Der Musikstreaming-Dienst Deezer meldet, dass mittlerweile 44 Prozent aller täglich hochgeladenen Songs vollständig von KI erzeugt werden. Die Plattform setzt auf eigene Erkennungstechnologie und will diese nun auch an die Branche lizenzieren.
Laut Deezer werden täglich fast 75.000 vollständig KI-generierte Tracks auf die Plattform geladen. Das entspräche rund 44 Prozent aller täglichen Uploads und mehr als zwei Millionen KI-Tracks pro Monat. Noch vor gut einem Jahr lag die Zahl demnach bei 10.000 Tracks pro Tag.
Deezer ist nach eigenen Angaben die einzige Streaming-Plattform weltweit, die KI-generierte Musik systematisch erkennt und transparent kennzeichnet. Seit Januar 2025 setzt das Unternehmen dafür ein patentiertes Erkennungstool ein, das Outputs gängiger generativer Modelle wie Suno und Udio identifizieren können soll. Allein 2025 wurden laut Deezer so über 13,4 Millionen KI-Tracks erkannt und getaggt.
Deezer lizenziert seine Erkennungstechnologie seit Januar an andere Unternehmen der Musikbranche.
Laut einer von Deezer bei Ipsos beauftragten Umfrage mit 9.000 Teilnehmenden konnten 97 Prozent in einem Blindtest zwar KI-generierte Musik nicht von menschlicher unterscheiden, 80 Prozent der Befragten sprachen sich aber für eine klare Kennzeichnung aus. 52 Prozent wollen KI-Songs nicht in den regulären Charts sehen.
KI-Musik wird auf Deezer primär von Bots gestreamt
Erkannte KI-Tracks werden auf der Streaming-Plattform automatisch aus algorithmischen Empfehlungen und redaktionellen Playlists entfernt. Der Konsum von KI-Musik auf der Plattform liegt laut Deezer daher nur bei ein bis drei Prozent der Gesamtstreams. Doch selbst diese Abrufe sind laut Deezer größtenteils nicht echt: 85 Prozent der Streams auf KI-generierte Tracks gehen demnach auf Stream-Manipulation zurück, also etwa auf Bots oder automatisierte Wiedergaben, die Tantiemen aus dem gemeinsamen Vergütungspool abschöpfen sollen. Deezer schließt solche manipulierten Streams von den Auszahlungen aus.
Wie real das Problem des KI-gestützten Stream-Betrugs ist, zeigte zuletzt ein Fall in den USA: Ein Mann aus North Carolina bekannte sich schuldig, mit Hunderttausenden KI-generierten Songs und Bot-Streams mehr als acht Millionen Dollar an Tantiemen erschlichen zu haben. Die Branche reagiert unterschiedlich auf die KI-Flut: Während Bandcamp KI-generierte Musik vollständig von seiner Plattform verbannt hat, setzt Apple Music auf freiwillige Transparency Tags, bei denen Labels und Distributoren KI-Inhalte selbst kennzeichnen sollen. Laut einer Recherche des Rolling Stone nutzen derweil Top-Produzenten und Songwriter KI-Generatoren längst im Verborgenen, schweigen aber aus Angst vor öffentlicher Kritik. Suno-CEO Mikey Shulman verglich sein Tool mit dem "Ozempic" der Musikbranche: Jeder nutze es, niemand rede darüber.
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