Deepseek macht v4-Dumpingpreise permanent und setzt OpenAI und Anthropic unter Druck

2 weeks ago 13

Deepseek gibt die chinesische KI-Strategie vor: Westliche Labore beim Preis massiv unterbieten.

Das Unternehmen hat den 75-Prozent-Rabatt auf sein Spitzenmodell Deepseek-V4-Pro dauerhaft gemacht, wie Deepseek auf X mitteilt. Ursprünglich sollte die Aktion am 31. Mai 2026 enden.

Mit dem permanenten Rabatt kostet eine Million Input-Tokens (ohne Cache) weiter nur 0,435 Dollar, eine Million Output-Tokens 0,87 Dollar. Bei Cache-Treffern sinkt der Input-Preis sogar auf 0,003625 Dollar pro Million Tokens. Zum Vergleich: GPT-5.5 kostet 5 Dollar pro Million Input-Tokens und 30 Dollar pro Million Output-Tokens. Opus 4.7 liegt bei 5 Dollar Input und 25 Dollar Output.

Modell Input pro 1M Tokens Input Cache-Treffer Output pro 1M Tokens
DeepSeek-V4-Pro $0,435 $0,003625 $0,87
DeepSeek-V4-Flash $0,14 $0,0028 $0,28
GPT-5.5 $5,00 $0,50 $30,00
GPT-5.5 (Long Context, >270K) $10,00 $1,00 $45,00
Opus 4.7 $5,00 $0,50 $25,00

Deepseeks Spitzenmodell ist damit beim Input rund elfmal günstiger als GPT-5.5 und beim Output rund 29-mal günstiger. Das günstigere Modell DeepSeek-V4-Flash ist nochmals deutlich billiger. Beide Modelle bieten ein Kontextfenster von einer Million Tokens und bis zu 384.000 Output-Tokens. Deepseek unterstützt sowohl das OpenAI- als auch das Anthropic-API-Format, was den Umstieg für Entwickler erleichtert.

Preise und Verbrauch zählen

Die reinen Tokenpreise sind allerdings nur bedingt aussagekräftig, da auch der Tokenverbrauch pro Aufgabe eine Rolle spielt. Ähnlich wie bei einem Auto: Ein niedriger Literpreis hilft wenig, wenn der Motor mehr schluckt.

Ein Negativbeispiel ist Googles Gemini Flash 3.5, das zwar auf dem Papier günstiger und ähnlich leistungsfähig ist wie das vorherige Pro-Modell 3.1, aber deutlich mehr Tokens verbraucht und daher in der Praxis sogar teurer sein kann. Auch Anthropics Opus 4.7 ist auf dem Papier günstiger als GPT-5.5, verbraucht aber mehr Tokens als sein Vorgänger. GPT-5.5 hingegen verbraucht weniger Tokens als GPT-5.4. In Summe sind dennoch beide Modelle 30 bis 90 Prozent teurer geworden im Vergleich zu ihren jeweiligen Vorgängern.

Klar ist, dass Deepseek V4 hinter den besten Frontier-Modellen GPT-5.5 und Opus 4.7 hinterherhinkt. Wie viel genau, kann nur der Arbeitsalltag bei verschiedenen Aufgaben zeigen. Der Preisvorteil ist aber massiv, insbesondere bei agentischen KI-Systemen, die ein Vielfaches der Tokens verbrauchen im Vergleich zu einem Standard-Chatbot.

Mit der wachsenden KI-Nutzung steigt in Unternehmen auch die Preissensibilität. Solange der ROI (Return on Investment, also die Rendite der KI-Investition) nicht klar messbar ist, könnte sich die Strategie vieler Firmen verschieben: weg vom besten Modell, hin zum günstigsten, das gerade noch gut genug ist.

Deepseek geht zwar ebenfalls in eine erste Finanzierungsrunde, hat aber nicht ansatzweise den Umsatzdruck von OpenAI und Anthropic, die beide zudem vor dem Börsengang stehen.

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