geruch noch feinen ausgeblasenen Staub bemerkt. Wenn der Filter mal dreckig ist, kann er ausgewaschen und über 24h getrocknet werden.

Die App ist neu an Bord, aber recht simpel. Geräteübersicht, Basisdaten, Laser per App schalten, Auto-Verhalten justieren, Reinigungssummaries sind dabei, funktionieren aber nicht immer zuverlässig. Ist meiner Meinung nach auch nicht kriegsentscheidend. Der Sauger lässt sich selbstständig am Gerät komplett bedienen und die App habe ich quasi nie aufgemacht. Wozu brauche ich eine Übersicht, wie lange das letzte Saugen gedauert hat? Das Display am Gerät bleibt für Restlaufzeit und Modus die wichtigere Infoquelle.

In Summe ist der Piston Animal der Alltags-Dyson für Menschen, die keinen Kopfwechsel wollen, regelmäßig Haare einsaugen und Wert auf Entleerungskomfort legen. Wenn ich nur Teppich und gemischte Flächen sauge, liefert er sehr gut ab. Wenn ich häufig kantenbündig an langen Leisten entlang sauge oder oft grobe, rollende Partikel auf Hartboden habe, sind die alten Köpfe komfortabler. Das ist Jammern auf hohem Niveau, aber bei einem Premiumgerät gehört das erwähnt.
Mein Fazit
Der Dyson Piston Animal ist das sinnvollste Dyson-Upgrade seit Jahren, weil es an den richtigen Stellen ansetzt. Staubkomprimierung und Schnellwechsel sparen Zeit und Nerven, der Ein-/Ausschalter ist eine Wohltat, die Laufzeit ist ordentlich und die Gesamtleistung auf Teppich hervorragend. Die neue Düsengeometrie ist gewagt, im Alltag meist gut, hat aber im wahrsten Sinne Ecken und Kanten. Wenn euch Komfort, Haar-Handling und ein Kopf für alles wichtiger sind als die letzte Perfektion an Kanten, greift zu. Auch wenn das Teil mit knapp 850 Euro (mit Submarine 1000 Euro) natürlich kein Schnapper ist. Wenn ihr viel kantenbündig putzt, große Brocken am Hartboden einsammelt oder altes Zubehör weiter nutzen wollt, lohnt der Blick auf einen rabattierten V15 oder Gen5detect mit klassischem Kopfduo oder komplett bei der Konkurrenz, die Ähnliches bietet zu einem geringeren Preis.
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1 month ago
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