Stand: 18.09.2026, 16:35 Uhr
Von: Lara Hempel
Nach der Straße von Hormus ist die nächste Meerenge gefallen. Ein Militärökonom warnt vor einem Szenario, das die Weltwirtschaft erschüttern könnte.
38 Milliarden Dollar, elf gefallene Soldaten, Ölpreise auf Rekordniveau: Der US-Angriff auf Iran zieht immer weitere Kreise. Während die Straße von Hormus blockiert bleibt, rückt eine zweite wichtige Meerenge ins Zentrum der Krise. Für die globale Lieferkette, Deutschland und für die Zukunft des westlichen Handels ein verheerendes Szenario – mit einer neuen Chance am Horizont.

Zur bereits bestehenden Energiekrise, ausgelöst durch die Sperrung der Straße von Hormus, kommt nun eine zweite Bedrohung hinzu. Die Huthi-Rebellen, die mit dem Iran verbündet sind, haben in einer Blitzoffensive die gesamte Westküste des Jemens überrannt und strategisch gelegene Inseln besetzt. Damit kontrollieren sie die Meerenge Bab al-Mandab, das Tor zum Suez-Kanal. „Wir haben jetzt nicht nur eine Energiekrise mit steigenden Ölpreisen, wir bekommen jetzt auch eine logistische Krise“, sagte Militärökonom Marcus M. Keupp, Forscher an der Militärakademie der ETH Zürich, gegenüber ZDFheute. Und das kann für Verbraucher noch teurer werden, als es jetzt bereits ist.
Doppelte Krise um Hormus und Suez-Kanal: Energie und Logistik treffen den Welthandel empfindlich
Bab al-Mandab zählt zu den bedeutendsten Schifffahrtsstraßen der Welt. Sie verbindet das Rote Meer mit dem Indischen Ozean und damit Europa mit Südostasien und China. Seit der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus hat die Meerenge zusätzlich an strategischer Bedeutung gewonnen und fällt nun ebenfalls aus. Die Folgen für die Inflation seien laut Keupp gravierend: „Energie- plus Logistikkrise. Das ist eigentlich die schlimmstmögliche aller Welten.“
Dass diese Entwicklung nicht abstrakt bleibt, zeigen aktuelle Zahlen aus Deutschland. Die Erzeugerpreise, die sich zeitversetzt auf Verbraucherpreise auswirken, stiegen im August im Jahresvergleich um 4,6 Prozent. Das ist deutlich stärker als die von Experten erwarteten 3,9 Prozent, berichtete das Statistische Bundesamt laut dem Spiegel. Besonders die Energiepreise trieben den Anstieg. Erschwerend kommt hinzu: Die saudische Ausweichroute, die Öl über die SUMED-Pipeline durch Ägypten zum Mittelmeer von der Straße von Hormus umleitet, wurde ebenfalls getroffen – ein Nadelöhr weniger für den globalen Ölhandel.
Auch in den USA spitzt sich die Lage zu. Die gestiegenen Kraftstoffpreise seien für US-Verbraucher „nicht mehr tragbar“, so Keupp. Da der US-Transportsektor stark auf Verbrenner-Trucks angewiesen sei, drohe ein Übergreifen auf die allgemeinen Warenpreise. Die US-Notenbank Fed reagierte mit einer Leitzinserhöhung um ein Viertelprozent – für Keupp möglicherweise „der erste von mehreren Schritten“. Für US-Präsident Donald Trump komme das zur Unzeit: Zinserhöhungen seien „das Allerletzte, was Trump jetzt gerade braucht vor den Midterms“, sagte der Ökonom. Selbst Republikaner distanzieren sich vom amtierenden Präsidenten vor den Wahlen.
„Strategisches Versagen“ – und eine Chance für Europa?
Hinter der gesamten Entwicklung sieht Keupp ein „strategisches Versagen“ der USA. Es habe keine militärische Vorbereitung und keine Abstimmung mit Saudi-Arabien gegeben: „Sie schlagen einfach zu, ohne an die Folgen zu denken.“ Trumps Politik werde „welthistorisch gesehen eine einzigartige Warnung sein“ – ein wirtschaftspolitisches Experiment, „wie man es nicht macht“. Für Europa hingegen sieht der Forscher langfristig eine Chance: Wer die Prinzipien von Offenheit, Freiheit und Welthandel hochhalte, könne aus diesem Scheitern lernen. Die Annäherung zwischen der EU und Kanada sei ein vielversprechendes Signal – doch Trump droht nun mit Konsequenzen.



