Das Bundesgesundheitsministerium hat in einer recht verschwurbelten Pressemitteilung seine Digitalisierungsstrategie vorgestellt. Die dürfte bei einigen Lesern aus zwei Gründen für hochgezogene Augenbrauen sorgen. Zum einen will man die Rolle der gematik GmbH stärken und deren Verantwortlichkeiten im Bereich der digitalen Anwendungen ausbauen. Das soll helfen, vereinbarte Standards und Regelungen konsequenter umzusetzen. Zum anderen soll die umstrittene elektronische Patientenakte (ePA) noch wichtiger werden.
Warum ist das beide nicht so ganz ohne? Die gematik ist wegen ihrer Software und der Kommunikation drumherum in der Vergangenheit schon mehrfach in die Kritik geraten. Das trifft auch auf die ePA zu, die man immer noch nicht als so wirklich sicher verstehen kann und deren Handhabe vielen auch zu sperrig ist. Die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat es vor allem abgesehen auf die „systematische Generierung und Nutzung hochwertiger Gesundheitsdaten sowie mehr digitale Versorgungssteuerung“. Da kann man nun viel hineininterpretieren, gerade da auch schon die wissenschaftliche und kommerzielle Verwertung der Gesundheitsdaten breit diskutiert worden ist.
Jedenfalls will man die elektronische Patientenakte weiterentwickeln und zu einem zentralen Bestandteil der medizinischen Versorgung machen. Über verbesserte Sicherheit denkt man da aber mitnichten nach, sondern es soll z. B. auch um den Einsatz der Daten für künstliche Intelligenz und die schnellere Verarbeitung großer Datenmengen gehen. So sollen etwa durch KI-Dokumentation die Verwaltungsprozesse beschleunigt werden. Das Ziel ist es, die ePA zu einem generellen, digitalen Begleiter zu erheben. Dafür will man etwa weitere Anwendungen wie die digitale Ersteinschätzung, die digitale Terminvermittlung und die E-Überweisung integrieren.
Gesundheitsdaten sollen zu Forschungszwecken genutzt werden
Das Bundesgesundheitsministerium strebt danach, die Zahl der ePA-Nutzer, von aktuell 4 Mio. Versicherten bis 2030 auf rund 20 Mio. zu erhöhen. Dafür will man auch die Authentifizierungs-Hürden senken, angeblich ohne die Datensicherheit zu gefährden. Noch in diesem Jahr will man zudem den digital gestützten Medikationsprozess sowie eine Erinnerungsfunktion für Versicherte einführen. Auch die kontrovers diskutierte Weiterleitung von Forschungsdaten an das Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ) soll noch 2026 implementiert werden.
Wo wir bei euren Gesundheitsdaten sind: Die sollen systematisch verwaltet und aktiv genutzt werden – in einem europäisch anschlussfähigen System. Das soll also wohl nicht nur in Deutschland geschehen, denn man strebt danach, den Zugang zu Gesundheits- und Pflegedaten für grenzüberschreitende Versorgung und Forschung zu erleichtern, wie es explizit heißt. Dafür will man das Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ) an den neuen Europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS) anbinden. Die in Deutschland erhobenen Gesundheits- und Pflegedaten sollen für die grenzüberschreitende Versorgung und Forschung zum Einsatz kommen. Am Ende soll von der europaweiten Verfügbarkeit von Gesundheitsdaten der Bürger umgekehrt auch Deutschland als Forschungs- und Wirtschaftsstandort profitieren.
Die Digitalisierungsstrategie hält weiterhin am Ziel fest, dass bis Ende 2026 mindestens 300 Forschungsvorhaben unter Nutzung von Daten aus dem FDZ durchgeführt bzw. initiiert werden. Letzten Endes liest man also schon gut heraus, dass ein zentrales Ziel der ePA eben nicht nur eine verbesserte Gesundheitsversorgung ist, sondern auch bzw. primär die Verwertung der Gesundheitsdaten. Allerdings steht es (noch) natürlich jedem frei, der Anlegung einer elektronischen Patientenakte zu widersprechen. Gezwungen wird niemand zur Teilnahme.
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3 weeks ago
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