Das erste KI-Labor in den schwarzen Zahlen heißt Anthropic

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Anthropic steht laut WSJ vor seinem ersten profitablen Quartal, mit einem Umsatzsprung von 130 Prozent auf 10,9 Milliarden Dollar im zweiten Quartal.

Noch im Sommer hatte Anthropic Investoren signalisiert, vor 2028 keinen Jahresgewinn zu erwarten. Nun rechnet das Unternehmen für das Juni-Quartal mit einem operativen Gewinn von 559 Millionen Dollar. Damit wächst Anthropic laut dem WSJ schneller als Zoom während der Pandemie oder Google und Facebook vor ihren Börsengängen.

Haupttreiber sind laut WSJ Anthropics Coding-Tools, die seit Jahresbeginn von Unternehmen weltweit massenhaft eingeführt werden. Hinzu kommt die "agentische" Nutzung von Claude, also Aufgaben, bei denen das Modell über längere Zeiträume eigenständig arbeitet. Die Nachfrage überstieg teilweise die Rechenkapazität, weshalb Anthropic den Zugang für manche Nutzer drosseln musste und zuletzt neue Data-Center-Deals abschloss, unter anderem mit Elon Musks SpaceX.

KI-Einsatz wird teurer, Anthropic profitiert

Auf der Kostenseite wirkt vor allem agentische KI als Tokenfresser, insbesondere beim Coding. Hinzu kommt ein versteckter Preistreiber im neuen Spitzenmodell: Anthropics Opus 4.7 kostet pro Token gleich viel wie der Vorgänger, pro Anfrage aber deutlich mehr. Schuld ist ein neuer Tokenizer, der denselben Text in bis zu 47 Prozent mehr Tokens zerlegt. Für eine beispielhafte Sitzung mit 80 Runden errechnet Entwickler Abhishek Ray Mehrkosten von etwa 20 bis 30 Prozent. Eine OpenRouter-Auswertung bestätigt reale Mehrkosten von 12 bis 27 Prozent bei Prompts über 2.000 Tokens.

OpenAI fährt eine ähnlich aggressive Preisstrategie: Mit GPT-5.5 hat sich der Listenpreis gegenüber GPT-5.4 verdoppelt, Input-Tokens kosten nun 5 Dollar und Output-Tokens 30 Dollar pro Million. OpenAI argumentiert mit kürzeren Antworten, doch eine OpenRouter-Studie zeigt real gestiegene Kosten von 49 bis 92 Prozent.

Dazu steigt Anthropics Effizienz: Im ersten Quartal gab das Unternehmen noch 71 Cent pro eingenommenem Dollar für Rechenleistung aus, im laufenden Quartal sollen es nur noch 56 Cent sein. CEO Dario Amodei scherzte auf der Entwicklerkonferenz, das Umsatzwachstum sei "zu schwer zu bewältigen" geworden, er hoffe auf "etwas normalere Zahlen". Anders als OpenAI setzt Anthropic vorwiegend auf günstigere Chips im Rahmen von Investorendeals mit Google und Amazon und muss dazu kein großes Konsumentengeschäft mit Gratisnutzern subventionieren.

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